Montag, 31. Mai 2010

Kerala und die Backwaters

Nachdem ich Donnerstag Mittag erst wieder in Bangalore angekommen bin, sind wir Freitagabends, an meinem letzten Wochenende hier nach Kerala gefahren. Obwohl ich nach meinem ersten Goaerlebnis geschworen hatte nie wieder Semisleeper zu fahren, blieb mir nichts anderes uebrig. Nach Kerala fahren keine Schlafbusse und wir hatten ein Gesamtpaket gebucht, bei welchem wir wenig selber mitzubestimmen hatten. Ich bin also vom Buero aus mit der Riksha zum Reisebuero gefahren. Dieses befindet sich in Koramangala in der Naehe eines mir bekannten Ganesh-Tempels. Der Rikshafahrer, der sich darauf eingelassen hatte mich mit dem Taxameter zu fahren, liess sich dann nach einigen Diskussionen ueberzeugen, dass er vor dem falschen Tempel angehalten hatte. Nach eingem Suchen haben wir den Richtigen dann gefunden, und es kam wie es kommen musste. Weil der arme Kerl sich solche Muehe gegeben hatte wollte er einen Aufpreis. Es ist ja nicht so, dass das Meter bei der Sucherei nicht weitergelaufen waere. Das Meter stand statt bei 70 Rupien, die der Weg normalerweise kostet bei 91 Rupien. Ich gab ihm 100 und verzichtete auf das Wechselgeld, um mir dann anzuhoeren, dass er 20 Extra haben moechte. Langsam an solche Diskussionen gewoehnt, nichtsdestotrotz davon genervt stieg ich aus und liess ihn weiter lamentieren. Ich haette vielleicht aus Erziehungsgründen meine 9 Rupien Rueckgeld verlangen sollen... Aber ich war froh endlich da zu sein und mich mit den anderen zu treffen. Also beliess ich es dabei. Das Reisebuero hatte uns gesagt, dass wir um 4.10 pm dort sein sollten. Ich kann ja verstehen, dass nach indischen Zeitmassstaeben eine grosse Sicherheit mit einkalkuliert werden muss, aber der Bus fuhr erst um 6.30 pm. Komisch, gerade wir Deutschen sind doch im Ausland so bekannt fuer Puenktlichkeit, warum laesst man uns 1Stunde vorm Reisebuero warten, um uns dann am Abfahrtplatz des Busses, wo wir mit dem Taxi hingefahren wurden noch einmal 1 Stunde warten zu lassen? Egal, der Bus war fast puenktlich und wir konnten endlich abfahren. Tiefgefroren auf 15 Grad Celsius und in Decken gewickelt hockten wir also in dem von allen hier so hochgelobten Volvoreisebus und machten nach 1,5 Stunden Fahrt die Pause fuers Abendessen. Als wir dann nach 20 Minuten wieder im Bus sassen bekamen wir mit, wie ein Vater seiner kleinen Tochter erklaerte, dass der Bus kaputt sei. Wir horchten auf und fragten nach. Leider erwies es sich als wahr...
Nach 2,5 Stunden tauchte dann ein Mechanic auf, der nach einigen Schwierigkeiten begann den Bus zu reparieren. Hauptschwierigkeit war das offen halten der Motorklappe. Nachdem diverse Werkzeuge, wie Besen und Schraubenzieher sich als untauglich erwiesen hatten, nahm er dann einen Stock zur Hand, der dann endlich die Klappe im geforderten Winkel offen hielt. 3o Männer standen daneben und sahen zu- natürlich kam niemand auf die Idee die Kappe einfach kurz festzuhalten... Der Mechanic reparierte dann den Bus, indem er einen Schlauch austauschte und mit Wasser fuellte. Mit 3 Stunden Verspaetung fuhren wir dann weiter. Wir liessen uns wieder einfrieren und ich hoffte irgendwie schlafen zu koennen. 1 Nacht Bus, 1 Nacht Boot, 1 Nacht Bus und dann 1 Nacht Flugzeug- ich schaetze, dass ich Dienstag abend sehr muede sein werde :-)
Morgens kamen wir dann in Allepey an und standen im Regen. Wir wurden dann nach kurzer Wartezeit von einem Taxi abgeholt und in ein Hotel gebracht wo wir etwas Zeit hatten uns frisch zu machen und unsere Wunden zu heilen. K. hatte Halsschmerzen und Husten, B. hatte Magenprobleme und ich hatte von dem naechtlichen 14 Stunden-sitzen geschwollene Fuesse. Nur Nr. 4 war fit. Nachdem wir alle geduscht hatten sind wir fruehstuecken gegangen, wobei B. seinen Magen lieber schonen wollte und im Hotel blieb. Mittags holte uns dann ein Taxi ab und fuhr uns zum Hafen.
Wir hatten ein Hausboot ganz fuer uns alleine, mit 3 Mann Besatzung, wow, was fuer ein Luxus. Der Regen hatte aufgehoert und endlich konnte der entspannte Teil der Reise beginnen. Die 'Venice' fuhr uns gemuetlich durch die Backwaters und ermoeglichte uns wunderschoene Ausblicke auf die Ufer. Es leben an den Ufern sehr viele Menschen. Ob sie wissen, wie schoen sie es haben?
Zwischendurch hielten wir am Ufer und die Nicht-Vegetarier kauften frische Tiger-Prawns, die dann von dem Smutje zusätzlich zum Abendessen zubereitet wurden. Zum Abendessen legten wir dann wieder an. Ich bin mit einem kleinen Paddelboot dann noch in die kleinen Nebenkanäle gefahren und habe das Leben der Menschen an den Backwaters hautnah erleben können. Etwas erledigt von der Paddelei kam ich zum Hausboot zurück und bin dann sofort in den Kanal gesprungen um etwas zu schwimmen. Nach einer ruhigen Nacht standen wir SOnntag recht früh auf und haben gefrühstückt. Leider war die wunderbare Hausboottour dann auch schon vorbei. Am Hafen holte und ein Taxi ab und wir wurden zu 2 Tempeln und in ein Museum zum Sightseeing gefahren. Dann durften wir 2 Stunden am STrand verbringen, das war aber wenig lohnenswert. Kein Schatten, keine Duschen, also auch keine Möglichkeit zu schwimmen und natürlich keine Strandcafés...
Abends sind wir dann mit einer rollenden Tiefkühltruhe wieder nach Bangalore gefahren, wobei natürlich wieder alles schief ging, was nur schief gehen kann... Erst musste jemand sehr spontan den Bus verlassen, da ihm schlecht war. ALs er wieder zustieg wurde ihm lapidar eine Tüte in die Hand gedrückt und die Fahrt im gleichen STil fortgesetzt wie vorher. Dann musste unser Busfahrer einspringen und einem Bus helfen, der eine Panne hatte (welch Wunder- nicht unserer), und dann, als wir endlich weiterfahren konnten, haben wir noch an einem schweren Unfall angehalten um nachzusehen ob sich noch Verletzte in den Wracks befinden.
Wieder einmal mit Verspätung erreichten wir morgens dann Bangalore... Gut, dass es mein letzter Arbeitstag war, und ich sowieso nur noch nachmittags für einige Stunden hingehen musste.

Die Bootstour war ganz toll und sehr lohnenswert, der Rest war eher anstrengend. Aber bei dem Wetter ist alles anstrengend.
15 Stunden nach dem Wiedereintreffen in Bangalore sollte dann mein Taxi kommen und mich zum Flughafen bringen...
Bye bye incredible India!

(P.S. Fotos folgen)