Montag, 31. Mai 2010

Kerala und die Backwaters

Nachdem ich Donnerstag Mittag erst wieder in Bangalore angekommen bin, sind wir Freitagabends, an meinem letzten Wochenende hier nach Kerala gefahren. Obwohl ich nach meinem ersten Goaerlebnis geschworen hatte nie wieder Semisleeper zu fahren, blieb mir nichts anderes uebrig. Nach Kerala fahren keine Schlafbusse und wir hatten ein Gesamtpaket gebucht, bei welchem wir wenig selber mitzubestimmen hatten. Ich bin also vom Buero aus mit der Riksha zum Reisebuero gefahren. Dieses befindet sich in Koramangala in der Naehe eines mir bekannten Ganesh-Tempels. Der Rikshafahrer, der sich darauf eingelassen hatte mich mit dem Taxameter zu fahren, liess sich dann nach einigen Diskussionen ueberzeugen, dass er vor dem falschen Tempel angehalten hatte. Nach eingem Suchen haben wir den Richtigen dann gefunden, und es kam wie es kommen musste. Weil der arme Kerl sich solche Muehe gegeben hatte wollte er einen Aufpreis. Es ist ja nicht so, dass das Meter bei der Sucherei nicht weitergelaufen waere. Das Meter stand statt bei 70 Rupien, die der Weg normalerweise kostet bei 91 Rupien. Ich gab ihm 100 und verzichtete auf das Wechselgeld, um mir dann anzuhoeren, dass er 20 Extra haben moechte. Langsam an solche Diskussionen gewoehnt, nichtsdestotrotz davon genervt stieg ich aus und liess ihn weiter lamentieren. Ich haette vielleicht aus Erziehungsgründen meine 9 Rupien Rueckgeld verlangen sollen... Aber ich war froh endlich da zu sein und mich mit den anderen zu treffen. Also beliess ich es dabei. Das Reisebuero hatte uns gesagt, dass wir um 4.10 pm dort sein sollten. Ich kann ja verstehen, dass nach indischen Zeitmassstaeben eine grosse Sicherheit mit einkalkuliert werden muss, aber der Bus fuhr erst um 6.30 pm. Komisch, gerade wir Deutschen sind doch im Ausland so bekannt fuer Puenktlichkeit, warum laesst man uns 1Stunde vorm Reisebuero warten, um uns dann am Abfahrtplatz des Busses, wo wir mit dem Taxi hingefahren wurden noch einmal 1 Stunde warten zu lassen? Egal, der Bus war fast puenktlich und wir konnten endlich abfahren. Tiefgefroren auf 15 Grad Celsius und in Decken gewickelt hockten wir also in dem von allen hier so hochgelobten Volvoreisebus und machten nach 1,5 Stunden Fahrt die Pause fuers Abendessen. Als wir dann nach 20 Minuten wieder im Bus sassen bekamen wir mit, wie ein Vater seiner kleinen Tochter erklaerte, dass der Bus kaputt sei. Wir horchten auf und fragten nach. Leider erwies es sich als wahr...
Nach 2,5 Stunden tauchte dann ein Mechanic auf, der nach einigen Schwierigkeiten begann den Bus zu reparieren. Hauptschwierigkeit war das offen halten der Motorklappe. Nachdem diverse Werkzeuge, wie Besen und Schraubenzieher sich als untauglich erwiesen hatten, nahm er dann einen Stock zur Hand, der dann endlich die Klappe im geforderten Winkel offen hielt. 3o Männer standen daneben und sahen zu- natürlich kam niemand auf die Idee die Kappe einfach kurz festzuhalten... Der Mechanic reparierte dann den Bus, indem er einen Schlauch austauschte und mit Wasser fuellte. Mit 3 Stunden Verspaetung fuhren wir dann weiter. Wir liessen uns wieder einfrieren und ich hoffte irgendwie schlafen zu koennen. 1 Nacht Bus, 1 Nacht Boot, 1 Nacht Bus und dann 1 Nacht Flugzeug- ich schaetze, dass ich Dienstag abend sehr muede sein werde :-)
Morgens kamen wir dann in Allepey an und standen im Regen. Wir wurden dann nach kurzer Wartezeit von einem Taxi abgeholt und in ein Hotel gebracht wo wir etwas Zeit hatten uns frisch zu machen und unsere Wunden zu heilen. K. hatte Halsschmerzen und Husten, B. hatte Magenprobleme und ich hatte von dem naechtlichen 14 Stunden-sitzen geschwollene Fuesse. Nur Nr. 4 war fit. Nachdem wir alle geduscht hatten sind wir fruehstuecken gegangen, wobei B. seinen Magen lieber schonen wollte und im Hotel blieb. Mittags holte uns dann ein Taxi ab und fuhr uns zum Hafen.
Wir hatten ein Hausboot ganz fuer uns alleine, mit 3 Mann Besatzung, wow, was fuer ein Luxus. Der Regen hatte aufgehoert und endlich konnte der entspannte Teil der Reise beginnen. Die 'Venice' fuhr uns gemuetlich durch die Backwaters und ermoeglichte uns wunderschoene Ausblicke auf die Ufer. Es leben an den Ufern sehr viele Menschen. Ob sie wissen, wie schoen sie es haben?
Zwischendurch hielten wir am Ufer und die Nicht-Vegetarier kauften frische Tiger-Prawns, die dann von dem Smutje zusätzlich zum Abendessen zubereitet wurden. Zum Abendessen legten wir dann wieder an. Ich bin mit einem kleinen Paddelboot dann noch in die kleinen Nebenkanäle gefahren und habe das Leben der Menschen an den Backwaters hautnah erleben können. Etwas erledigt von der Paddelei kam ich zum Hausboot zurück und bin dann sofort in den Kanal gesprungen um etwas zu schwimmen. Nach einer ruhigen Nacht standen wir SOnntag recht früh auf und haben gefrühstückt. Leider war die wunderbare Hausboottour dann auch schon vorbei. Am Hafen holte und ein Taxi ab und wir wurden zu 2 Tempeln und in ein Museum zum Sightseeing gefahren. Dann durften wir 2 Stunden am STrand verbringen, das war aber wenig lohnenswert. Kein Schatten, keine Duschen, also auch keine Möglichkeit zu schwimmen und natürlich keine Strandcafés...
Abends sind wir dann mit einer rollenden Tiefkühltruhe wieder nach Bangalore gefahren, wobei natürlich wieder alles schief ging, was nur schief gehen kann... Erst musste jemand sehr spontan den Bus verlassen, da ihm schlecht war. ALs er wieder zustieg wurde ihm lapidar eine Tüte in die Hand gedrückt und die Fahrt im gleichen STil fortgesetzt wie vorher. Dann musste unser Busfahrer einspringen und einem Bus helfen, der eine Panne hatte (welch Wunder- nicht unserer), und dann, als wir endlich weiterfahren konnten, haben wir noch an einem schweren Unfall angehalten um nachzusehen ob sich noch Verletzte in den Wracks befinden.
Wieder einmal mit Verspätung erreichten wir morgens dann Bangalore... Gut, dass es mein letzter Arbeitstag war, und ich sowieso nur noch nachmittags für einige Stunden hingehen musste.

Die Bootstour war ganz toll und sehr lohnenswert, der Rest war eher anstrengend. Aber bei dem Wetter ist alles anstrengend.
15 Stunden nach dem Wiedereintreffen in Bangalore sollte dann mein Taxi kommen und mich zum Flughafen bringen...
Bye bye incredible India!

(P.S. Fotos folgen)

Sonntag, 30. Mai 2010

Coffee Estate

Urspruenglich hatte ich fuer die letzte Maiwoche Urlaub genommen. Ich wollte in meiner letzten Woche hier in den Norden nach Delhi bzw. Agra und zum Taj Mahal fliegen. Leider hat das irgendwie alles nicht geklappt und ich hatte, da ich keine Lust hatte hier nur so herumzuhaengen, meiner Chefin gesagt, dass ich trotz des Urlaub arbeiten kommen wuerde. Auf der Feier meiner Chefin, die am Samstag stattfand, lud mich jedoch R., eine alte Freundin meiner Chefin auf ihr Coffee Estate ein. Meine Chefin hatte nichts dagegen, da ich ja sowieso Urlaub hatte, und ich freute mich sehr. Ich habe zwar in Madikeri schon etwas von den Kaffeeplantagen mitbekommen, auf einem solchen Estate ein paar Tage zu verbringen ist jedoch noch einmal etwas anderes. R.und ihr Mann D. haben sich, nachdem sie einen grossen Teil ihres Lebens in Kuwait verbacht haben, nach ihrer Rueckkehr einen Traum erfuellt und sich ein kleines Coffee Estate gekauft. D. wohnt dort die ganze Woche, R. pendelt wegen ihrer Kinder, die in Bangalore wohnen hin und her. Wir haben Montags morgens den Bus um halb sieben genommen und uns auf die 5-stuendige Fahrt begeben. Es war eine Busfahrt wie alle Busfahrten in den oeffentlichen Bussen sind- laut und warm. Sehr warm. Da einige andere Busse eine Panne hatten sind wir Umwege gefahren um deren Fahrgaeste auch noch einzusammeln, dahier zog sich die Fahrt etwas in die Laenge. Die Bustuer war, wie immer, die ganze Fahrt ueber offen. Der Ticketverkaeufer hat den gesamten Muell, der sich im Bus so ansammelte waehrend der Fahrt einfach hinausgeworfen. Das geht mir hier echt auf die Nerven. Es ist ein so schoenes Land, warum versauen die Inder ihr eigenes Land so sehr? Mein Haus ist sauber, oder in diesem Fall mein Bus ist sauber, alles andere interessiert nicht. Ich finde das wirklich furchtbar. Der Muell verdirbt nicht nur den Anblick sondern ist fuer die Umwelt eine totale Katastrophe. Mich wundert es etwas, dass es hier ueberhaupt noch intakte Natur gibt. Wenn da nicht bald ein Umdenken stattfindet, dann wird dieses Land total im Dreck versinken. Ich habe mal einen Inder gefragt was er davon haelt- er meinte nur, ach, die Leute sind daran gewoehnt. Na bravo.

Nach sechs Stunden erreichten wir endlich unser Ziel und wurden von D. und dem Labrador Zorro mit dem Minivan abgeholt. Das Coffee Estate ist ein Traum. Obwohl es nur ein kleines Estate ist, ist es ein riesiges Waldgebiet. Unter den Baeumen wachsen die Kaffeepflanzen, Arabica und Robusta. An den Baeumen waechst Pfeffer, zwischen den Kaffeepflanzen wachsen Kardamom und Jackfruit, Bananen, Pomelos, Nuesse und Unkraut.



(Kaffee, Kaffee, Kaffee)

Die beiden Besitzer und ihr Hund wohnen im Haupthaus, auf dem Anwesen leben noch 3 ehemalige Strassenhunde, die dort jetzt einen Job als Wachhunde haben. Seit man fuer den Verkauf von Kaffee keine Lizenz mehr braucht sind die Diebstaehle, wenn der Kaffee auf dem Drying Yard trocknet, extrem angestiegen. Glueck fuer Kariha, Rani und Panda, sie haben jetzt ein Zuhause und einen Job :-)



(Das Haupthaus)

Auch der Fahrer der beiden mitsamt Frau und Kind, sowie die Plantagenarbeiter leben in eigenen Haeuschen auf dem Anwesen. Ich bin nie in den Suedstaaten der USA gewesen, aber ich kann mir gut vorstellen, dass es dort vor einigen Jahren genauso war. Die Abweichung besteht darin, dass die Plantagenarbeiter bezahlt werden. Die Bezahlung ist gruselig schlecht. Das liegt nicht daran, dass D. und R. besonders geizig sind, die Bezahlung ist dort einfach so. D. und R. gewaehren ihren Arbeitern zinsfreie Darlehen fuer Sonderanlaesse wie Krankheiten und Hochzeiten, sie lassen sie kostenfrei wohnen und auch Strom und Wasser muss nicht bezahlt werden. Ich glaube damit tun sie schon mehr als manche anderen. Trotzdem- auch wenn man die Waehrungen hier in einem anderen Verhaeltnis sehen muss, sind 1,60 Euro pro Tag sehr wenig. Kein Wunder, dass ‚wir‘ hier alle als superreich gelten. Ja, verglichen damit bin ich superreich. Zumindest wenn ich mit meinem Einkommen in Indien dauerhaft leben wuerde... Dass bei uns die Ausgaben viel hoeher sind, das ahnt kaum jemand- wie denn auch. Die Leute sehen immer nur gutgekleidete Auslaender, die mit Geld um sich werfen, sich ausnehmen lassen, halbaufgerauchte Zigaretten wegwerfen und Alkohol trinken. Da ist es noch nur klar, dass wir alle den gelobten Laendern entspringen und damit bevorzugtes Objekt zum Anbetteln sind. Und dann sind da ja auch noch die, die so wie ich den Kindern immer Kekse schenken und den alten Bettlern gleich 10 Rupien geben. Viel zu viel in den Augen derer die hier leben. Aber viel zu wenig vergleichen mit dem, was ich in Deutschland den Bettlern gebe.
Wie auch immer, den Montag verbrachten wir damit ueber das Estate zu wandern und ich liess mir die Pflanzen erklaeren. Ich kenne jetzt den Unterschied zwischen gruenem, weissem, rotem und schwarzem Pfeffer (es gibt keinen, es haengt vom Reifegrad und der Behandlung ab) und weiss ungefaehr, was ein Sack mit 50 Kilo Kaffeebohnen beim Verkauf bringt. Das Gute hier ist, dass man voellig offen ueber Geld und aehnliches sprechen kann. Zwar ist es immer wieder ungewohnt direkt nach so privaten Dingen gefragt zu werden, aber im Gegenzug darf man selber auch ungehemmt nachfragen. Zumindest wenn man die Leute kennt. Die Abende verbrachten wir damit Wodka zu trinken und uns zu unterhalten. R. und D. haben die etwas anstrengende Angewohnheit immer gleichzeitig zu sprechen und je nach Alkoholkonsum auch immer lauter zu werden. Wenn ich dann nach etwas gefragt wurde, zum Beispiel wogegen ich mich habe impfen lassen, dann wurde meine Antwort angezweifelt oder hat extreme Diskussionen zwischen den beiden ausgeloest. D. und R. sind sehr gebildete Menschen, sie haben mir viel erklaert und viel gezeigt, sie haben beide schon einiges im Leben gesehen. Aber ich finde es trotzdem anstrengend, wenn ich mich andauernd rechtfertigen muss und staendig zwei Menschen gleichzeitig zuhoeren muss... Aber trotzdem waren sie unglaublich freundliche Gastgeber, die mir die 3 ruhigsten Tage hier in Indien ermoeglicht haben. Auf dem Estate hoert man kein Auto, es herrscht die totale Stille, von den Geraeuschen der Natur einmal abgesehen. Ein traumhft schoenes kleines Paradies!
Sehr ungewohnt war nur die Dusche. Durch ein Feuer an der Aussenwand des Hauses wird Wasser in einem Tank erwaermt aus dem man das heisse Wasser schoepfen kann. Dieses mischt man dann mit kaltem Waser aus dem Kran in einem grossen Eimer. Und damit uebergiesst man sich dann mit einem kleinen Schoepfgefaess. Fuer mich war das sehr ungewohnt, aber es funktioniert ganz prima.
Dienstag waren wir bei der Bank, da Mittwochs Zahltag ist. Die Arbeiter werden woechentlich bezahlt, je nach Anwesenheit. Krankengeld oder aehnliches gibt es nicht, ebenso wenig wie bezahlten Urlaub. Danach fuhren wir kurz zu einem mittelgrossen Estate, wo mir voller Stolz das Haus gezeigt wurde.
Mittwoch sind R. und ich dann von dem Fahrer nach Belur gefahren worden um einen Tempel zu besichtigen. Die Fahrt dahin war sehr spannend. Wir sind mit dem Jeep gefahren und ich durfte vorne sitzen. Die Strassen sind zum Teil aus Sand und durch die Traktoren und den Regen in Zustaenden, bei denen ich bezweifete da ueberhaupt mit einem KFZ durchzukommen. Ich haette ja ein Pferd bevorzugt. Aber der Jeep war dieser Aufgabe gewachsen und wir brausten in halsbrecherischer Geschwindigkeit ueber die Buckelpisten. Ich betrachtete waehrend der Fahrt etwas nachdenklich die anstelle eines Handschuhfaches angebrachte Haltestange aus Metall. Ich bin nicht uebervorsichtig, aber ich ueberlegte mir, dass bei einer Kollision, mangels eines Anschnallgurtes diese Stange ein ernstzunehmender Gegner waere. Aber wir kamen heile an, der Fahrer kennt das Fahrzeug und seine Moeglichkeiten.



(Filigrane Handarbeit in der Tempelanlage von Belur)

Nach dem Tempel besuchten wir ein grosses Estate, wo wir zum Mittagessen eingeladen waren. Dort empfand ich es als noch viel suedstaatenmaessiger. Eine schweigsame Maid half beim kochen und servierte das Essen, waehrend wir sehr stilvoll in einer Villa sassen, die Marmorboeden hatte und in den Badezimmern sogar Badewannen (!). Dass ich kein Bier trinken wollte wurde mir uebel genommen, ich sei schliesslich Deutsche. Also gab ich nach und trank mittags schon mit dem Hausherrn Bier. Danach zeigte er mir noch seine Vanillepflanzen und von weitem die Baustelle, wo er seinen Arbeitern erlaubt sich Haeuser nach ihren Vorstellungen zu bauen.



(Vanille)

Nachmittags fuhren wir wieder in das Estate von R. und D. wo ich dann der Bezahlung der Arbeiter beiwohnte. Auf der Fahrt dahin habe ich das Ekeligste gesehen, was ich je in meinem Leben sah. Ein toter Baum am Strassenrand war gaenzlich mit Spinnenweben ueberzogen.



(*Schauder*)

Fuer mich als Arachnophobikerin ein gruseliger Anblick. Ich habe mich nicht getraut auszusteigen und das zu fotografieren. R., die sich daruber totlachte erledigte das dann fuer mich. Abends gingen wir frueh schlafen, da wir um sechs Uhr am Donnerstag morgen alle zusammen mit dem Van nach Bangalore fahren wollten. D. kam auch mit, dahier wurden Sack und Pack und Hund in den Van verfrachtet. Nach 250 km und 6 Stunden Fahrt kamen wir an, wobei wir die letzten 2 Stunden nur den Stadtverkehr von Bangalore durchquerten. Ich habe nun einen einseitigen Sonnenbrand auf dem linken Arm, was etwas albern aussieht, aber dafuer durfte ich dank der grosszuegigen Gastfreundschaft von R. und D. tatsaechlich einge ruhige Tage verbringen. Danke!

Pizza, Wodka und ein frueher Sonntag

Ab Freitag den 21.5. war ich in gewisser Hinsicht im Freizeitstress. Eine Freundin und ich hatten uns verabredet und da ich ein klein wenig Grund zum feiern hatte, haben wir standesgemaess mit Pizza und Eiscreme eine Nacht lang durchgequatscht. Samstag habe ich dann erst einmal ausgeschlafen, da ich abends bei meiner Chefin eingeladen war. Noch bevor ich mich wirklich fertig machen konnte, stand ploetzlich ihr Mann vor der Tuer und fragte mich, ob ich spontan mit zu der Reception einer Hochzeit wolle. Mir bleib weder Zeit zu ueberlegen, noch mich umzuziehen, daher musste ich leider in Jeans und T-Shirt, also etwas underdressed auf der Hochzeit auftauchen.



(Der Eingang)

Die Reception bestand im Wesentlichen darin, dass alle Gaeste in einem riesigen Saal sassen und auf den Einmarsch des Hochzeitspaares warteten. Kurz bevor es soweit war, filel der Strom aus. Die Generatoren brauchten einige Zeit um anzulaufen. In der Dunkelheit, die hier so alltaeglich ist, dass nicht einmal die gespraeche unterbrochen werden, schlich sich ein kleines Maedchen an mich heran und rieb schnell mit ihrem Zeigefinger ueber meinen Oberarm. Ich glaube sie wollte testen ob die Farbe abgeht... Als das Licht wiederkam blickte sie kurz auf ihren Finger und rannte dann schnell weg. Ueberhaupt guckten die Kinder mehr auf mich als auf auf alle anderen. Die Hochzeit fand zwischen Leuten statt, die nicht besonders viel Geld verdienen. Ich nehme daher an, dass die meisten der Kinder noch keine Auslaenderin aus so kurzer Entfernung gesehen haben. Weiterhin warteten alle auf den Einmarsch des Paares. Als dieser dann geschah war ein professionelles Kamerateam zugegen und nahm den Einmarsch und die Gaeste im Close-up auf. Dann fand auf der Buehne, die sich an der Stirnseite des langen Saales befand, eine Fotosession des Paares statt. Ich koennte mich immer wieder darueber amuesieren, wie todernst Inder auf Fotos gucken. Das Paar posierte ernst und feierlich, und die von dem Team geschossenen Bilder wurden dann mit kitschig bunten Untermalungen wie zum Beispiel heranfliegenden Diamanten und Regenboegen auf die grossen Flachbildschirme uebertragen die im Saal verteilt standen. Ich freute mich fuer das Brautpaar, ich kenne den Braeutigam und hoffe sehr, dass es den beiden gut gehen wird. Ich wuensche von Herzen alles Gute! Nach dem Einzelshooting mit dem Paar, wurden saemtliche Gaeste nacheinander auf die Buehne gebeten und posierten dann ebenfalls mit dem Paar. Mein underdressed Outfit tat mir sehr leid, allerdings scheint es die anderen nicht gestoert zu haben. Nach den Fotos sind die Gaeste dann nacheinander in die Etage des Gebaeudes gelaufen, in welcher das Essen statt fand. Es gab traditionelles Essen auf Bananenblaettern und als kleine Aufmerksamkeit des Brautpaares eine Kokosnuss als Geschenk.



(Essen auf Bananenblaettern)

Ich habe diese dann meiner Chefin geschenkt. Nach dem Essen sind wir dann recht schnell verschwunden, da meine Chefin und ihr Mann selber etwas zu feiern hatten. Auch dort war ich eingeladen.
Zu Hause warteten schon ihre ersten Gaeste, in Empfang genommen von der Tochter. In dieser Familie werden bei Feierlichkeiten immer auch die Freunde der Kinder mit eingeladen, weshalb die ganze Feier sehr gross, nett und alkohollastig wurde. Es war nicht die erste Feier dieser Art an der ich teilnehmen durfte- es hat viel Spass gemacht. Nachts um zwei habe ich mich mit I. unterhalten, und wir stellten fest, dass wir das gleiche Hobby betreiben. I. ist Student der Tiermedizin und in seiner Freizeit reitet er und gibt Reitunterricht. Sonntags morgens um sechs wollte er sich von einem Fahrer abholen lassen um dann um sieben Uhr die erste Sonntagsreitstunde zu geben. Er lud mich ein dabei zu sein und ich folgte der Einladung gerne. Nach einer wiederum sehr kurzen Nacht sind wir dann in aller Fruehe zur Riding School gefahren. Ich war so neugierig wie eine indische Reitschule aussieht. Ich war schwer beeindruckt. Das Gelaende ist traumhaft, es werden dort Rennpferde und Reitpferde fuer den grossen Sport trainiert. Ich glaube aber, dass es eine Anlage in der Qualitaet nicht all zu oft gibt. Sollte die indische Nationalmannschaft der Springreiter die Qualifikation fuer die Olympiade schaffen, dann kann ich sagen, dass ich zwei davon habe trainieren sehen... Wirklich sehr beeindruckend, grossartige, gepflegte Pferde, eine tolle Anlage und viele Angestellte, die eine ganz wunderbare Einstellung zum Pferd haben. Am lustigsten fand ich, dass auf einem grossen Rondell, um welches rundherum die offenen Pferdeboxen stehen, ein grosser Stofftiger liegt. Als ich nach seinem Sinn fragte, wurde mir erklaert, dass er die Affen abhalten soll das Pferdefutter zu stehlen. Offenbar funktioniert das- ich dachte nicht, dass Affen so dumm sind. :-))
Mittag irgendwann war ich dann wieder zu Hause und schlief erst einmal.
Am naechsten Morgen um sechs Uhr sollte ich schon wieder die Stadt verlassen- ich brauchte vorher dringend etwas Ruhe.

Donnerstag, 27. Mai 2010

Wenn man Postkarten verschicken moechte...

Anfang letzter Woche hatte ich endlich alle meine Postkarten fertig geschrieben und habe den Stapel mit ins Buero genommen. Unser Bueroboy wollte mir dann freundlicherweise den Weg zum General Postoffice nicht nur erklaeren sondern zeigen. Da sein Englisch etwas radebrechend ist haben die anderem Angestellten ihm auf Hindi oder Kannada erklaert, dass ich nicht nur die Postkarten versenden moechte, sondern auch 2 Umschlaege brauche um Fotos innerhalb Indiens zu versenden. So weit so gut. Auf dem Weg dorthin, wo ich wieder mal den Pragmatismus der Inder bewundern durfte (ein durch den Regen neu entstandenes Schlagloch wurde kurzerhand mit Palmenblaettern gefuellt) erklaerte er mir diverse Gebaeude.
Ich habe mich in den letzten 3 Monaten recht gut in das indische Englisch, gerne auch Hinglish genannt hineingehoert, welches hier etwa 50 % der Leute sprechen, aber bei ihm habe ich immer noch ernsthafte Schwierigkeiten. Ich nickte und laechelte also freundlich (auch das indische Kopfwackeln beherrsche ich inzwischen recht gut) und wir erreichten dann das GPO. Dass es hier keine Privatsphaere gibt, und jeder sich andauernd vordraengelt und dabei auch Koerperkontakt nicht scheut, das weiss ich inzwischen. Dass das auch in der Bank und in der Post so ist, das war mir neu. Wir stellten uns an einen Counter und eine Frau winkte uns an einen anderen, an welchem schon ca. 5 Leute standen. Waehrend ich mich im Hintergrund hielt und das Ganze recht amuesiert beobachtete, stellte sich S. mitten zwischen die 5 anderen, die allesamt nebeneinander an dem Counter standen. Die Frau hinter dem Counter fragte innerhalb von 5 Minuten 6 mal nach, ob es wirklich 24 Postkarten waeren. Sie vergass es immer wieder, da sie alle 6 Kunden gleichzeitig bediente und dabei etwas unkoordiniert war. Waehrend S. am Counter darauf wartete, dass sie endlich die georderten Briefmarken bringt, fing er ein Gespraech mit dem neben ihm Wartenden an. Dabei wurden meine von ihm gehaltenen Postkarten recht schnell Gespraechsthema. Okay, ich verstehe kein Hindi, dass sie sich alle 24 Karten ansahen, ueber die Motive diskutierten und dabei deutlich gestikulierten, das habe ich trotzdem verstanden. Noch lustiger fand ich es dann, als die Karten umgedreht wurden und meine Handschrift analysiert wurde. Gut, ich gebe zu, dass man bei Postkarten keine allzu grosse Geheimhaltung erwarten kann, aber dass 2 Menschen lautstark auf Hindi diskutieren, ob ich „Germany“ oder „Cermany“ geschrieben habe, das kam mir etwas komisch vor. Waehrend dessen musste ich, da S. ja abgelenkt war der Dame hinter dem Counter immer wieder die Zahl ‚24‘ bestaetigen. Als dann endlich die Marken herueber gereicht wurden, erinnerte ich S. an die Umschlaege fuer die Fotos. Wir haben ca. 5 Minuten aneinander vorbei geredet.. Zunaechst wollte er 24 Umschlaege ordern. Dann wollte er mir klar machen, dass man keine Fotos verschicken duerfe, dann, dass ich fuer jedes Foto einen separaten Umschlag braeuchte. Als ich ihm endlich klar gemacht hatte, was meiner Meinung nach schon die Angestellten im Buero deutlich gemacht hatten, naemlich, dass ich 2 Umschlaege fuer insgesamt 8 Fotos braeuchte, von denen ein Umschlag mit 6 Fotos nach Tamil Nadu und einer mit 2 Fotos innerhalb Bangalores verschickt werden sollte, waren ernsthaft 5 Minuten vergangen. Er orderte dann also bei der mehrfach beschaeftigten Dame noch 2 Prepaid Umschlaege und wir gingen nach draussen, da dort der Leim (!) fuer die Briefmarken war. Ich hatte nicht unbedingt das dringende Beduerfnis die Marken anzulecken, aber ich dachte ein wenig Wasser sei ausreichend. Weit gefehlt, S. nahm jede einzelne Postkarte und klebte sehr langsam, liebevoll und ordentlich die Marken darauf, indem er seinen Finger in den Leim tauchte und die Marken damit einrieb. S. ist sehr niedlich. Er reicht mir bis ungefaehr zur Huefte, ist verheiratet und hat 2 Kinder. Er verdient sehr wenig Geld und hat nur so einen Helferjob, aber wenn er auf der Strasse lang geht, dann strahlt er immer ganz selbstvergessen vor sich hin. Er wirkt sehr zufrieden mit seinem Leben. Allerdings kann er sich ja auch andauernd ueber die merkwuerdigen Deutschen in seinem Buero amuesieren, die Postkarten verschicken und Germany falsch schreiben, mit ‚C‘ naemlich. Aber, so hat er mich beruhigt, die Post wuerde wissen was Cermany bedeute. Waehrend er mir das erklaerte und eifrig die Marken aufleimte gab er sich auch noch grosse Muehe mir die Motive der Postkarten zu erklaeren. Er ist wirklich ruehrend.... Nachdem wir insgesamt fast eine Stunde in der Post waren, waren endlich die Karten abgegeben und auf dem Weg nach Deutschland. Fast eine Stunde um 2 Umschlaege und 24 Briefmarken zu kaufen und diese aufzukleben! Und es war nicht einmal voll in der Post. So etwas gibt es nur in Indien :-)

Heavy Metal in Bangalore

Am Samstag den 15.5. suchte die amerikanische Heavy Metal Band „Lamb of God“ Bangalore heim. Da meine Nerven aus mehreren privaten Gruenden etwas angeschlagen waren, hatte ich beschlossen mit einigen Leuten zu dem Open Air Festival zu gehen. Zwar wuerde ich mich nicht unbedingt als Metalfan bezeichnen, aber ich finde es gibt schlimmere Musikrichtungen. Ich wusste, dass es dort Alkohol geben wuerde (irgendwie brauchte ich den) und vor allen Dingen war ich unglaublich neugierig... In dieser Stadt, die so mordern und gleichzeitig so veraltet ist, wo arm und reich, Schoenes und Schlimmes so dicht nebeneinander liegen, wo die Frauen zu ueber 90 % traditionell gekleidet sind und die Maenner entweder Stoffhosen mit Buegelfalten oder diese sehr indischen ‚Wickelroecke‘ tragen, dort sollte ein Open Air Festival stattfinden? So eine Veranstaltung mit Alkohol und einer Buehne, mit lauter moderner Musik und ganz vielen Heavy Metal Fans die zusammen feiern? Eine sehr absurde Vorstellung... Ich gebe zu, dass das in mein Bild von Indien, auch von Bangalore, nicht wirklich hineinpasste. Ich war so unglaublich gespannt auf die Fans, auf die Organisation, auf die Musik und ueberhaupt... ich fand die Idee grossartig das einmal auszuprobieren. Wir liessen uns nach einem ausgiebigen Fruehstueck von einer Riksha zu den Palace Grounds fahren und suchten zunaechst einmal verzweifelt den Eingang. Die Palace Grounds sind riesig und Schilder gab es natuerlich keine. Aber es tauchten die ersten Fans auf, und, welch ein Wunder- sie waren leicht zu erkennen. Langmaehnige Rocker in kurzen Cargohosen, Metal-T-Shirts und Turnschuhen kreuzten unseren Weg und es wurden immer mehr. Offenbar war die Eingangssuche nicht nur unser Problem alleine und so wuchs unsere kleine Wandergruppe voller seltsamer Gestalten schnell zu einer recht auffaelligen grossen Gruppe an. Dem Herdentrieb folgend stapften wir alle gemeinsam um die Aussenmauer der Palace Grounds um endlich, schon wieder aufgrund der Hitze voellig erschoepft, den Eingang zu finden. Ab dort wurde es wirklich interessant. Es gab eine Wellblechhuette, die offenbar den Ticketcounter darstellen sollte.



(Ticketcounter)

Wir stellten uns an und bekamen tatsaechlich unsere schon bezahlten Tickets um dann wiederum verwirrt nach dem Festivalgelaende zu suchen. Als wir auch dieses Problem durch folgen der Herde eine halbe Stunde spaeter geloest hatten mussten wir unsere Getraenke (Wasser) und Zigaretten draussen lassen, durften aber Kameras mit hinein nehmen. Die Security bediente sich froehlich an dem Stapel halb geleerter Wasserflaschen und liess uns einen nach dem anderen auf das Gelaende. Fuer meine festivalerfahrenen Augen war das Gelaende sehr klein und leider ohne Schattenplaetze.



(Das Gelaende)

Dafuer gab es Unmengen T-Shirt Shops fuer die, die noch nicht in dem passenden Outfit erschienen waren und genau so viele Staende fuer Essen und Getraenke. Interessant fand ich, dass einer der Food Staende tatsaechlich seine Menues auf einem Flachbildschirm praesentierte. Dieser war auf dem recht robust angelegten Gelaende so dermassen fehl am Platz....



(...)

Es gab, was mich voellig faszinierte, tatsaechlich Dixie-Klos (!). Okay, was waere ein Festival ohne Dixie-Klos, aber irgendwie hatte ich damit nicht gerechnet. Immerhin herrschen eigentlich immer noch ueberall die indischen Urinale vor. Aber- es gab saubere Dixies mit fliessend Wasser aus den Kraenen, und, da Frauen auf dem Festival total unterrepraesentiert waren, dieses blieb bis zum spaeten Abend so. Ich sollte dazu sagen, dass selbstverstaendlich Maenner und Frauen getrennte Toiletten hatten. Glueck fuer uns  Wir mussten nicht einmal Schlange stehen...
Relativ schnell begann die erste indische Metalband zu spielen- und sie gaben wirklich alles. Mit sehr langen Haaren headbangend rockten sie in der Hitze waehrend das Publikum feierte und Wodka trank. Wodka war billiger als Bier, zusammen mit der Hitze sorgte dieser Umstand schnell fuer die ersten Alkoholkomatoesen. Ein Erste-Hilfe Zelt habe ich nicht gesehen. Aber es scheinen alle irgendwie ueberstanden zu haben. Wir taten also was man auf Festivals so macht- wir assen, wir tranken, wir tanzten etwas und wunderten uns etwas. Es gab keinen Zeltplatz, es wurde trotz Rauchverbots geraucht und gekifft wie verrueckt und wir waren eine ganze Zeitlang praktisch unsichtbar. Niemand, und das ist wirklich erstaunlich, interessierte sich fuer uns. Insgesamt waren geschaetzte 15.000 Leute auf dem Festival- wir zaehlten 10 Auslaender, uns eingeschlossen, Lamb of Gob ausgeschlossen. Allerdings liefen die auch nicht auf dem Gelaende herum. Trotzdem liess man uns in Ruhe- eine voellig neue Erfahrung. Und noch etwas- wo sind all die langhaarigen Rocker im normalen Leben? Wo kommen die bloss alle her???? 15.000!!!
Das Publikum war geschaetzte 17- 22 Jahre alt, und an T-Shirts war alles vertreten, was die Metal Szene zu bieten hat. Slayer, Pantera und Cannibal Corpse waren ebenso vertreten wie Iron Maiden, Megadeath und natuerlich Lamb of God. Einer, den ich mit Erlaubnis fotografiert habe trug ein Hakenkreuz T-Shirt. Es war nicht die Swastika und die sollte es auch nicht sein. Offenbar hielt der junge Mann das Shirt fuer cool... Hm, kein Kommentar.
Es war wirklich nett, die indischen Bands rockten die Buehne und langsam aber sicher stieg die Spannung. Lamb of God Rufe wurden laut und mit steigendem Alkoholpegel wurden wir langsam sichtbar. Wo kommt ihr her? Deutschland? Und ihr seid hierher gekommen um Lamb of God zu sehen? Das ist der Wahnsinn!!! Wow. Unsere Erklaerungen waren sinnlos- Ihr arbeitet hier? Egal, ihr seid hier in Indien um Lamb of God zu sehen, das ist soooo cool.
Wir liessen es dann dabei. Und dann ging es los. Lamb of God stuermten die Buehne, das Publikum ebenfalls und wurde nur durch eine ueberwaeltigende Polizeipraesenz (mit Cowboyhueten und Schlagstoecken) davon abgehalten voellig durchzudrehen. Ich stand vor der tanzenden Menge direkt vor der Buehne, ein Standort den ich normal gerne vermeide. Ich mag es nicht wenn man mir in den Ruecken tanzt (der gute alte Pogodance ist hier weit vebreitet). Jedoch befand ich mich zu meiner Ueberraschung in einer Art Seifenblase. Ich habe mich noch nie (!) auf einem Konzert so beschuetzt gefuehlt. Koerperkontakt wurde tunlichst vermieden und ich habe mich wirklich wohl gefuehlt. Ich haette irgendwie mit Angrabbelattacken gerechnet- ich habe den Metallern wirklich Unrecht getan! Wie Lamb of God so passend ins Mikro bruellten: „It’s nice to see it’s the same Motherf**** everywhere in the world”. Musik verbindet tatsaechlich irgendwie.
Es war ein wirklich nettes Konzert.



(Etwas verschwommen aber dafuer stimmungsvoll)

Das Ende des Abends hingegen fand ich etwas befremdlich. Waehrend sich bis auf meine Seifenblase nichts von einem europaeischen Festival unterschied, war das Ende sehr eigenartig. 10 Minuten nach Ende des Konzerts stand ich an einem Food Stand um mir Pommes zu kaufen (es gab echte Pommes!) und hoerte ploetzlich einen merkwuerdigen Laerm. Die Cowboys wanderten ueber das Gelaende und schlugen mit den Stoecken gegen die Metallzaeune. Alle Festivalbesucher sprangen hektisch auf und liessen sich zum Ausgang treiben. Wenn eines der Schaefchen nur ein wenig langsamer ging als die anderen wurde der Schlagstock gezielt gegen den Oberschenkel geschlagen.Wer auf dem Boden lag und nicht mehr gehen konnte wurde gehend gemacht... Und was das Merkwuerdigste war- niemand muckte dagegen auf. Ich war wieder unsichtbar, mich liess man am Pommesstand stehen. Ich beoachtete voellig fassungslos den wirklich hemmungslosen Einsatz der Schlagstoecke und habe dabei wohl etwas erstarrt geguckt. Diese Erstarrung wurde von den Pommesverkaeufern voellig fehlinterpretiert: „No need to be scared ma’m“. Ich hatte keine Angst. 1. Bin ich Auslaenderin, daher untouchable, oder besser unschlagable, 2. bin ich eine Frau und 3. glaube ich sicher, dass ich zurueck getreten haette. Das waere zwar wohl sehr unklug gewesen, aber ich lasse mich nicht grundlos mit einem Stock schlagen und ich wusste sowieso recht sicher, dass man mich in Ruhe lassen wuerde. Ich fragte die Pommesverkaeufer warum die Polizei so rigeros sei und bekam die lapidare Antwort, dass das hier eben so sei. Tja, offenbar ist das tatsaechlich so, denn es hat wirklich niemand aufgemuckt. Allerdings war die Polizeipraesenz wirklich beeindruckend. Aber ich verstehe das nicht- es war so friedlich, den ganzen Tag ueber gab es keine Schlaegereien oder aehnliches und dann das, so total grundlos...



(Sie sammeln sich langsam)

Egal, ich fand meine Kollegen wieder und mich kurze Zeit spaeter auf dem Ruecksitz eines Motorrades auf dem Weg in eine Disko. Der indische Fahrer desselben war ein Kollege meiner Freunde, wir waren inzwischen eine recht grosse Gruppe. Der Fahrer, ich kann mich leider an den Namen nicht erinnern, hatte einige Koordinationsschwierigkeiten damit das Motorrad zu fahren und gleichzeitig sein Mobiltelefon zu bedienen. Nach einer kleinen Kollision mit einer Riksha, die jedoch nur den Spiegel verbog drueckte er mir sein Telefon in die Hand und bat mich ihm aktuelle Statusmeldungen zu geben. Innerhalb von 10 Minuten klingelte 6 mal das Telefon. „Es ist Sadesh“, „Nicht drangehen“, „Es ist deine Mom“, „Nicht drangehen“... Einmal bruellte ich ueber den Verkehrslaerm hinweg in die Ohren des voellig verdatterten Gespraechspartners, dass wir gleich da seien. Es war sehr lustig. Leider war der Eintritt in die Disko sehr teuer, das lohnte sich nicht, da aufgrund der Sperrstunden sowieso nur noch 45 Minuten uebrig gewesen waeren. Die anderen beschlossen in der Wohnung eines Beteiligten noch ein Bier zu trinken, ich wollte aber lieber nach Hause. An dem Tag standen die Sterne guenstig und rund um die Palace Grounds wurde geheiratet wie verrueckt. Also hatte ich mal wieder das Rikshaproblem. Sehr gentlemanlike brachte mich dann einer der Gruppe mit dem Scooter nach Hause und nahm extra dafuer einen Umweg in Kauf. Ich war sehr dankbar. Es war wirklich ein netter Abend, und ich bin sehr froh, dass ich am naechsten Tag keinen Kater hatte :-)

Sonntag, 23. Mai 2010

How to lose a bottle of Coke- twice (Goa 5.5.- 7.5.)

Die Hinfahrt

Nachdem M. und ich uns beim Abendessen in Gandhinagar beide am gleichen Schieberiegel die gleiche Stelle des Zeigefingers geklemmt haben beobachteten wir die Beladung des Busses.



(Auf dem Kopf...)

Irgendwann wurde der Bus dann auch mit den Passagieren beladen und fuhr los. Wieder einmal eine 14-stuendige Fahrt nach Goa... Kaum hatten wir nach ca. 1,5 Stunden die Stadtgrenzen Bangalores verlassen, machten wir erstaunlicherweise den ersten Toilettenstopp, eine 20 minuetige Pause. Offenbar hatten unsere 3 Busbegleiter noch nicht zu abend gegessen. Dann ging es weiter. Ich bin inzwischen an das Schlafen im Bus gewoehnt und schlief daher recht schnell ein, zudem ist das Reisen in den Schlafbussen bedeutend bequemer als in den Zuegen. Mit denen hatten wir ja nun die letzten 2 Naechte so unsere Erfahrungen gemacht. Trotz aller Bequemlichkeit kam ca. 4Std nach dem ersten Toilettenstopp doch langsam das Gefuehl auf, dass eine erneute Toilettenpause irgendwie angemessen waere. Laut M.s Aussage hatte der Bus kurz vorher, ohne den Passagieren Bescheid zu sagen einmal ganz kurz gehalten- einer der Busbegleiter musste mal an den Strassenrand. Die Passagiere hatten sie entweder vergessen, oder es fuer zu laestig befunden laenger als 15 Sekunden zu halten. Nachdem ich eine Std lang wach lag und nichts passierte ging ich nach vorne und fragte nach. Die 3 Busbegleiter guckten bei meinem Auftauchen so verdattert, dass wir kurzzeitig das Gefuehl hatten, sie haetten tatsaechlich vergessen auch Passagiere an Bord zu haben. Sie sagten zu eine Pause in naeherer Zukunft einzulegen und ich legte mich wieder hin und wartete. Eine weitere Stunde lang passierte nichts. Irgendwann fragte dann ein anderer Mitreisender nach- wir lagen recht weit vorne und konnten das Gespraech belauschen. Ihm wurde dann gesagt, dass der Bus am Strassenrand anhalten wuerde- er solle dann schnell ins Gebuesch gehen. Irgendwie war ich irritiert und fragte ebenfalls noch einmal nach. Wieder erntete ich verdatterte Blicke- und mir wurde nach einigen Diskussionen auf Kannada angeboten ebenfalls den Strassenrand zu nutzen- die naechste echte Toilette wuerde erst nach 2,5 Std auftauchen. Dieser Stopp am Strassenrand wurde dann von so ziemlich allen Passagieren genutzt- irgendwie zum Unmut der Busbegleiter. Endlich konnten wir in Ruhe weiter schlafen. Weitere 3 Std spaeter, so gegen 4 Uhr morgens ging ploetzlich das Licht an, der Bus hielt, die Tuer zum Fahrerhaus flog auf und eine Stimme bruellte: „Hey.“ 10 Sekunden spaeter fuhr der Bus wieder an.... Ich bin nicht ganz sicher, aber ich glaube das sollte heissen: „Hier ist jetzt wieder eine Toilettenpause, wer raus muss, sollte innerhalb von 5 Sekunden aufwachen, seine Schuhe anziehen und den Bus verlassen. Wer das nicht tut- Pech gehabt.“ Auf diese Pause verzichteten alle Passagiere, obwohl ich der Ueberzeugung bin, dass das an dem etwas knappen Zeitmanagement lag...
(Ich muss zur Verteidigung dieses Busunternehmens sagen, dass ich schon sehr oft mit denen gefahren bin und es solche Probleme nie vorher gegeben hat!)

Aber wir kamen dann irgendwann gegen 8 Uhr morgens in Panjim an und hatten wieder festen Boden unter den Fuessen und den unglaublichen Luxus, unsere Pausen selber waehlen zu koennen.
Wir fuhren mit dem oeffentlichen Bus weiter nach Mapusa, von wo aus wir dann an den Strand unserer Wahl, nach Anjuna fahren wollten. In Mapusa, bei inzwischen deutlich ueber 35 Grad kauften wir jeder einige Getraenke. Die folgende Fahrt war dann mal wieder aus preistechnischer Sicht hochinteressant- waehrend alle Einheimischen fuer die Fahrt 5 Rupien zahlen mussten hiess es bei uns ganz selbstverstaendlich „20 each“. Nun, ich schaetze es waren Gepaeck und Camera fee mitenthalten. Zu k.o. zum diskutieren (was eh voellig fruchtlos gewesen waere) zahlten wir also brav den 4 fachen Preis pro Person und ergeben uns in unser Schicksal. Wir sind halt Touristen... Nach der Ankunft in Anjuna waren wir schon wieder voellig kaputt und wollten nur noch moeglichst schnell eine Unterkunft finden und den Luxus einer Dusche in Anspruch nehmen. Waehrend wir noch etwas ratlos herumstanden und uns langsam auf den Weg zum Strand machten um die Huetten zu suchen, kam ein etwa 10 jaehriger Junge auf M. zu und zeigte auf ihre halbleer getrunkene, inzwischen piewarme Cola. Wir beide dachten, er wolle Geld fuer eine Cola haben- irgendwie war das naheliegend. Er kam dann aber, als M. noch anfing nach ihrem Geld zu kramen auf sie zu, nahm ihr die Flasche aus der Hand und zog seines Weges... Leicht verwirrt schauten wir ihm hinterher, zuckten mit den Achseln und machten uns dann endlich auf den Weg eine Unterkunft zu finden. Nach einer weiteren Fahrt mit einer Riksha, die natuerlich wieder ausgeprochen guenstig war (*hust) fanden wir dann eine super Unterkunft und konnten endlich anfangen zu relaxen.

Goa

Goa war, wie Goa sein soll :-) Ausser sitzen in der Meeresbrise im Schatten, dem Schwimmen im Ozean, lesen, essen, dem Trinken der einen oder anderen Kokosnuss, dem Faulenzen auf den Strandliegen und einem bisschen wandern haben wir in den zweieinhalb Tagen nicht allzu viel unternommen.... Die Strandhunde waren anhaenglich und lieb, die Leute entspannt, die Unterkunft guenstig, sauber und wirklich gut. Hach, ich mag Goa wirklich :-)








Die Rueckfahrt

Freitag brachen wir gegen Mittag auf um unseren Schlafbus in Panjim zu erwischen. Zunaechst ging es wieder nach Mapusa, und von dort aus mit einem voellig ueberfuellten Bus nach Panjim. Der Bus war so voll, dass unsere kleinen Rucksaecke in den „Kofferraum“, eine staubige Ablage im Heck des Busses verstaut werden mussten und wir uns mit einigen Frauen auf die Kante zum Fahrerhaus hocken mussten. Nach einer sehr warmen und dadurch anstrengenden, aber dafuer Non-Stop-Fahrt erreichten wir Panjim und suchten ersteinmal ein klimatisiertes Restaurant auf, um uns ein wenig auf noemale Temperaturen abzukuehlen. Dort bestellten wir unter anderem einen vegetarischen Cheeseburger...



(Der merkwuerdigste "Burger" meines Lebens...)

Danach machten uns auf den Weg zur Touristensammelstelle, um auf den Schlafbus zu warten. Wir hatten noch recht viel Zeit und suchten daher einen ruhigen Schattenplatz. Waehrend wir schon wieder voellig erledigt durch die Gegend liefen um einen Park oder aehnliches aufzutreiben, kam eine aeltere Bettlerin auf M. zu, peilte die Colaflasche an die M. in der Hand hielt, nahm ihr diese aus der Hand und verschwand. Unfassbar- haette sie um Geld gebeten, haette sie bestimmt welches bekommen, aber dieser Colaklau fand dermassen unerwartet, professionell und selbstverstaendlich statt, das keine wirkliche Reaktion erfolgen konnte. M. und ich teilten uns dann meine Flasche....
Herrscht in Goa Colamangel?
Nach einer Pause im Park konnten wir dann endlich in den Bus steigen und hofften irgendwie, dass die Busbegleiter dieses Mal mitbekommen, dass Passagiere an Bord sind und das diese eventuell auch mal eine Toilette benoetigen... Das war dieses Mal ueberhaupt kein Problem, wir machten regelmaessige Pausen, lagen gut im Zeitplan und alles war so, wie es eigentlich auch sein sollte. Zumindest bis zu dem Moment, wo der Bus ploetzlich nicht mehr weiterfuhr- Panne. Oder soll das auch so sein? An den Motor der Reisebusse, der dieses mal betroffen schien (eher noch das Getriebe) kommt man heran, indem man einen Deckel oeffnet, der sich im Inneren des Busses befindet. Und somit standen wir 2 Stunden inmitten der Nacht irgendwo herum, waehrend einer der Busbegleiter in den kochend heissen Motorraum gekrabbelt war und auf Metall haemmerte, waehrend durch die Oeffenung die Motortemperaturen in das Innere des Busses zogen und uns langsam aber sicher roesteten. Ich bewundere das handwerkliche Geschick der Leute- nach 2 Stunden haemmern und dem Austausch eines Metallstuecks ging es weiter, wobei der Busfahrer beim Schalten 2 Gaenge auslassen musste. So etwas wie einen Pannendienst gibt es hier nicht, und ein Ersatzbus haette vermutlich aus Bangalore kommen muessen... Gut, dass die Jungs so geschickt sind :-)
Mit wie immer etwas Verspaetung (2 Std sind voellig im indischen Zeitrahmen) erreichten wir Bangalore am Samstag morgen und M. konnte ihre letzte Nacht in Indien wieder in einem sich nicht bewegenden und leisen Bett schlafen.

Sonntag, 16. Mai 2010

Tiruchchirappalli

... oder Eine Reise in eine andere Welt :-)
In der Nacht auf Sonntag, den 2.5. kam Besuch aus Deutschland. Meine Schwester und ich wollten 8 Tage reisen und dabei sollte sowohl die Kultur als auch der klassische Strandurlaub angemessen beruecksichtigt werden. Wir konnten ja nicht ahnen, dass wir es tatsaechlich schaffen sollten von einem Extrem ins andere zu stolpern. Stolpern ist eigentlich nicht das richtige Wort. Rumpeln waere irgendwie angemessener. Knapp 16 Stunden nach ihrer Ankunft machten wir uns auf den Weg zum Hauptbahnhof. Das erste grosse Ziel war Tiruchchirappalli. Dort steht ein riesiger Vishnu-Tempel, dessen Reiz fuer uns darin lag, dass man sich durch 7 Tore/ Ringe in die Mitte vorarbeitet. Trichy, wie die Stadt hier allgemein abgekuerzt wird liegt in Tamil Nadu, einem Nachbarstaat von Karnataka. Ich hatte durch meine Zug-Erfahrungen mit Madikeri irgendwie die vage Hoffnung, dass die Zuege fuer 10 Stunden Fahrten irgendwie anders sind. Vielleicht ein kleines bisschen luxurioeser. Hm, sind sie nicht... Nachdem wir einige Zeit lang das bunte Treiben auf dem Hauptbahnhof Bangalore betrachtet hatten haben wir unseren Zug gesucht und unsere reservierten Schlafplaetze. Die Schlafwagen haben keine durch Tueren abgegrenzten Abteile. Auf der einen Seite sind Liegen in Fahrtrichtung, auf der anderen Seite des Ganges sind die Plaetze quer zur Fahrtrichtung. Immer 3 uebereinander. Waehrend die mittlere tagsueber heruntergeklappt ist, so dass sie fuer die auf der unteren Liege Sitzenden die Ruecklehne bildet, sind die obersten Liegen immer in Schlafposition. Wir hatten die obersten Liegen reserviert. Diese haben den grossen Vorteil, dass man relativ ungestoert ist, da man sich in grosser Hoehe befindet. Zu den an der Decke haengenden Ventilatoren hat man ein sehr enges Verhaeltnis, was vor allem wegen der Temperaturen ebenfalls ein grosser Vorteil ist. Nachteil dieser Plaetze ist, dass man keine Moeglichkeit hat zu sitzen und von den natuerlich offenen Fenstern nichts mitbekommt. Wir sind also sofoert auf unsere Liegen geklettert und haben es uns gemuetlich gemacht. Gemuetlich ist in diesem Zusammenhang wirklich nur so eine Redensart. Die Liegen sind hart und schmal, der Zug unglaublich laut, nebenbei hupt er staendig und durch die Anzahl der Reisenden die sich durch die Gaenge draengeln ist wird die gesamte Fahrt etwas- hm- ich wuerde es als unruhig bezeichnen. Ich glaube wir haben zusammengerechnet ungefaehr 5 Stunden geschlafen. Das Ganze wurde noch dadurch erschwert, dass man nach ca. 1 Stunde durch die Temperaturen auf den Liegen festklebte... Morgens um sieben, als an Schlafen wirklich nicht mehr zu denken war hielt der Zug auf offener Strecke und wartete dort auf einen entgegenkommenden Zug. Ca. 1 Stunde lang. Irgendwann ging es dann aber weiter und wir erreichten schon am morgen total erledigt Trichy. Die 1-Mio. Stadt begruesste uns mit Temperaturen ueber 30 Grad, morgens um neun Uhr. Nach einem sehr indischen Fruehstueck in einem noch sehr viel indischeren Restaurant ergatterten wir eine Riksha und machten uns an unser Tagesprogramm. Die Rikshas in Trichy haben keine Taxameter und vor allem auch keine Hupen. Stattdessen ist neben der Scheibe vorne eine grosse Troete festgemacht, so wie sie frueher gerne mal an Kinderfahrraedern angebracht waren. Mit so einem Gummiball zum drauf druecken. Ausserdem haben die Rikshas in Trichy offenbar ein kleines Faehnchen am Heck mit dem Worten "Skurriler Fahrgast" drauf, welches bei Bedarf ausgeklappt wird. Wirklich JEDER der uns ueberholte warf einen Blick in die Riksha und schaute uns so fassungslos an, dass wir schon besorgt waren Unfaelle zu verursachen. Aber als wir die Riksha verliessen, am Eingang der Tempelanlage, da artete es wirklich in Stress aus. Tausende von Pilgern, Bettler, Andenkenverkaeufer, Menschen, Menschen, Menschen starrten uns an, stellten sich uns in den Weg, noetigten ihre Kinder uns die Hand zu schuetteln, liessen sich nicht abschuetteln, fassten uns an, bettelten und guckten verwirrt. Wir kaempften uns durch das Gewimmel, schwitzen, schuettelten hunderte Kinderhaende, und erreichten endlich irgendwann den 4. Ring, an welchem man seine Schuhe ausziehen muss. Im Tamil Nadu sprechen nur wenige Menschen Englisch. Auch mit Hindi haette man keine guten Chancen gehabt. Tamil ist die Sprache der Wahl. Interessanterweise sprechen aber wohl einige Leute deutsch. Als wir unsere Schuhe abgaben und dann eine recht hohe "Camera Fee" fuer unsere Kameras zahlen mussten, fiel der Satz: "Wetten, dass nur wir das zahlen muessen?" Der junge Mann an den wir die Gebuehren zahlten fing lauthals an zu lachen... Na gut, wir zahlten also brav unsere Gebuehren und gingen barfuss weiter in den heiligen Teil des Tempels. Waehrend ich einige Fotos machte kam ein Pilger zu mir und bat mich von ihm ein Foto vor einem der Tempeltore zu machen. Nach und nach kamen immer mehr seiner Freunde dazu und am Ende fiel die Bitte, ihm Abzuege zu schicken. Er schrieb mir seine Adresse auf und ich versprach seiner Bitte nachzukommen. Waehrenddessen hatte meine Schwester Gesellschaft bekommen. Ein Mann erklaerte ihr, dass das Heiligste des Tempels gleich schliessen wuerde (?), genau genommen in den naechsten 20 Minuten, und dass wir aber einen Fuehrer bezahlen koennten, mit dem wir dann trotzdem in die inneren Ringe gehen duerften. 20 Minuten spaeter waren wir mit unserem Begleiter dort angekommen, wo man den Eintritt bezahlt. Ein weiterer Mann kam auf uns zu und erklaerte, dass das Heiligste in 20 Minuten schliessen wuerde. Er fuehrte uns durch eine kleine Gittertuer auf eine Treppe, von wo aus wir das goldene Dach des Heiligten sehen konnte. Nachdem wir minutenlang Fotos gemacht hatten kam er naeher und erklaerte uns mit verschwoererischen Blicken folgendes: In 20 Minuten wuerde der Tempel schliessen, dann kaeme man nur noch hinein, indem man den Brahmahnen sehr viel Geld zahlen wuerde. Er hingegen, ein angestellter Fuehrer in dem Tempel wuerde uns zu dem "Government-Price" durch den Tempel fuehren. Wir muessten uns aber schnell entscheiden- wie gesagt, 20 Minuten. Nachdem nun schon einge Mal die 20 Minuten verstrichen waren engagierten wir ihn. Natuerlich war das ein abgekartetes Spiel- als ob ein Tempel schliessen wuerde... Die verschwoererischen Blicke und die Geheimnistuerei waren jedoch sehr amuesant. Wir hatten die Hoffnung mit einem Fuehrer an unserer Seite wirklich Interessantes zu erfahren, und vor allem hofften wir, dass wir so wenigstens ein bisschen Ruhe vor den vielen Menschen haben wuerden. Fairerweise bot er uns noch an am Ende der Fuehrung zu bezahlen- falls es uns nicht gefallen sollte.



(Der Blick auf die ersten drei Tore von oben)



(Das goldene Dach)



(Unglaublich schoen)

Die Fuehrung war gut, in etwas ueber einer Stunde erfuhren wir die Geschichte des Tempels und viele interessante Dinge ueber den Hinduismus. Wir liessen uns vom Tempelelefanten segnen, schuettelten wieder unzaehlige Haende, liessen uns fotografieren und wurden, nachdem wir den Preis bezahlt hatten wieder in das Gewimmel entlassen.



(Der Tempelelefant)

Inzwischen waren die Temperaturen noch hoeher und das heraus kommen aus den Tempelringen wurde zum anstrengenden Spiessrutenlauf. Wir waren froh, als wir endlich wieder in einer Riksha sassen und das Fort Rock ansteuern konnten. Fort Rock ist eine Tempelanlage die auf einem Felsen liegt. Leider befindet sich dieser Felsen inmitten der sehr lebhaften Stadt. Kaum aus der Riksha ausgestiegen befanden wir uns wieder im Gewimmel und wirklich jeder suchte unsere Aufmerksamkeit- Bettler, Andenkenverkaeufer und jeder Strassenhaendler, der irgendetwas anzubieten hatte. Und der gesamte Rest guckte uns an. Um einmal kurz durchatmen zu koennen suchten wir uns zunaechst ein klimatisietes Restaurant in welchem wir warme Cola tranken und besichtigten zunaechst eine Kirche. Hinter dieser Kirche befand sich ein christliches College mit einem angeschlossenen Park. Welch eine Ruhe... Nachdem wir etwas durchgeatmet hatten machten wir uns auf den Weg zurueck in die Menschenmassen um Fort Rock anzusehen. Irgendwann, nach vielen, vielen Stufen waren wir oben.



(Trichy von oben)

Da wir beide langsam am Ende unserer Kraefte waren stiegen wir recht bald wieder hinunter und suchten eine Riksha zum Bahnhof. Wir hatten noch recht viel Zeit bis unser Zug fuhr, aber wir wollten uns lieber ein halbwegs ruhiges Plaetzchen suchen und auf den Zug warten als noch laenger in dieser Stadt durch das Gewimmel zu wandern. Eine fast schlaflose Nacht, die Menschenmassen und die hohen Temperaturen forderten langsam ihren Tribut. Wir kauften etwas zu essen, suchten uns eine leere Mauer und sassen einige Zeit einfach nur da. Als es endlich Zeit war zum Zug zu gehen, hatte sich die leere Mauer um uns herum langsam aber sicher zu einer ueberfuellten Mauer gewandelt, und wir waren wirklich froh, dass wir nun bald wieder nach Bangalore fahren konnten.Voellg erschoepft warteten wir dann am Bahnsteig und freuten uns auf die Aussicht in den Zug steigen zu koennen. In der Nacht schliefen wir tatsaechlich ein. Morgens um kurz nach vier kamen wir in Bangalore an und erreichten meine Wohnung, und damit auch endlich eine Dusche, saubere, sich nicht bewegende Betten an denen man nicht festklebt und Ruhe...

Dienstag, 11. Mai 2010

Eine Einkaufskomoedie

Der Komoedie erster Teil
Wenn man als Tourist in einer der Einkaufsstrassen Bangalores eine Riksha erwischen moechte, und dann auch noch ein Fahrtziel angibt, welches etwas ausserhalb liegt, dann stellt sich das als noch groesseres Problem dar als sonst. Wenn es dann noch wie aus Kuebeln schuettet, so wie am Freitagabend den 30.4. dann ist das Unterfangen praktisch unmoeglich. Weil man aber irgendwie nach Hause kommen moechte, muss man sich etwas einfallen lassen.
Ich bin an dem Abend endlich mal wieder in Bangalore unterwegs gewesen. Nachdem ich ewig nach dem Buero des Forest Departments gesucht habe und dieses nach 57 Umwegen auch endlich fand, habe ich mich ueber Aufenthalte in den Nationalparks informieren koennen. Danach besuchte ich die Commercial Street um ein wenig zu shoppen. Ueber die Laden- und Strassenstrukturen wundere ich mich immer noch. Was mir als Durchgang gelaufig ist, kann hier durchaus mal die Verkaufsraeume eines Geschaeftes beinhalten. Was also dann bedeutet, dass man in einem Gang von ca. 80 cm Breite steht und sich Schmuck zeigen laesst, waehrend kauffreundige Menschen auf dem Weg in andere Geschaefte sich hinter einem herdraengeln. Von einem wirklich die Temperatur stark abkuehlenden Regenschauer bis auf die Haut durchnaesst bin ich dann losgezogen um mir eine Riksha nach Hause zu angeln. Und damit begann der wirklich seltsame Teil des Abends. Die mir gemachten Sonderangebote waren wie immer wirklich haarstraeubend. Zu dem klassischen „Westproblem“ (hat Geld), kam zusaetzlich das „Einkaufsstrassenproblem“ (hat auf jeden Fall Geld) und dann auch noch das „Regenproblem“ (braucht dringend eine Riksha). Eine Strecke, die sonst 35 Rupies kostet, wurde mir fuer Pauschalpreise zwischen 120 und 150 Rupien angeboten. Da ich keine Lust hatte aus dem Dreifachproblem von mir ein Dreifacheinkommen der Fahrer zu machen, hoerte ich mir ein tolles Angebot nach dem anderen an und lehnte geflissentlich ab. In der Zwischenzeit war ich bis auf die Haut durchnaesst. Also hoerte ich mir dann zu guter letzt ein klassisches Touristenangebot an. Ich hatte schon viel ueber diese Angebote gehoert und dachte mir, dass das die einfachste Alternative waere. Der Fahrer macht dabei einen wirklich ganz fairen Preis, unter der Bedingung, dass man sich von ihm zu einem oder mehreren Shops fahren laesst, in welchen man dann am besten etwas kauft :-) Die Provision macht dann den Fahrpreis wett, der ja nicht mal wirklich sehr guenstig ist, sondern nur dem eigentlich ueblichen Tarif entspricht. Wenn man aber als "Westler" in einer totalen Einkaufsgegend eine Riksha haben will, dann zahlt man schon aus Prinzip mehr. Wer shoppen kann muss Geld haben. Der Fahrer moechte also auf jeden Fall mehr an einem verdienen. Um mich nicht die ganze Zeit ergebnisfrei streiten zu muessen habe ich dann also das Angebot angenommen, da ich hoffte damit ohne Diskussion, mit einem kleinen Zwischenstop recht schnell nach Hause zu kommen. Man muss ja nichts kaufen. Das ist zumindest die Aussage. Im ersten Shop sass ich dann voellig durchnaesst in einem kleinen Nebenbraum und liess mir Schmuck zeigen. Der Raum war wie fast alle Raeume hier durch die Klimaanlage praktisch tiefgekuehlt, eine Sache die mich sowieso nervt, wenn ich nass bis auf die Haut bin aber wirklich anstrengend ist. Nachdem ich dann endlich glaubwuerdig deutlich machen konnte, dass ich nicht gewillt war Schmuck zu kaufen, habe ich mir noch einige Schals zeigen lassen und durfte, als ich auch die nicht wollte, endlich wieder in meine Riksha einsteigen. Ich war der Ueberzeugung, dass ich meine Touristenpflicht getan hatte, da ich dem Rikshafahrer von vornherein deutlich gemacht hatte, dass ich nichts kaufen moechte, und dachte naiv, dass er mich jetzt nach Hause bringen wuerde. Tja, wie das so ist mit den Plaenen hier in Indien. Der Fahrer, der auf eine Provision gehofft hatte gab nicht auf und fuhr mich zu einem weiteren Shop. Und da gab es so einen unglaublich schoenen kleinen Elefanten aus Halbedelstein zu kaufen... Ich warf also meine guten Vorsaetze ueber Bord und damit hatte der Fahrer seine Provision und ich war irgendwann endlich zu Hause. Und ueberlegte mir, dass es keine ganz kluge Idee war dieses Angebot anzunehmen. Das wuerde mir nicht noch einmal passieren. Man kauft nur Zeug, welches man nicht braucht.

Der Komoedie zweiter Teil
Irgendwie hat es mich 8 Tage spaeter, mit Besuch aus Deutschland wieder auf die Commercial Street verschlagen. Nachdem wir einige Kleinigkeiten eingekauft hatten wollten wir nach Hause fahren. Wieder einmal, obwohl dieses Mal nur die Probleme eins und zwei zu Tage traten (haben Geld & haben auf jeden Fall Geld) und uns der Regen erspart blieb, bekamen wir- wie sollte es anders sein, keine Riksha zu anstaendigen Preisen. Ich erzaehlte also meiner Schwester von den lustigen Touristenangeboten. Im festen Glauben, dass wir zu zweit auf keinen Fall sinnlosen Kram kaufen, aber dadurch eine reelle Chance haben auf guenstigem Wege nach Hause zu kommen, nahmen wir also wieder eine „Verkaufsfahrt“ an. Und es kam wie es kommen musste- urploetzlich hielten wir vor dem Geschaeft, in welchem ich eine Woche vorher schon mal in der Tiefkuehltruhe sass und mich geweigert hatte etwas zu kaufen. Interessanterweise erkannte man mich wieder und versuchte mich wieder in die Schmuckabteilung zu bugsieren. Da ich dem aber deutlich widersprach stand ich frueher oder spaeter wieder in der Abteilung „Schal“. Irgendwie fiel mir in dem Moment ein, dass ich ja einer Freundin versprochen hatte ihr einen Schal in schoener Farbe mitzubringen. Und als ich dann meine liebe kaufunwillige Schwester zur Farbberatung zu Rate zog, hatte sie, ehe sie sich versah einen Schal um die Schultern haengen, der nicht nur wunderschoen, sondern auch wirklich edel war. Und trotz saemtlicher guter Vorsaetze zogen wir von dannen und hatten eine Tuete mehr in der Hand. Tanja, du darfst dich auch freuen :-) Wollen wir mal hoffen, dass sich die Provision fuer den Rikshafahrer gelohnt hat...

Der Komoedie dritter Teil
Einen Tag spaeter, an einem Sonntag, wollte meine Schwester abends wieder nach Deutschland fliegen. Da sie noch nicht alle Mitbringsel zusammen hatte und die Atmosphaere in der Commercial Street trotz des Menschengewimmels recht entspannend fand (vergleiche „Tiruchchirappalli“) landete ich also innerhalb von 9 Tagen zum dritten Mal in der Commercial Street...

Ich moechte zu unserer Verteidigung sagen, dass wir, nachdem wir mehrere wieder einmal haarstraeubende Angebote abgelehnt hatten, auch aus einigen „Verkaufsrikshas“ konsequent wieder ausgestiegen sind. Selbst wenn uns das „grossartige“ Angebot erst gemacht wurde, nachdem wir eigentlich schon unterwegs waren. Aber der kleine hutzelige Rikshafahrer war in seiner strahlenden und zahnlosen Art so niedlich, dass wir letztlich ergeben der Dinge harrten die da kamen. Und wieder landeten wir vor der Tiefkuehltruhe... Die Inhaber der Tiefkuehltruhe scheinen ein grosses Netzwerk an Fahrern zu haben.

Dieses Mal widersprachen wir dem Geschaeft, dessen Inventar wir beide nun schon kannten sofort und wurden prompt zu einem anderen Geschaeft gefahren. Der Fahrer hatte uns einen „Free Drop“ versprochen und wir hatten uns schnell geeinigt, das wir zwar gucken, aber DEFINITIV nichts kaufen, dem Fahrer dann aber hinterher Geld fuer die Fahrt geben, damit er nicht komplett ohne Einkommen blieb. Und in dem dann angepeilten Laden kaufte meine Schwester, die AUF GAR KEINEN FALL etwas kaufen wollte dann doch noch ein Mitbringsel fuer unsere Eltern. Seufz.
Wir dachten dann, dass wir nach Hause fahren wuerden, aber der alte listige Mann brachte uns noch in ein Teppichgeschaeft, wo es zertifizierte super schoene Kashmir- und Seidenteppiche zu unfassbaren Preisen gab.
Aber, liebe Eltern, zu frueh gefreut, dieses Mal blieben wir hart. Hurra.
Trotz energischen Handelns haben letztlich wohl alle ein halbwegs gutes Geschaeft gemacht, die Shopbesitzer, die Rikshafahrer und wir auch, da nach Preisvergleichen eigentlich ganz faire Preise bezahlt wurden.
Der Fahrer bekam, weil er so niedlich war die Fahrt doch noch bezahlt und es tut mir sehr leid, dass ausgerechnet er von allen dreien nun die kleinste Provision einfuhr.
Dafuer machten wir noch Fotos von ihm und ich musste ihm versprechen ihm einen Abzug davon zu schicken. Das werde ich machen, aber ich weiss ganz sicher, dass ich die Commercial Street meiden werde wie die Pest :-)

Montag, 10. Mai 2010

24.4.- 25.4. Madikeri Teil I

Madikeri liegt in den Westghats, irgendwo zwischen Mysore und Mangalore (ja, mit "M", das liegt an der Kueste). Wir sind Freitag abend zu fuenft mit dem Zug nach Mysore gefahren und haben uns dort in ein Hotel eingebucht. Das Zugfahren war sehr spannend, anstelle einer Klimaanlage, die hier ja so beliebt sind, hat der Zug keine Scheiben in den Fenstern und an der Decke pro Quadratmeter einen Ventilator. Einer der Mitreisenden hat das fotografiert, das ist schon wieder so etwas was einem keiner glaubt... Ich besorge das Foto, versprochen. Wenn Insekten durch den Zug fliegen kann es dann auch schon mal Insektenschnitzel regnen, wenn eines der dusseligen Viecher in einem der Ventilatoren landet. Oerks. Die Zugfahrt ist laut, windig, rappelig und trotz des Zugwindes sehr warm gewesen. Das mag auch an der Ueberfuellung gelegen haben.
In Mysore haben wir dann nach erfolgreicher Hotelsuche eine Kneipe gefunden und haben das eine oder andere Bier getrunken und sind dann von einem unglaublichen Regenschauer ins Hotel getrieben worden. Ich habe langsam das Gefuehl, dass der Monsun etwas verfrueht ueber das Land einbricht. Wenn es hier regnet, dann schuettet es gleich immer so dermassen, dass die Strassen zentimentertief unter Wasser stehen, und diese Fluten in reissenden Sturzbaechen einen Abfluss suchen.
Samstag sind wir dann mit dem Bus 4,5 Stunden in eine andere Welt gefahren. Madikeri ist nicht das typische Indien. In Madikeri gibt es hauptsaechlich Kaffeeplantagen. Kaffee waechst unter Baeumen an Bueschen und in den Baeumen waechst Pfeffer. Es ist eine sehr beeindruckenden Landschaft. Der Ort selber ist sauber, es ist guenstig, es gibt Muelleimer (!) und "No Spitting" Schilder, daher kann man sich im Park auf das Gras setzen.



Ausserdem gibt eine kleine Touristeneisenbahn und einen Brunnen mit Wasserspielen, welche von Licht und Musik begleitet sind. Unglaublich. Das ist so ein richtig entspannter Urlaubsort!









Nachdem wir vom Aussichtspunkt aus das Geschehen beobachtet haben, und K. und ich eine kleine Runde mit der Eisenbahn gefahren sind, zogen wir los um Schuhe zu kaufen. Wir hatten vom Hotel aus einen Guide angeheuert, der uns am naechsten Morgen durch die Westghats fuehren sollte. Da ich beschlossen hatte keine Wanderungen in Flipflops mehr zu unternehmen, kaufte ich mir fuer 11 Euro ein Paar ultrahaessliche (ich glaube es waren Maennerschuhe), aber sehr bequeme Turnschuhe, die mir ein wenig zu gross waren.

Madikeri Teil II

Sonntag sind wir dann sehr frueh mit dem angeheuerten Guide durch die Westghats geklettert.
Die Berge sind beeindruckend und die Waelder noch mehr. Es macht das Ganze schon sehr spannend, wenn man weiss, dass man theoretisch Elefanten und Tigern begegnen koennte.







Aber eine kleine Schlange und ein gruener Leguan waren die ungewoehnlichsten Tiere die ich gesehen habe. Der Guide, der seinerseits in Flipflops wanderte (K. und ich haben wohl an den letzten Wochenenden gar nicht soo viel verkehrt gemacht), brachte uns dann in das mitten in den Bergen liegende Haus einer Familie, die etwas Ackerland besitzen, aber hauptsaechlich davon leben, dass die Guides die Touristen zu ihnen bringen, um diese dann zu bekochen.



(In Flipflops)



(Das Tor zum "Essen")

Das Essen war mal wieder grandios, zum Nachtisch gab es frische Guaven vom Baum. Ich liebe die indische Kueche. Leider mussten wir irgendwann unseren Bus nach Mysore erwischen, da wir vorhatten die Nacht von Sonntag auf Montag mal ausnahmsweise in Bangalore zu verbringen. Der Plan war naemlich, wenigstens einmal Montags morgens ausgeschlafen zur Arbeit zu erscheinen. Also fuhren wir vom Mittagessen mit einem Jeep nach Madikeri zurueck. Der kostete dann eine Kleinigkeit extra. Da unser Guide mich auf der Wanderung auf meine tollen Turnschuhe ansprach, die ihm gut gefielen, habe ich mich mit ihm darauf geeinigt, dass ich das Essen und den Jeep anteilig bezahle und ihm fuer seine Guide-Dienste die Schuhe ueberlasse. Okay, damit habe ich mit Abstand den schlechtesten Schnitt gemacht, die anderen zahlten weniger. Aber ich haette die Schuhe sowieso nicht nach Deutschland gebracht. Die haetten bloss als Stallschuhe fuer den Winter mit dicken Socken getaugt. Und da der arme Kerl in Flipflops wandern muss- was solls- er hat sich gefreut, ihm passten sie und er fand sie ganz grossartig :-)
Was will man mehr.
In Madikeri erwischten wir unseren Bus nach Mysore, stiegen dort in den Zug und erreichten abends wieder Bangalore. Und ausnahmsweise konnten wir in Bangalore schlafen und Montagmorgen ausgeschlafen in unseren Bueros auftauchen.