Ich bin seit 5 Tagen wieder in Deutschland und werde von allen gefragt wie es denn gewesen sei. Das ist schon wieder so eine Frage, die sich mit wenigen Sätzen nicht beantworten lässt. Laut, bunt, heiss, anstrengend, dreckig, witzig, nervig, lecker, wahnsinnig, schrecklich, lehrreich, schön.
Ich kann es nicht sagen, sucht euch etwas aus.
Mein Alltag: Morgens um halb zehn fuhren wir mit einem klimatisierten Auto durch den irren Verkehr ins klimatisierte Büro, wo ich dann 9-10 Stunden gearbeitet habe. Das Essen wurde gebracht, die Pausen waren frei wählbar, die Leute im Büro nett, freundlich und liebenswert. Abends sind wir dann mit dem Auto zurück gefahren und ich durfte mich mit solchen Kleinigkeiten herumschlagen wie der Frage, wo man am besten Toilettenpapier, Milch und Brot kaufen kann und was ich zu abend esse. Meine Maid hat geputzt und gewaschen, ich bin abends nur draussen gewesen um einzukaufen. Da es um Punkt sieben dunkel ist, und ich meistens müde war, habe ich in der Woche selten etwas unternommen.
Meine Wochenenden: Ich habe versucht so viel wie möglich von dem Land mitzubekommen indem ich viel gereist bin. Natürlich habe ich hauptsächlich klassische Touristenziele ausgesucht und mir ist bewusst, dass viele meiner Reiseziele auch nur ein Teil des typischen Indiens gewesen sind. Es waren eigentlich immer Orte, wohin auch Inder reisen, mit unglaublichen Sehenwürdigkeiten, viel Geschichte oder einfach großartiger Natur. Die Art des Reisens war sehr indisch- Busse und Bahnen, in welchen ich oder wir meistens die einzigen 'Westler' waren, aber ich gehörte dort ja auch zu der Bevölkerungsgruppe, die sich das Reisen leisten können. Allerdings habe ich es mir verkniffen überall hin mit angeheuertem Fahrer und Auto zu fahren.
Ich habe sehr viele sehr schöne Dinge gesehen und weit über 1000 Fotos gemacht. Aber, und das habe ich hier im Blog sehr oft weggelassen, ich habe auch ganz viele sehr schreckliche Dinge gesehen. Ich habe halbverhungerte oder gruselig verstümmelte Menschen jeden Alters, inklusive Kindern gesehen, merkwürdig verbogene Gliedmassen, verletzte Menschen und Tiere. Ich habe Slums gesehen, in welchen die Menschen zum Teil nur dahinvegetieren. Ich habe Krankheiten gesehen, die in Europa nicht zum typischen Straßenbild gehören und ich habe so unglaublich oft einfach gar nichts machen können. Die Hilflosigkeit war furchtbar- in so vielen Ländern die ich bisher bereist habe hätte ich gewusst wie ich helfen kann. Krankenwagen oder Feuerwehr anrufen, Jugendämter oder den Tierschutz aktivieren... Mir blieb bis auf wenige Male, wo ich wenigstens im Nachhinein versuchen konnte durch Emails irgendetwas zu tun, keine Möglichkeit zu agieren, und ich weiss immer noch nicht was für mich schlimmer war- der Anblick oder das Gefühl der Hilflosigkeit. Es ist tatsächlich so, dass man abhärtet und einige Dinge irgendwann einfach so hinnimmt. Aber vieles werde ich nie vergessen können... Ich bin froh, dass ich eigentlich nur einen kleinen Teil gesehen habe und diese Bilder nicht meinen Alltag beherrscht haben. Was unzweifelhaft an meinem 'Upper-Class' Arbeitsleben lag!
Aber ich ahnte vor meinem Abflug worauf ich mich eingelassen hatte, und trotzdem bin ich geflogen und habe es keine Sekunde bereut.
Das Essen:
Indisches Essen ist super! Ich bin als Vegetarierin noch nie so unproblematisch in einem Land zurecht gekommen. Ich liebe indisches Essen, allerdings nur 'less spicy' was mir dann trotzdem meistens die Tränen in die Augen trieb...
Und ich kann inzwischen wirklich ohne größere Unfälle ohne Besteck mit der rechten Hand essen und dabei die verpönte linke Hand unter dem Tisch lassen.
Aber zum Frühstück finde ich indisches Essen unmöglich. Ich bin kein großer Frühstücker, meistens trinke ich eine Tasse Kaffee. Und genau da beginnt die Frühstücksproblematik schon. Echter Kaffee ist sehr schwer aufzutreiben, meistens ist es Nescafé. Und wenn ich frühstücke, also in Deutschland, dann sind das meistens Brötchen oder Brot, und ich liebe Käse. Und genau da liegen die weiteren Punkte der Problematik.
Käse kann man zwar überall kaufen, allerdings nur Cheddar oder den indischen Paneer, die ich beide lahm finde.
Auch in Restaurants gibt es häufig kein Brot, Brötchen habe ich nicht einmal gefunden. Wenigstens für mich zu Hause konnte ich Toastbrot kaufen- anderes Brot habe ich ebenfalls NIE gesehen. In einem Restaurant gab es laut Karte Sandwiches, aber- das Brot war alle. Es war ein sehr indisches Restaurant... Inder frühstücken kein Brot. In den Touristengebieten gab es immer eine grosse Frühstücksauswahl, indisch, continental, israelisch, arabisch... Oft mit Obstsalat, selten mit Toast und eigentlich immer warm. Das kann mal nett sein, aber eigentlich mag ich kein großes Frühstück. Und in den Nicht-Touristen-Gebieten, da gab es wirklich indisches Frühstück, Marsala Dosa oder Rice Idly. Marsala Dosa ist eine Art Omelett, welches mit einer scharfen Soße bestrichen ist und in welches Kartoffeln eingewickelt sind, die typisch südindisch gewürzt sind. Wirklich super lecker, aber um Himmels Willen nicht zum Frühstück! Und Rice Idly sind kleine, natürlich warme Reiskuchen die mit verschiedenen, natürlich meistens sehr scharfen Soßen serviert werden... Seufz, kein Land für Brötchenesser...
Ansonsten habe ich nicht einen Tag Probleme mit dem Magen-Darm-Trakt gehabt, kein 'Delhi-Belly'.
Und das Trinken? Das Leitungswasser ist absolut tabu, gefährlich und verseucht, obendrein stinkt es schrecklich. Ich hatte keinen Filter sondern habe Flaschenwasser gekauft. Und das schmeckte zum Teil auch nicht besonders gut. In der Hinsicht bin ich sehr froh wieder hier zu sein :-)
Bin ich eigentlich froh wieder hier zu sein? Auch diese Frage wird mir andauernd gestellt. Ja, ich finde es schön wieder hier zu sein, meine Familie und meine Freunde wieder zu sehen, aber ich bin auch etwas traurig. Ich wäre gerne länger geblieben, noch 3 Monate, eventuell auch ein Jahr. Aber zwei Dinge sind ganz sicher- für immer möchte ich nicht in Indien leben, aber ich werde bestimmt wieder hinfahren.
Laut, bunt, heiss, anstrengend, dreckig, witzig, nervig, lecker, wahnsinnig, schrecklich, lehrreich, schön, es stimmt einfach alles irgendwie. :-)
Good Bye India!
Sonntag, 6. Juni 2010
Montag, 31. Mai 2010
Kerala und die Backwaters
Nachdem ich Donnerstag Mittag erst wieder in Bangalore angekommen bin, sind wir Freitagabends, an meinem letzten Wochenende hier nach Kerala gefahren. Obwohl ich nach meinem ersten Goaerlebnis geschworen hatte nie wieder Semisleeper zu fahren, blieb mir nichts anderes uebrig. Nach Kerala fahren keine Schlafbusse und wir hatten ein Gesamtpaket gebucht, bei welchem wir wenig selber mitzubestimmen hatten. Ich bin also vom Buero aus mit der Riksha zum Reisebuero gefahren. Dieses befindet sich in Koramangala in der Naehe eines mir bekannten Ganesh-Tempels. Der Rikshafahrer, der sich darauf eingelassen hatte mich mit dem Taxameter zu fahren, liess sich dann nach einigen Diskussionen ueberzeugen, dass er vor dem falschen Tempel angehalten hatte. Nach eingem Suchen haben wir den Richtigen dann gefunden, und es kam wie es kommen musste. Weil der arme Kerl sich solche Muehe gegeben hatte wollte er einen Aufpreis. Es ist ja nicht so, dass das Meter bei der Sucherei nicht weitergelaufen waere. Das Meter stand statt bei 70 Rupien, die der Weg normalerweise kostet bei 91 Rupien. Ich gab ihm 100 und verzichtete auf das Wechselgeld, um mir dann anzuhoeren, dass er 20 Extra haben moechte. Langsam an solche Diskussionen gewoehnt, nichtsdestotrotz davon genervt stieg ich aus und liess ihn weiter lamentieren. Ich haette vielleicht aus Erziehungsgründen meine 9 Rupien Rueckgeld verlangen sollen... Aber ich war froh endlich da zu sein und mich mit den anderen zu treffen. Also beliess ich es dabei. Das Reisebuero hatte uns gesagt, dass wir um 4.10 pm dort sein sollten. Ich kann ja verstehen, dass nach indischen Zeitmassstaeben eine grosse Sicherheit mit einkalkuliert werden muss, aber der Bus fuhr erst um 6.30 pm. Komisch, gerade wir Deutschen sind doch im Ausland so bekannt fuer Puenktlichkeit, warum laesst man uns 1Stunde vorm Reisebuero warten, um uns dann am Abfahrtplatz des Busses, wo wir mit dem Taxi hingefahren wurden noch einmal 1 Stunde warten zu lassen? Egal, der Bus war fast puenktlich und wir konnten endlich abfahren. Tiefgefroren auf 15 Grad Celsius und in Decken gewickelt hockten wir also in dem von allen hier so hochgelobten Volvoreisebus und machten nach 1,5 Stunden Fahrt die Pause fuers Abendessen. Als wir dann nach 20 Minuten wieder im Bus sassen bekamen wir mit, wie ein Vater seiner kleinen Tochter erklaerte, dass der Bus kaputt sei. Wir horchten auf und fragten nach. Leider erwies es sich als wahr...
Nach 2,5 Stunden tauchte dann ein Mechanic auf, der nach einigen Schwierigkeiten begann den Bus zu reparieren. Hauptschwierigkeit war das offen halten der Motorklappe. Nachdem diverse Werkzeuge, wie Besen und Schraubenzieher sich als untauglich erwiesen hatten, nahm er dann einen Stock zur Hand, der dann endlich die Klappe im geforderten Winkel offen hielt. 3o Männer standen daneben und sahen zu- natürlich kam niemand auf die Idee die Kappe einfach kurz festzuhalten... Der Mechanic reparierte dann den Bus, indem er einen Schlauch austauschte und mit Wasser fuellte. Mit 3 Stunden Verspaetung fuhren wir dann weiter. Wir liessen uns wieder einfrieren und ich hoffte irgendwie schlafen zu koennen. 1 Nacht Bus, 1 Nacht Boot, 1 Nacht Bus und dann 1 Nacht Flugzeug- ich schaetze, dass ich Dienstag abend sehr muede sein werde :-)
Morgens kamen wir dann in Allepey an und standen im Regen. Wir wurden dann nach kurzer Wartezeit von einem Taxi abgeholt und in ein Hotel gebracht wo wir etwas Zeit hatten uns frisch zu machen und unsere Wunden zu heilen. K. hatte Halsschmerzen und Husten, B. hatte Magenprobleme und ich hatte von dem naechtlichen 14 Stunden-sitzen geschwollene Fuesse. Nur Nr. 4 war fit. Nachdem wir alle geduscht hatten sind wir fruehstuecken gegangen, wobei B. seinen Magen lieber schonen wollte und im Hotel blieb. Mittags holte uns dann ein Taxi ab und fuhr uns zum Hafen.
Wir hatten ein Hausboot ganz fuer uns alleine, mit 3 Mann Besatzung, wow, was fuer ein Luxus. Der Regen hatte aufgehoert und endlich konnte der entspannte Teil der Reise beginnen. Die 'Venice' fuhr uns gemuetlich durch die Backwaters und ermoeglichte uns wunderschoene Ausblicke auf die Ufer. Es leben an den Ufern sehr viele Menschen. Ob sie wissen, wie schoen sie es haben?
Zwischendurch hielten wir am Ufer und die Nicht-Vegetarier kauften frische Tiger-Prawns, die dann von dem Smutje zusätzlich zum Abendessen zubereitet wurden. Zum Abendessen legten wir dann wieder an. Ich bin mit einem kleinen Paddelboot dann noch in die kleinen Nebenkanäle gefahren und habe das Leben der Menschen an den Backwaters hautnah erleben können. Etwas erledigt von der Paddelei kam ich zum Hausboot zurück und bin dann sofort in den Kanal gesprungen um etwas zu schwimmen. Nach einer ruhigen Nacht standen wir SOnntag recht früh auf und haben gefrühstückt. Leider war die wunderbare Hausboottour dann auch schon vorbei. Am Hafen holte und ein Taxi ab und wir wurden zu 2 Tempeln und in ein Museum zum Sightseeing gefahren. Dann durften wir 2 Stunden am STrand verbringen, das war aber wenig lohnenswert. Kein Schatten, keine Duschen, also auch keine Möglichkeit zu schwimmen und natürlich keine Strandcafés...
Abends sind wir dann mit einer rollenden Tiefkühltruhe wieder nach Bangalore gefahren, wobei natürlich wieder alles schief ging, was nur schief gehen kann... Erst musste jemand sehr spontan den Bus verlassen, da ihm schlecht war. ALs er wieder zustieg wurde ihm lapidar eine Tüte in die Hand gedrückt und die Fahrt im gleichen STil fortgesetzt wie vorher. Dann musste unser Busfahrer einspringen und einem Bus helfen, der eine Panne hatte (welch Wunder- nicht unserer), und dann, als wir endlich weiterfahren konnten, haben wir noch an einem schweren Unfall angehalten um nachzusehen ob sich noch Verletzte in den Wracks befinden.
Wieder einmal mit Verspätung erreichten wir morgens dann Bangalore... Gut, dass es mein letzter Arbeitstag war, und ich sowieso nur noch nachmittags für einige Stunden hingehen musste.
Die Bootstour war ganz toll und sehr lohnenswert, der Rest war eher anstrengend. Aber bei dem Wetter ist alles anstrengend.
15 Stunden nach dem Wiedereintreffen in Bangalore sollte dann mein Taxi kommen und mich zum Flughafen bringen...
Bye bye incredible India!
(P.S. Fotos folgen)
Nach 2,5 Stunden tauchte dann ein Mechanic auf, der nach einigen Schwierigkeiten begann den Bus zu reparieren. Hauptschwierigkeit war das offen halten der Motorklappe. Nachdem diverse Werkzeuge, wie Besen und Schraubenzieher sich als untauglich erwiesen hatten, nahm er dann einen Stock zur Hand, der dann endlich die Klappe im geforderten Winkel offen hielt. 3o Männer standen daneben und sahen zu- natürlich kam niemand auf die Idee die Kappe einfach kurz festzuhalten... Der Mechanic reparierte dann den Bus, indem er einen Schlauch austauschte und mit Wasser fuellte. Mit 3 Stunden Verspaetung fuhren wir dann weiter. Wir liessen uns wieder einfrieren und ich hoffte irgendwie schlafen zu koennen. 1 Nacht Bus, 1 Nacht Boot, 1 Nacht Bus und dann 1 Nacht Flugzeug- ich schaetze, dass ich Dienstag abend sehr muede sein werde :-)
Morgens kamen wir dann in Allepey an und standen im Regen. Wir wurden dann nach kurzer Wartezeit von einem Taxi abgeholt und in ein Hotel gebracht wo wir etwas Zeit hatten uns frisch zu machen und unsere Wunden zu heilen. K. hatte Halsschmerzen und Husten, B. hatte Magenprobleme und ich hatte von dem naechtlichen 14 Stunden-sitzen geschwollene Fuesse. Nur Nr. 4 war fit. Nachdem wir alle geduscht hatten sind wir fruehstuecken gegangen, wobei B. seinen Magen lieber schonen wollte und im Hotel blieb. Mittags holte uns dann ein Taxi ab und fuhr uns zum Hafen.
Wir hatten ein Hausboot ganz fuer uns alleine, mit 3 Mann Besatzung, wow, was fuer ein Luxus. Der Regen hatte aufgehoert und endlich konnte der entspannte Teil der Reise beginnen. Die 'Venice' fuhr uns gemuetlich durch die Backwaters und ermoeglichte uns wunderschoene Ausblicke auf die Ufer. Es leben an den Ufern sehr viele Menschen. Ob sie wissen, wie schoen sie es haben?
Zwischendurch hielten wir am Ufer und die Nicht-Vegetarier kauften frische Tiger-Prawns, die dann von dem Smutje zusätzlich zum Abendessen zubereitet wurden. Zum Abendessen legten wir dann wieder an. Ich bin mit einem kleinen Paddelboot dann noch in die kleinen Nebenkanäle gefahren und habe das Leben der Menschen an den Backwaters hautnah erleben können. Etwas erledigt von der Paddelei kam ich zum Hausboot zurück und bin dann sofort in den Kanal gesprungen um etwas zu schwimmen. Nach einer ruhigen Nacht standen wir SOnntag recht früh auf und haben gefrühstückt. Leider war die wunderbare Hausboottour dann auch schon vorbei. Am Hafen holte und ein Taxi ab und wir wurden zu 2 Tempeln und in ein Museum zum Sightseeing gefahren. Dann durften wir 2 Stunden am STrand verbringen, das war aber wenig lohnenswert. Kein Schatten, keine Duschen, also auch keine Möglichkeit zu schwimmen und natürlich keine Strandcafés...
Abends sind wir dann mit einer rollenden Tiefkühltruhe wieder nach Bangalore gefahren, wobei natürlich wieder alles schief ging, was nur schief gehen kann... Erst musste jemand sehr spontan den Bus verlassen, da ihm schlecht war. ALs er wieder zustieg wurde ihm lapidar eine Tüte in die Hand gedrückt und die Fahrt im gleichen STil fortgesetzt wie vorher. Dann musste unser Busfahrer einspringen und einem Bus helfen, der eine Panne hatte (welch Wunder- nicht unserer), und dann, als wir endlich weiterfahren konnten, haben wir noch an einem schweren Unfall angehalten um nachzusehen ob sich noch Verletzte in den Wracks befinden.
Wieder einmal mit Verspätung erreichten wir morgens dann Bangalore... Gut, dass es mein letzter Arbeitstag war, und ich sowieso nur noch nachmittags für einige Stunden hingehen musste.
Die Bootstour war ganz toll und sehr lohnenswert, der Rest war eher anstrengend. Aber bei dem Wetter ist alles anstrengend.
15 Stunden nach dem Wiedereintreffen in Bangalore sollte dann mein Taxi kommen und mich zum Flughafen bringen...
Bye bye incredible India!
(P.S. Fotos folgen)
Sonntag, 30. Mai 2010
Coffee Estate
Urspruenglich hatte ich fuer die letzte Maiwoche Urlaub genommen. Ich wollte in meiner letzten Woche hier in den Norden nach Delhi bzw. Agra und zum Taj Mahal fliegen. Leider hat das irgendwie alles nicht geklappt und ich hatte, da ich keine Lust hatte hier nur so herumzuhaengen, meiner Chefin gesagt, dass ich trotz des Urlaub arbeiten kommen wuerde. Auf der Feier meiner Chefin, die am Samstag stattfand, lud mich jedoch R., eine alte Freundin meiner Chefin auf ihr Coffee Estate ein. Meine Chefin hatte nichts dagegen, da ich ja sowieso Urlaub hatte, und ich freute mich sehr. Ich habe zwar in Madikeri schon etwas von den Kaffeeplantagen mitbekommen, auf einem solchen Estate ein paar Tage zu verbringen ist jedoch noch einmal etwas anderes. R.und ihr Mann D. haben sich, nachdem sie einen grossen Teil ihres Lebens in Kuwait verbacht haben, nach ihrer Rueckkehr einen Traum erfuellt und sich ein kleines Coffee Estate gekauft. D. wohnt dort die ganze Woche, R. pendelt wegen ihrer Kinder, die in Bangalore wohnen hin und her. Wir haben Montags morgens den Bus um halb sieben genommen und uns auf die 5-stuendige Fahrt begeben. Es war eine Busfahrt wie alle Busfahrten in den oeffentlichen Bussen sind- laut und warm. Sehr warm. Da einige andere Busse eine Panne hatten sind wir Umwege gefahren um deren Fahrgaeste auch noch einzusammeln, dahier zog sich die Fahrt etwas in die Laenge. Die Bustuer war, wie immer, die ganze Fahrt ueber offen. Der Ticketverkaeufer hat den gesamten Muell, der sich im Bus so ansammelte waehrend der Fahrt einfach hinausgeworfen. Das geht mir hier echt auf die Nerven. Es ist ein so schoenes Land, warum versauen die Inder ihr eigenes Land so sehr? Mein Haus ist sauber, oder in diesem Fall mein Bus ist sauber, alles andere interessiert nicht. Ich finde das wirklich furchtbar. Der Muell verdirbt nicht nur den Anblick sondern ist fuer die Umwelt eine totale Katastrophe. Mich wundert es etwas, dass es hier ueberhaupt noch intakte Natur gibt. Wenn da nicht bald ein Umdenken stattfindet, dann wird dieses Land total im Dreck versinken. Ich habe mal einen Inder gefragt was er davon haelt- er meinte nur, ach, die Leute sind daran gewoehnt. Na bravo.
Nach sechs Stunden erreichten wir endlich unser Ziel und wurden von D. und dem Labrador Zorro mit dem Minivan abgeholt. Das Coffee Estate ist ein Traum. Obwohl es nur ein kleines Estate ist, ist es ein riesiges Waldgebiet. Unter den Baeumen wachsen die Kaffeepflanzen, Arabica und Robusta. An den Baeumen waechst Pfeffer, zwischen den Kaffeepflanzen wachsen Kardamom und Jackfruit, Bananen, Pomelos, Nuesse und Unkraut.

(Kaffee, Kaffee, Kaffee)
Die beiden Besitzer und ihr Hund wohnen im Haupthaus, auf dem Anwesen leben noch 3 ehemalige Strassenhunde, die dort jetzt einen Job als Wachhunde haben. Seit man fuer den Verkauf von Kaffee keine Lizenz mehr braucht sind die Diebstaehle, wenn der Kaffee auf dem Drying Yard trocknet, extrem angestiegen. Glueck fuer Kariha, Rani und Panda, sie haben jetzt ein Zuhause und einen Job :-)

(Das Haupthaus)
Auch der Fahrer der beiden mitsamt Frau und Kind, sowie die Plantagenarbeiter leben in eigenen Haeuschen auf dem Anwesen. Ich bin nie in den Suedstaaten der USA gewesen, aber ich kann mir gut vorstellen, dass es dort vor einigen Jahren genauso war. Die Abweichung besteht darin, dass die Plantagenarbeiter bezahlt werden. Die Bezahlung ist gruselig schlecht. Das liegt nicht daran, dass D. und R. besonders geizig sind, die Bezahlung ist dort einfach so. D. und R. gewaehren ihren Arbeitern zinsfreie Darlehen fuer Sonderanlaesse wie Krankheiten und Hochzeiten, sie lassen sie kostenfrei wohnen und auch Strom und Wasser muss nicht bezahlt werden. Ich glaube damit tun sie schon mehr als manche anderen. Trotzdem- auch wenn man die Waehrungen hier in einem anderen Verhaeltnis sehen muss, sind 1,60 Euro pro Tag sehr wenig. Kein Wunder, dass ‚wir‘ hier alle als superreich gelten. Ja, verglichen damit bin ich superreich. Zumindest wenn ich mit meinem Einkommen in Indien dauerhaft leben wuerde... Dass bei uns die Ausgaben viel hoeher sind, das ahnt kaum jemand- wie denn auch. Die Leute sehen immer nur gutgekleidete Auslaender, die mit Geld um sich werfen, sich ausnehmen lassen, halbaufgerauchte Zigaretten wegwerfen und Alkohol trinken. Da ist es noch nur klar, dass wir alle den gelobten Laendern entspringen und damit bevorzugtes Objekt zum Anbetteln sind. Und dann sind da ja auch noch die, die so wie ich den Kindern immer Kekse schenken und den alten Bettlern gleich 10 Rupien geben. Viel zu viel in den Augen derer die hier leben. Aber viel zu wenig vergleichen mit dem, was ich in Deutschland den Bettlern gebe.
Wie auch immer, den Montag verbrachten wir damit ueber das Estate zu wandern und ich liess mir die Pflanzen erklaeren. Ich kenne jetzt den Unterschied zwischen gruenem, weissem, rotem und schwarzem Pfeffer (es gibt keinen, es haengt vom Reifegrad und der Behandlung ab) und weiss ungefaehr, was ein Sack mit 50 Kilo Kaffeebohnen beim Verkauf bringt. Das Gute hier ist, dass man voellig offen ueber Geld und aehnliches sprechen kann. Zwar ist es immer wieder ungewohnt direkt nach so privaten Dingen gefragt zu werden, aber im Gegenzug darf man selber auch ungehemmt nachfragen. Zumindest wenn man die Leute kennt. Die Abende verbrachten wir damit Wodka zu trinken und uns zu unterhalten. R. und D. haben die etwas anstrengende Angewohnheit immer gleichzeitig zu sprechen und je nach Alkoholkonsum auch immer lauter zu werden. Wenn ich dann nach etwas gefragt wurde, zum Beispiel wogegen ich mich habe impfen lassen, dann wurde meine Antwort angezweifelt oder hat extreme Diskussionen zwischen den beiden ausgeloest. D. und R. sind sehr gebildete Menschen, sie haben mir viel erklaert und viel gezeigt, sie haben beide schon einiges im Leben gesehen. Aber ich finde es trotzdem anstrengend, wenn ich mich andauernd rechtfertigen muss und staendig zwei Menschen gleichzeitig zuhoeren muss... Aber trotzdem waren sie unglaublich freundliche Gastgeber, die mir die 3 ruhigsten Tage hier in Indien ermoeglicht haben. Auf dem Estate hoert man kein Auto, es herrscht die totale Stille, von den Geraeuschen der Natur einmal abgesehen. Ein traumhft schoenes kleines Paradies!
Sehr ungewohnt war nur die Dusche. Durch ein Feuer an der Aussenwand des Hauses wird Wasser in einem Tank erwaermt aus dem man das heisse Wasser schoepfen kann. Dieses mischt man dann mit kaltem Waser aus dem Kran in einem grossen Eimer. Und damit uebergiesst man sich dann mit einem kleinen Schoepfgefaess. Fuer mich war das sehr ungewohnt, aber es funktioniert ganz prima.
Dienstag waren wir bei der Bank, da Mittwochs Zahltag ist. Die Arbeiter werden woechentlich bezahlt, je nach Anwesenheit. Krankengeld oder aehnliches gibt es nicht, ebenso wenig wie bezahlten Urlaub. Danach fuhren wir kurz zu einem mittelgrossen Estate, wo mir voller Stolz das Haus gezeigt wurde.
Mittwoch sind R. und ich dann von dem Fahrer nach Belur gefahren worden um einen Tempel zu besichtigen. Die Fahrt dahin war sehr spannend. Wir sind mit dem Jeep gefahren und ich durfte vorne sitzen. Die Strassen sind zum Teil aus Sand und durch die Traktoren und den Regen in Zustaenden, bei denen ich bezweifete da ueberhaupt mit einem KFZ durchzukommen. Ich haette ja ein Pferd bevorzugt. Aber der Jeep war dieser Aufgabe gewachsen und wir brausten in halsbrecherischer Geschwindigkeit ueber die Buckelpisten. Ich betrachtete waehrend der Fahrt etwas nachdenklich die anstelle eines Handschuhfaches angebrachte Haltestange aus Metall. Ich bin nicht uebervorsichtig, aber ich ueberlegte mir, dass bei einer Kollision, mangels eines Anschnallgurtes diese Stange ein ernstzunehmender Gegner waere. Aber wir kamen heile an, der Fahrer kennt das Fahrzeug und seine Moeglichkeiten.

(Filigrane Handarbeit in der Tempelanlage von Belur)
Nach dem Tempel besuchten wir ein grosses Estate, wo wir zum Mittagessen eingeladen waren. Dort empfand ich es als noch viel suedstaatenmaessiger. Eine schweigsame Maid half beim kochen und servierte das Essen, waehrend wir sehr stilvoll in einer Villa sassen, die Marmorboeden hatte und in den Badezimmern sogar Badewannen (!). Dass ich kein Bier trinken wollte wurde mir uebel genommen, ich sei schliesslich Deutsche. Also gab ich nach und trank mittags schon mit dem Hausherrn Bier. Danach zeigte er mir noch seine Vanillepflanzen und von weitem die Baustelle, wo er seinen Arbeitern erlaubt sich Haeuser nach ihren Vorstellungen zu bauen.

(Vanille)
Nachmittags fuhren wir wieder in das Estate von R. und D. wo ich dann der Bezahlung der Arbeiter beiwohnte. Auf der Fahrt dahin habe ich das Ekeligste gesehen, was ich je in meinem Leben sah. Ein toter Baum am Strassenrand war gaenzlich mit Spinnenweben ueberzogen.

(*Schauder*)
Fuer mich als Arachnophobikerin ein gruseliger Anblick. Ich habe mich nicht getraut auszusteigen und das zu fotografieren. R., die sich daruber totlachte erledigte das dann fuer mich. Abends gingen wir frueh schlafen, da wir um sechs Uhr am Donnerstag morgen alle zusammen mit dem Van nach Bangalore fahren wollten. D. kam auch mit, dahier wurden Sack und Pack und Hund in den Van verfrachtet. Nach 250 km und 6 Stunden Fahrt kamen wir an, wobei wir die letzten 2 Stunden nur den Stadtverkehr von Bangalore durchquerten. Ich habe nun einen einseitigen Sonnenbrand auf dem linken Arm, was etwas albern aussieht, aber dafuer durfte ich dank der grosszuegigen Gastfreundschaft von R. und D. tatsaechlich einge ruhige Tage verbringen. Danke!
Nach sechs Stunden erreichten wir endlich unser Ziel und wurden von D. und dem Labrador Zorro mit dem Minivan abgeholt. Das Coffee Estate ist ein Traum. Obwohl es nur ein kleines Estate ist, ist es ein riesiges Waldgebiet. Unter den Baeumen wachsen die Kaffeepflanzen, Arabica und Robusta. An den Baeumen waechst Pfeffer, zwischen den Kaffeepflanzen wachsen Kardamom und Jackfruit, Bananen, Pomelos, Nuesse und Unkraut.
(Kaffee, Kaffee, Kaffee)
Die beiden Besitzer und ihr Hund wohnen im Haupthaus, auf dem Anwesen leben noch 3 ehemalige Strassenhunde, die dort jetzt einen Job als Wachhunde haben. Seit man fuer den Verkauf von Kaffee keine Lizenz mehr braucht sind die Diebstaehle, wenn der Kaffee auf dem Drying Yard trocknet, extrem angestiegen. Glueck fuer Kariha, Rani und Panda, sie haben jetzt ein Zuhause und einen Job :-)
(Das Haupthaus)
Auch der Fahrer der beiden mitsamt Frau und Kind, sowie die Plantagenarbeiter leben in eigenen Haeuschen auf dem Anwesen. Ich bin nie in den Suedstaaten der USA gewesen, aber ich kann mir gut vorstellen, dass es dort vor einigen Jahren genauso war. Die Abweichung besteht darin, dass die Plantagenarbeiter bezahlt werden. Die Bezahlung ist gruselig schlecht. Das liegt nicht daran, dass D. und R. besonders geizig sind, die Bezahlung ist dort einfach so. D. und R. gewaehren ihren Arbeitern zinsfreie Darlehen fuer Sonderanlaesse wie Krankheiten und Hochzeiten, sie lassen sie kostenfrei wohnen und auch Strom und Wasser muss nicht bezahlt werden. Ich glaube damit tun sie schon mehr als manche anderen. Trotzdem- auch wenn man die Waehrungen hier in einem anderen Verhaeltnis sehen muss, sind 1,60 Euro pro Tag sehr wenig. Kein Wunder, dass ‚wir‘ hier alle als superreich gelten. Ja, verglichen damit bin ich superreich. Zumindest wenn ich mit meinem Einkommen in Indien dauerhaft leben wuerde... Dass bei uns die Ausgaben viel hoeher sind, das ahnt kaum jemand- wie denn auch. Die Leute sehen immer nur gutgekleidete Auslaender, die mit Geld um sich werfen, sich ausnehmen lassen, halbaufgerauchte Zigaretten wegwerfen und Alkohol trinken. Da ist es noch nur klar, dass wir alle den gelobten Laendern entspringen und damit bevorzugtes Objekt zum Anbetteln sind. Und dann sind da ja auch noch die, die so wie ich den Kindern immer Kekse schenken und den alten Bettlern gleich 10 Rupien geben. Viel zu viel in den Augen derer die hier leben. Aber viel zu wenig vergleichen mit dem, was ich in Deutschland den Bettlern gebe.
Wie auch immer, den Montag verbrachten wir damit ueber das Estate zu wandern und ich liess mir die Pflanzen erklaeren. Ich kenne jetzt den Unterschied zwischen gruenem, weissem, rotem und schwarzem Pfeffer (es gibt keinen, es haengt vom Reifegrad und der Behandlung ab) und weiss ungefaehr, was ein Sack mit 50 Kilo Kaffeebohnen beim Verkauf bringt. Das Gute hier ist, dass man voellig offen ueber Geld und aehnliches sprechen kann. Zwar ist es immer wieder ungewohnt direkt nach so privaten Dingen gefragt zu werden, aber im Gegenzug darf man selber auch ungehemmt nachfragen. Zumindest wenn man die Leute kennt. Die Abende verbrachten wir damit Wodka zu trinken und uns zu unterhalten. R. und D. haben die etwas anstrengende Angewohnheit immer gleichzeitig zu sprechen und je nach Alkoholkonsum auch immer lauter zu werden. Wenn ich dann nach etwas gefragt wurde, zum Beispiel wogegen ich mich habe impfen lassen, dann wurde meine Antwort angezweifelt oder hat extreme Diskussionen zwischen den beiden ausgeloest. D. und R. sind sehr gebildete Menschen, sie haben mir viel erklaert und viel gezeigt, sie haben beide schon einiges im Leben gesehen. Aber ich finde es trotzdem anstrengend, wenn ich mich andauernd rechtfertigen muss und staendig zwei Menschen gleichzeitig zuhoeren muss... Aber trotzdem waren sie unglaublich freundliche Gastgeber, die mir die 3 ruhigsten Tage hier in Indien ermoeglicht haben. Auf dem Estate hoert man kein Auto, es herrscht die totale Stille, von den Geraeuschen der Natur einmal abgesehen. Ein traumhft schoenes kleines Paradies!
Sehr ungewohnt war nur die Dusche. Durch ein Feuer an der Aussenwand des Hauses wird Wasser in einem Tank erwaermt aus dem man das heisse Wasser schoepfen kann. Dieses mischt man dann mit kaltem Waser aus dem Kran in einem grossen Eimer. Und damit uebergiesst man sich dann mit einem kleinen Schoepfgefaess. Fuer mich war das sehr ungewohnt, aber es funktioniert ganz prima.
Dienstag waren wir bei der Bank, da Mittwochs Zahltag ist. Die Arbeiter werden woechentlich bezahlt, je nach Anwesenheit. Krankengeld oder aehnliches gibt es nicht, ebenso wenig wie bezahlten Urlaub. Danach fuhren wir kurz zu einem mittelgrossen Estate, wo mir voller Stolz das Haus gezeigt wurde.
Mittwoch sind R. und ich dann von dem Fahrer nach Belur gefahren worden um einen Tempel zu besichtigen. Die Fahrt dahin war sehr spannend. Wir sind mit dem Jeep gefahren und ich durfte vorne sitzen. Die Strassen sind zum Teil aus Sand und durch die Traktoren und den Regen in Zustaenden, bei denen ich bezweifete da ueberhaupt mit einem KFZ durchzukommen. Ich haette ja ein Pferd bevorzugt. Aber der Jeep war dieser Aufgabe gewachsen und wir brausten in halsbrecherischer Geschwindigkeit ueber die Buckelpisten. Ich betrachtete waehrend der Fahrt etwas nachdenklich die anstelle eines Handschuhfaches angebrachte Haltestange aus Metall. Ich bin nicht uebervorsichtig, aber ich ueberlegte mir, dass bei einer Kollision, mangels eines Anschnallgurtes diese Stange ein ernstzunehmender Gegner waere. Aber wir kamen heile an, der Fahrer kennt das Fahrzeug und seine Moeglichkeiten.
(Filigrane Handarbeit in der Tempelanlage von Belur)
Nach dem Tempel besuchten wir ein grosses Estate, wo wir zum Mittagessen eingeladen waren. Dort empfand ich es als noch viel suedstaatenmaessiger. Eine schweigsame Maid half beim kochen und servierte das Essen, waehrend wir sehr stilvoll in einer Villa sassen, die Marmorboeden hatte und in den Badezimmern sogar Badewannen (!). Dass ich kein Bier trinken wollte wurde mir uebel genommen, ich sei schliesslich Deutsche. Also gab ich nach und trank mittags schon mit dem Hausherrn Bier. Danach zeigte er mir noch seine Vanillepflanzen und von weitem die Baustelle, wo er seinen Arbeitern erlaubt sich Haeuser nach ihren Vorstellungen zu bauen.
(Vanille)
Nachmittags fuhren wir wieder in das Estate von R. und D. wo ich dann der Bezahlung der Arbeiter beiwohnte. Auf der Fahrt dahin habe ich das Ekeligste gesehen, was ich je in meinem Leben sah. Ein toter Baum am Strassenrand war gaenzlich mit Spinnenweben ueberzogen.
(*Schauder*)
Fuer mich als Arachnophobikerin ein gruseliger Anblick. Ich habe mich nicht getraut auszusteigen und das zu fotografieren. R., die sich daruber totlachte erledigte das dann fuer mich. Abends gingen wir frueh schlafen, da wir um sechs Uhr am Donnerstag morgen alle zusammen mit dem Van nach Bangalore fahren wollten. D. kam auch mit, dahier wurden Sack und Pack und Hund in den Van verfrachtet. Nach 250 km und 6 Stunden Fahrt kamen wir an, wobei wir die letzten 2 Stunden nur den Stadtverkehr von Bangalore durchquerten. Ich habe nun einen einseitigen Sonnenbrand auf dem linken Arm, was etwas albern aussieht, aber dafuer durfte ich dank der grosszuegigen Gastfreundschaft von R. und D. tatsaechlich einge ruhige Tage verbringen. Danke!
Pizza, Wodka und ein frueher Sonntag
Ab Freitag den 21.5. war ich in gewisser Hinsicht im Freizeitstress. Eine Freundin und ich hatten uns verabredet und da ich ein klein wenig Grund zum feiern hatte, haben wir standesgemaess mit Pizza und Eiscreme eine Nacht lang durchgequatscht. Samstag habe ich dann erst einmal ausgeschlafen, da ich abends bei meiner Chefin eingeladen war. Noch bevor ich mich wirklich fertig machen konnte, stand ploetzlich ihr Mann vor der Tuer und fragte mich, ob ich spontan mit zu der Reception einer Hochzeit wolle. Mir bleib weder Zeit zu ueberlegen, noch mich umzuziehen, daher musste ich leider in Jeans und T-Shirt, also etwas underdressed auf der Hochzeit auftauchen.

(Der Eingang)
Die Reception bestand im Wesentlichen darin, dass alle Gaeste in einem riesigen Saal sassen und auf den Einmarsch des Hochzeitspaares warteten. Kurz bevor es soweit war, filel der Strom aus. Die Generatoren brauchten einige Zeit um anzulaufen. In der Dunkelheit, die hier so alltaeglich ist, dass nicht einmal die gespraeche unterbrochen werden, schlich sich ein kleines Maedchen an mich heran und rieb schnell mit ihrem Zeigefinger ueber meinen Oberarm. Ich glaube sie wollte testen ob die Farbe abgeht... Als das Licht wiederkam blickte sie kurz auf ihren Finger und rannte dann schnell weg. Ueberhaupt guckten die Kinder mehr auf mich als auf auf alle anderen. Die Hochzeit fand zwischen Leuten statt, die nicht besonders viel Geld verdienen. Ich nehme daher an, dass die meisten der Kinder noch keine Auslaenderin aus so kurzer Entfernung gesehen haben. Weiterhin warteten alle auf den Einmarsch des Paares. Als dieser dann geschah war ein professionelles Kamerateam zugegen und nahm den Einmarsch und die Gaeste im Close-up auf. Dann fand auf der Buehne, die sich an der Stirnseite des langen Saales befand, eine Fotosession des Paares statt. Ich koennte mich immer wieder darueber amuesieren, wie todernst Inder auf Fotos gucken. Das Paar posierte ernst und feierlich, und die von dem Team geschossenen Bilder wurden dann mit kitschig bunten Untermalungen wie zum Beispiel heranfliegenden Diamanten und Regenboegen auf die grossen Flachbildschirme uebertragen die im Saal verteilt standen. Ich freute mich fuer das Brautpaar, ich kenne den Braeutigam und hoffe sehr, dass es den beiden gut gehen wird. Ich wuensche von Herzen alles Gute! Nach dem Einzelshooting mit dem Paar, wurden saemtliche Gaeste nacheinander auf die Buehne gebeten und posierten dann ebenfalls mit dem Paar. Mein underdressed Outfit tat mir sehr leid, allerdings scheint es die anderen nicht gestoert zu haben. Nach den Fotos sind die Gaeste dann nacheinander in die Etage des Gebaeudes gelaufen, in welcher das Essen statt fand. Es gab traditionelles Essen auf Bananenblaettern und als kleine Aufmerksamkeit des Brautpaares eine Kokosnuss als Geschenk.

(Essen auf Bananenblaettern)
Ich habe diese dann meiner Chefin geschenkt. Nach dem Essen sind wir dann recht schnell verschwunden, da meine Chefin und ihr Mann selber etwas zu feiern hatten. Auch dort war ich eingeladen.
Zu Hause warteten schon ihre ersten Gaeste, in Empfang genommen von der Tochter. In dieser Familie werden bei Feierlichkeiten immer auch die Freunde der Kinder mit eingeladen, weshalb die ganze Feier sehr gross, nett und alkohollastig wurde. Es war nicht die erste Feier dieser Art an der ich teilnehmen durfte- es hat viel Spass gemacht. Nachts um zwei habe ich mich mit I. unterhalten, und wir stellten fest, dass wir das gleiche Hobby betreiben. I. ist Student der Tiermedizin und in seiner Freizeit reitet er und gibt Reitunterricht. Sonntags morgens um sechs wollte er sich von einem Fahrer abholen lassen um dann um sieben Uhr die erste Sonntagsreitstunde zu geben. Er lud mich ein dabei zu sein und ich folgte der Einladung gerne. Nach einer wiederum sehr kurzen Nacht sind wir dann in aller Fruehe zur Riding School gefahren. Ich war so neugierig wie eine indische Reitschule aussieht. Ich war schwer beeindruckt. Das Gelaende ist traumhaft, es werden dort Rennpferde und Reitpferde fuer den grossen Sport trainiert. Ich glaube aber, dass es eine Anlage in der Qualitaet nicht all zu oft gibt. Sollte die indische Nationalmannschaft der Springreiter die Qualifikation fuer die Olympiade schaffen, dann kann ich sagen, dass ich zwei davon habe trainieren sehen... Wirklich sehr beeindruckend, grossartige, gepflegte Pferde, eine tolle Anlage und viele Angestellte, die eine ganz wunderbare Einstellung zum Pferd haben. Am lustigsten fand ich, dass auf einem grossen Rondell, um welches rundherum die offenen Pferdeboxen stehen, ein grosser Stofftiger liegt. Als ich nach seinem Sinn fragte, wurde mir erklaert, dass er die Affen abhalten soll das Pferdefutter zu stehlen. Offenbar funktioniert das- ich dachte nicht, dass Affen so dumm sind. :-))
Mittag irgendwann war ich dann wieder zu Hause und schlief erst einmal.
Am naechsten Morgen um sechs Uhr sollte ich schon wieder die Stadt verlassen- ich brauchte vorher dringend etwas Ruhe.
(Der Eingang)
Die Reception bestand im Wesentlichen darin, dass alle Gaeste in einem riesigen Saal sassen und auf den Einmarsch des Hochzeitspaares warteten. Kurz bevor es soweit war, filel der Strom aus. Die Generatoren brauchten einige Zeit um anzulaufen. In der Dunkelheit, die hier so alltaeglich ist, dass nicht einmal die gespraeche unterbrochen werden, schlich sich ein kleines Maedchen an mich heran und rieb schnell mit ihrem Zeigefinger ueber meinen Oberarm. Ich glaube sie wollte testen ob die Farbe abgeht... Als das Licht wiederkam blickte sie kurz auf ihren Finger und rannte dann schnell weg. Ueberhaupt guckten die Kinder mehr auf mich als auf auf alle anderen. Die Hochzeit fand zwischen Leuten statt, die nicht besonders viel Geld verdienen. Ich nehme daher an, dass die meisten der Kinder noch keine Auslaenderin aus so kurzer Entfernung gesehen haben. Weiterhin warteten alle auf den Einmarsch des Paares. Als dieser dann geschah war ein professionelles Kamerateam zugegen und nahm den Einmarsch und die Gaeste im Close-up auf. Dann fand auf der Buehne, die sich an der Stirnseite des langen Saales befand, eine Fotosession des Paares statt. Ich koennte mich immer wieder darueber amuesieren, wie todernst Inder auf Fotos gucken. Das Paar posierte ernst und feierlich, und die von dem Team geschossenen Bilder wurden dann mit kitschig bunten Untermalungen wie zum Beispiel heranfliegenden Diamanten und Regenboegen auf die grossen Flachbildschirme uebertragen die im Saal verteilt standen. Ich freute mich fuer das Brautpaar, ich kenne den Braeutigam und hoffe sehr, dass es den beiden gut gehen wird. Ich wuensche von Herzen alles Gute! Nach dem Einzelshooting mit dem Paar, wurden saemtliche Gaeste nacheinander auf die Buehne gebeten und posierten dann ebenfalls mit dem Paar. Mein underdressed Outfit tat mir sehr leid, allerdings scheint es die anderen nicht gestoert zu haben. Nach den Fotos sind die Gaeste dann nacheinander in die Etage des Gebaeudes gelaufen, in welcher das Essen statt fand. Es gab traditionelles Essen auf Bananenblaettern und als kleine Aufmerksamkeit des Brautpaares eine Kokosnuss als Geschenk.
(Essen auf Bananenblaettern)
Ich habe diese dann meiner Chefin geschenkt. Nach dem Essen sind wir dann recht schnell verschwunden, da meine Chefin und ihr Mann selber etwas zu feiern hatten. Auch dort war ich eingeladen.
Zu Hause warteten schon ihre ersten Gaeste, in Empfang genommen von der Tochter. In dieser Familie werden bei Feierlichkeiten immer auch die Freunde der Kinder mit eingeladen, weshalb die ganze Feier sehr gross, nett und alkohollastig wurde. Es war nicht die erste Feier dieser Art an der ich teilnehmen durfte- es hat viel Spass gemacht. Nachts um zwei habe ich mich mit I. unterhalten, und wir stellten fest, dass wir das gleiche Hobby betreiben. I. ist Student der Tiermedizin und in seiner Freizeit reitet er und gibt Reitunterricht. Sonntags morgens um sechs wollte er sich von einem Fahrer abholen lassen um dann um sieben Uhr die erste Sonntagsreitstunde zu geben. Er lud mich ein dabei zu sein und ich folgte der Einladung gerne. Nach einer wiederum sehr kurzen Nacht sind wir dann in aller Fruehe zur Riding School gefahren. Ich war so neugierig wie eine indische Reitschule aussieht. Ich war schwer beeindruckt. Das Gelaende ist traumhaft, es werden dort Rennpferde und Reitpferde fuer den grossen Sport trainiert. Ich glaube aber, dass es eine Anlage in der Qualitaet nicht all zu oft gibt. Sollte die indische Nationalmannschaft der Springreiter die Qualifikation fuer die Olympiade schaffen, dann kann ich sagen, dass ich zwei davon habe trainieren sehen... Wirklich sehr beeindruckend, grossartige, gepflegte Pferde, eine tolle Anlage und viele Angestellte, die eine ganz wunderbare Einstellung zum Pferd haben. Am lustigsten fand ich, dass auf einem grossen Rondell, um welches rundherum die offenen Pferdeboxen stehen, ein grosser Stofftiger liegt. Als ich nach seinem Sinn fragte, wurde mir erklaert, dass er die Affen abhalten soll das Pferdefutter zu stehlen. Offenbar funktioniert das- ich dachte nicht, dass Affen so dumm sind. :-))
Mittag irgendwann war ich dann wieder zu Hause und schlief erst einmal.
Am naechsten Morgen um sechs Uhr sollte ich schon wieder die Stadt verlassen- ich brauchte vorher dringend etwas Ruhe.
Donnerstag, 27. Mai 2010
Wenn man Postkarten verschicken moechte...
Anfang letzter Woche hatte ich endlich alle meine Postkarten fertig geschrieben und habe den Stapel mit ins Buero genommen. Unser Bueroboy wollte mir dann freundlicherweise den Weg zum General Postoffice nicht nur erklaeren sondern zeigen. Da sein Englisch etwas radebrechend ist haben die anderem Angestellten ihm auf Hindi oder Kannada erklaert, dass ich nicht nur die Postkarten versenden moechte, sondern auch 2 Umschlaege brauche um Fotos innerhalb Indiens zu versenden. So weit so gut. Auf dem Weg dorthin, wo ich wieder mal den Pragmatismus der Inder bewundern durfte (ein durch den Regen neu entstandenes Schlagloch wurde kurzerhand mit Palmenblaettern gefuellt) erklaerte er mir diverse Gebaeude.
Ich habe mich in den letzten 3 Monaten recht gut in das indische Englisch, gerne auch Hinglish genannt hineingehoert, welches hier etwa 50 % der Leute sprechen, aber bei ihm habe ich immer noch ernsthafte Schwierigkeiten. Ich nickte und laechelte also freundlich (auch das indische Kopfwackeln beherrsche ich inzwischen recht gut) und wir erreichten dann das GPO. Dass es hier keine Privatsphaere gibt, und jeder sich andauernd vordraengelt und dabei auch Koerperkontakt nicht scheut, das weiss ich inzwischen. Dass das auch in der Bank und in der Post so ist, das war mir neu. Wir stellten uns an einen Counter und eine Frau winkte uns an einen anderen, an welchem schon ca. 5 Leute standen. Waehrend ich mich im Hintergrund hielt und das Ganze recht amuesiert beobachtete, stellte sich S. mitten zwischen die 5 anderen, die allesamt nebeneinander an dem Counter standen. Die Frau hinter dem Counter fragte innerhalb von 5 Minuten 6 mal nach, ob es wirklich 24 Postkarten waeren. Sie vergass es immer wieder, da sie alle 6 Kunden gleichzeitig bediente und dabei etwas unkoordiniert war. Waehrend S. am Counter darauf wartete, dass sie endlich die georderten Briefmarken bringt, fing er ein Gespraech mit dem neben ihm Wartenden an. Dabei wurden meine von ihm gehaltenen Postkarten recht schnell Gespraechsthema. Okay, ich verstehe kein Hindi, dass sie sich alle 24 Karten ansahen, ueber die Motive diskutierten und dabei deutlich gestikulierten, das habe ich trotzdem verstanden. Noch lustiger fand ich es dann, als die Karten umgedreht wurden und meine Handschrift analysiert wurde. Gut, ich gebe zu, dass man bei Postkarten keine allzu grosse Geheimhaltung erwarten kann, aber dass 2 Menschen lautstark auf Hindi diskutieren, ob ich „Germany“ oder „Cermany“ geschrieben habe, das kam mir etwas komisch vor. Waehrend dessen musste ich, da S. ja abgelenkt war der Dame hinter dem Counter immer wieder die Zahl ‚24‘ bestaetigen. Als dann endlich die Marken herueber gereicht wurden, erinnerte ich S. an die Umschlaege fuer die Fotos. Wir haben ca. 5 Minuten aneinander vorbei geredet.. Zunaechst wollte er 24 Umschlaege ordern. Dann wollte er mir klar machen, dass man keine Fotos verschicken duerfe, dann, dass ich fuer jedes Foto einen separaten Umschlag braeuchte. Als ich ihm endlich klar gemacht hatte, was meiner Meinung nach schon die Angestellten im Buero deutlich gemacht hatten, naemlich, dass ich 2 Umschlaege fuer insgesamt 8 Fotos braeuchte, von denen ein Umschlag mit 6 Fotos nach Tamil Nadu und einer mit 2 Fotos innerhalb Bangalores verschickt werden sollte, waren ernsthaft 5 Minuten vergangen. Er orderte dann also bei der mehrfach beschaeftigten Dame noch 2 Prepaid Umschlaege und wir gingen nach draussen, da dort der Leim (!) fuer die Briefmarken war. Ich hatte nicht unbedingt das dringende Beduerfnis die Marken anzulecken, aber ich dachte ein wenig Wasser sei ausreichend. Weit gefehlt, S. nahm jede einzelne Postkarte und klebte sehr langsam, liebevoll und ordentlich die Marken darauf, indem er seinen Finger in den Leim tauchte und die Marken damit einrieb. S. ist sehr niedlich. Er reicht mir bis ungefaehr zur Huefte, ist verheiratet und hat 2 Kinder. Er verdient sehr wenig Geld und hat nur so einen Helferjob, aber wenn er auf der Strasse lang geht, dann strahlt er immer ganz selbstvergessen vor sich hin. Er wirkt sehr zufrieden mit seinem Leben. Allerdings kann er sich ja auch andauernd ueber die merkwuerdigen Deutschen in seinem Buero amuesieren, die Postkarten verschicken und Germany falsch schreiben, mit ‚C‘ naemlich. Aber, so hat er mich beruhigt, die Post wuerde wissen was Cermany bedeute. Waehrend er mir das erklaerte und eifrig die Marken aufleimte gab er sich auch noch grosse Muehe mir die Motive der Postkarten zu erklaeren. Er ist wirklich ruehrend.... Nachdem wir insgesamt fast eine Stunde in der Post waren, waren endlich die Karten abgegeben und auf dem Weg nach Deutschland. Fast eine Stunde um 2 Umschlaege und 24 Briefmarken zu kaufen und diese aufzukleben! Und es war nicht einmal voll in der Post. So etwas gibt es nur in Indien :-)
Ich habe mich in den letzten 3 Monaten recht gut in das indische Englisch, gerne auch Hinglish genannt hineingehoert, welches hier etwa 50 % der Leute sprechen, aber bei ihm habe ich immer noch ernsthafte Schwierigkeiten. Ich nickte und laechelte also freundlich (auch das indische Kopfwackeln beherrsche ich inzwischen recht gut) und wir erreichten dann das GPO. Dass es hier keine Privatsphaere gibt, und jeder sich andauernd vordraengelt und dabei auch Koerperkontakt nicht scheut, das weiss ich inzwischen. Dass das auch in der Bank und in der Post so ist, das war mir neu. Wir stellten uns an einen Counter und eine Frau winkte uns an einen anderen, an welchem schon ca. 5 Leute standen. Waehrend ich mich im Hintergrund hielt und das Ganze recht amuesiert beobachtete, stellte sich S. mitten zwischen die 5 anderen, die allesamt nebeneinander an dem Counter standen. Die Frau hinter dem Counter fragte innerhalb von 5 Minuten 6 mal nach, ob es wirklich 24 Postkarten waeren. Sie vergass es immer wieder, da sie alle 6 Kunden gleichzeitig bediente und dabei etwas unkoordiniert war. Waehrend S. am Counter darauf wartete, dass sie endlich die georderten Briefmarken bringt, fing er ein Gespraech mit dem neben ihm Wartenden an. Dabei wurden meine von ihm gehaltenen Postkarten recht schnell Gespraechsthema. Okay, ich verstehe kein Hindi, dass sie sich alle 24 Karten ansahen, ueber die Motive diskutierten und dabei deutlich gestikulierten, das habe ich trotzdem verstanden. Noch lustiger fand ich es dann, als die Karten umgedreht wurden und meine Handschrift analysiert wurde. Gut, ich gebe zu, dass man bei Postkarten keine allzu grosse Geheimhaltung erwarten kann, aber dass 2 Menschen lautstark auf Hindi diskutieren, ob ich „Germany“ oder „Cermany“ geschrieben habe, das kam mir etwas komisch vor. Waehrend dessen musste ich, da S. ja abgelenkt war der Dame hinter dem Counter immer wieder die Zahl ‚24‘ bestaetigen. Als dann endlich die Marken herueber gereicht wurden, erinnerte ich S. an die Umschlaege fuer die Fotos. Wir haben ca. 5 Minuten aneinander vorbei geredet.. Zunaechst wollte er 24 Umschlaege ordern. Dann wollte er mir klar machen, dass man keine Fotos verschicken duerfe, dann, dass ich fuer jedes Foto einen separaten Umschlag braeuchte. Als ich ihm endlich klar gemacht hatte, was meiner Meinung nach schon die Angestellten im Buero deutlich gemacht hatten, naemlich, dass ich 2 Umschlaege fuer insgesamt 8 Fotos braeuchte, von denen ein Umschlag mit 6 Fotos nach Tamil Nadu und einer mit 2 Fotos innerhalb Bangalores verschickt werden sollte, waren ernsthaft 5 Minuten vergangen. Er orderte dann also bei der mehrfach beschaeftigten Dame noch 2 Prepaid Umschlaege und wir gingen nach draussen, da dort der Leim (!) fuer die Briefmarken war. Ich hatte nicht unbedingt das dringende Beduerfnis die Marken anzulecken, aber ich dachte ein wenig Wasser sei ausreichend. Weit gefehlt, S. nahm jede einzelne Postkarte und klebte sehr langsam, liebevoll und ordentlich die Marken darauf, indem er seinen Finger in den Leim tauchte und die Marken damit einrieb. S. ist sehr niedlich. Er reicht mir bis ungefaehr zur Huefte, ist verheiratet und hat 2 Kinder. Er verdient sehr wenig Geld und hat nur so einen Helferjob, aber wenn er auf der Strasse lang geht, dann strahlt er immer ganz selbstvergessen vor sich hin. Er wirkt sehr zufrieden mit seinem Leben. Allerdings kann er sich ja auch andauernd ueber die merkwuerdigen Deutschen in seinem Buero amuesieren, die Postkarten verschicken und Germany falsch schreiben, mit ‚C‘ naemlich. Aber, so hat er mich beruhigt, die Post wuerde wissen was Cermany bedeute. Waehrend er mir das erklaerte und eifrig die Marken aufleimte gab er sich auch noch grosse Muehe mir die Motive der Postkarten zu erklaeren. Er ist wirklich ruehrend.... Nachdem wir insgesamt fast eine Stunde in der Post waren, waren endlich die Karten abgegeben und auf dem Weg nach Deutschland. Fast eine Stunde um 2 Umschlaege und 24 Briefmarken zu kaufen und diese aufzukleben! Und es war nicht einmal voll in der Post. So etwas gibt es nur in Indien :-)
Heavy Metal in Bangalore
Am Samstag den 15.5. suchte die amerikanische Heavy Metal Band „Lamb of God“ Bangalore heim. Da meine Nerven aus mehreren privaten Gruenden etwas angeschlagen waren, hatte ich beschlossen mit einigen Leuten zu dem Open Air Festival zu gehen. Zwar wuerde ich mich nicht unbedingt als Metalfan bezeichnen, aber ich finde es gibt schlimmere Musikrichtungen. Ich wusste, dass es dort Alkohol geben wuerde (irgendwie brauchte ich den) und vor allen Dingen war ich unglaublich neugierig... In dieser Stadt, die so mordern und gleichzeitig so veraltet ist, wo arm und reich, Schoenes und Schlimmes so dicht nebeneinander liegen, wo die Frauen zu ueber 90 % traditionell gekleidet sind und die Maenner entweder Stoffhosen mit Buegelfalten oder diese sehr indischen ‚Wickelroecke‘ tragen, dort sollte ein Open Air Festival stattfinden? So eine Veranstaltung mit Alkohol und einer Buehne, mit lauter moderner Musik und ganz vielen Heavy Metal Fans die zusammen feiern? Eine sehr absurde Vorstellung... Ich gebe zu, dass das in mein Bild von Indien, auch von Bangalore, nicht wirklich hineinpasste. Ich war so unglaublich gespannt auf die Fans, auf die Organisation, auf die Musik und ueberhaupt... ich fand die Idee grossartig das einmal auszuprobieren. Wir liessen uns nach einem ausgiebigen Fruehstueck von einer Riksha zu den Palace Grounds fahren und suchten zunaechst einmal verzweifelt den Eingang. Die Palace Grounds sind riesig und Schilder gab es natuerlich keine. Aber es tauchten die ersten Fans auf, und, welch ein Wunder- sie waren leicht zu erkennen. Langmaehnige Rocker in kurzen Cargohosen, Metal-T-Shirts und Turnschuhen kreuzten unseren Weg und es wurden immer mehr. Offenbar war die Eingangssuche nicht nur unser Problem alleine und so wuchs unsere kleine Wandergruppe voller seltsamer Gestalten schnell zu einer recht auffaelligen grossen Gruppe an. Dem Herdentrieb folgend stapften wir alle gemeinsam um die Aussenmauer der Palace Grounds um endlich, schon wieder aufgrund der Hitze voellig erschoepft, den Eingang zu finden. Ab dort wurde es wirklich interessant. Es gab eine Wellblechhuette, die offenbar den Ticketcounter darstellen sollte.

(Ticketcounter)
Wir stellten uns an und bekamen tatsaechlich unsere schon bezahlten Tickets um dann wiederum verwirrt nach dem Festivalgelaende zu suchen. Als wir auch dieses Problem durch folgen der Herde eine halbe Stunde spaeter geloest hatten mussten wir unsere Getraenke (Wasser) und Zigaretten draussen lassen, durften aber Kameras mit hinein nehmen. Die Security bediente sich froehlich an dem Stapel halb geleerter Wasserflaschen und liess uns einen nach dem anderen auf das Gelaende. Fuer meine festivalerfahrenen Augen war das Gelaende sehr klein und leider ohne Schattenplaetze.

(Das Gelaende)
Dafuer gab es Unmengen T-Shirt Shops fuer die, die noch nicht in dem passenden Outfit erschienen waren und genau so viele Staende fuer Essen und Getraenke. Interessant fand ich, dass einer der Food Staende tatsaechlich seine Menues auf einem Flachbildschirm praesentierte. Dieser war auf dem recht robust angelegten Gelaende so dermassen fehl am Platz....

(...)
Es gab, was mich voellig faszinierte, tatsaechlich Dixie-Klos (!). Okay, was waere ein Festival ohne Dixie-Klos, aber irgendwie hatte ich damit nicht gerechnet. Immerhin herrschen eigentlich immer noch ueberall die indischen Urinale vor. Aber- es gab saubere Dixies mit fliessend Wasser aus den Kraenen, und, da Frauen auf dem Festival total unterrepraesentiert waren, dieses blieb bis zum spaeten Abend so. Ich sollte dazu sagen, dass selbstverstaendlich Maenner und Frauen getrennte Toiletten hatten. Glueck fuer uns Wir mussten nicht einmal Schlange stehen...
Relativ schnell begann die erste indische Metalband zu spielen- und sie gaben wirklich alles. Mit sehr langen Haaren headbangend rockten sie in der Hitze waehrend das Publikum feierte und Wodka trank. Wodka war billiger als Bier, zusammen mit der Hitze sorgte dieser Umstand schnell fuer die ersten Alkoholkomatoesen. Ein Erste-Hilfe Zelt habe ich nicht gesehen. Aber es scheinen alle irgendwie ueberstanden zu haben. Wir taten also was man auf Festivals so macht- wir assen, wir tranken, wir tanzten etwas und wunderten uns etwas. Es gab keinen Zeltplatz, es wurde trotz Rauchverbots geraucht und gekifft wie verrueckt und wir waren eine ganze Zeitlang praktisch unsichtbar. Niemand, und das ist wirklich erstaunlich, interessierte sich fuer uns. Insgesamt waren geschaetzte 15.000 Leute auf dem Festival- wir zaehlten 10 Auslaender, uns eingeschlossen, Lamb of Gob ausgeschlossen. Allerdings liefen die auch nicht auf dem Gelaende herum. Trotzdem liess man uns in Ruhe- eine voellig neue Erfahrung. Und noch etwas- wo sind all die langhaarigen Rocker im normalen Leben? Wo kommen die bloss alle her???? 15.000!!!
Das Publikum war geschaetzte 17- 22 Jahre alt, und an T-Shirts war alles vertreten, was die Metal Szene zu bieten hat. Slayer, Pantera und Cannibal Corpse waren ebenso vertreten wie Iron Maiden, Megadeath und natuerlich Lamb of God. Einer, den ich mit Erlaubnis fotografiert habe trug ein Hakenkreuz T-Shirt. Es war nicht die Swastika und die sollte es auch nicht sein. Offenbar hielt der junge Mann das Shirt fuer cool... Hm, kein Kommentar.
Es war wirklich nett, die indischen Bands rockten die Buehne und langsam aber sicher stieg die Spannung. Lamb of God Rufe wurden laut und mit steigendem Alkoholpegel wurden wir langsam sichtbar. Wo kommt ihr her? Deutschland? Und ihr seid hierher gekommen um Lamb of God zu sehen? Das ist der Wahnsinn!!! Wow. Unsere Erklaerungen waren sinnlos- Ihr arbeitet hier? Egal, ihr seid hier in Indien um Lamb of God zu sehen, das ist soooo cool.
Wir liessen es dann dabei. Und dann ging es los. Lamb of God stuermten die Buehne, das Publikum ebenfalls und wurde nur durch eine ueberwaeltigende Polizeipraesenz (mit Cowboyhueten und Schlagstoecken) davon abgehalten voellig durchzudrehen. Ich stand vor der tanzenden Menge direkt vor der Buehne, ein Standort den ich normal gerne vermeide. Ich mag es nicht wenn man mir in den Ruecken tanzt (der gute alte Pogodance ist hier weit vebreitet). Jedoch befand ich mich zu meiner Ueberraschung in einer Art Seifenblase. Ich habe mich noch nie (!) auf einem Konzert so beschuetzt gefuehlt. Koerperkontakt wurde tunlichst vermieden und ich habe mich wirklich wohl gefuehlt. Ich haette irgendwie mit Angrabbelattacken gerechnet- ich habe den Metallern wirklich Unrecht getan! Wie Lamb of God so passend ins Mikro bruellten: „It’s nice to see it’s the same Motherf**** everywhere in the world”. Musik verbindet tatsaechlich irgendwie.
Es war ein wirklich nettes Konzert.

(Etwas verschwommen aber dafuer stimmungsvoll)
Das Ende des Abends hingegen fand ich etwas befremdlich. Waehrend sich bis auf meine Seifenblase nichts von einem europaeischen Festival unterschied, war das Ende sehr eigenartig. 10 Minuten nach Ende des Konzerts stand ich an einem Food Stand um mir Pommes zu kaufen (es gab echte Pommes!) und hoerte ploetzlich einen merkwuerdigen Laerm. Die Cowboys wanderten ueber das Gelaende und schlugen mit den Stoecken gegen die Metallzaeune. Alle Festivalbesucher sprangen hektisch auf und liessen sich zum Ausgang treiben. Wenn eines der Schaefchen nur ein wenig langsamer ging als die anderen wurde der Schlagstock gezielt gegen den Oberschenkel geschlagen.Wer auf dem Boden lag und nicht mehr gehen konnte wurde gehend gemacht... Und was das Merkwuerdigste war- niemand muckte dagegen auf. Ich war wieder unsichtbar, mich liess man am Pommesstand stehen. Ich beoachtete voellig fassungslos den wirklich hemmungslosen Einsatz der Schlagstoecke und habe dabei wohl etwas erstarrt geguckt. Diese Erstarrung wurde von den Pommesverkaeufern voellig fehlinterpretiert: „No need to be scared ma’m“. Ich hatte keine Angst. 1. Bin ich Auslaenderin, daher untouchable, oder besser unschlagable, 2. bin ich eine Frau und 3. glaube ich sicher, dass ich zurueck getreten haette. Das waere zwar wohl sehr unklug gewesen, aber ich lasse mich nicht grundlos mit einem Stock schlagen und ich wusste sowieso recht sicher, dass man mich in Ruhe lassen wuerde. Ich fragte die Pommesverkaeufer warum die Polizei so rigeros sei und bekam die lapidare Antwort, dass das hier eben so sei. Tja, offenbar ist das tatsaechlich so, denn es hat wirklich niemand aufgemuckt. Allerdings war die Polizeipraesenz wirklich beeindruckend. Aber ich verstehe das nicht- es war so friedlich, den ganzen Tag ueber gab es keine Schlaegereien oder aehnliches und dann das, so total grundlos...

(Sie sammeln sich langsam)
Egal, ich fand meine Kollegen wieder und mich kurze Zeit spaeter auf dem Ruecksitz eines Motorrades auf dem Weg in eine Disko. Der indische Fahrer desselben war ein Kollege meiner Freunde, wir waren inzwischen eine recht grosse Gruppe. Der Fahrer, ich kann mich leider an den Namen nicht erinnern, hatte einige Koordinationsschwierigkeiten damit das Motorrad zu fahren und gleichzeitig sein Mobiltelefon zu bedienen. Nach einer kleinen Kollision mit einer Riksha, die jedoch nur den Spiegel verbog drueckte er mir sein Telefon in die Hand und bat mich ihm aktuelle Statusmeldungen zu geben. Innerhalb von 10 Minuten klingelte 6 mal das Telefon. „Es ist Sadesh“, „Nicht drangehen“, „Es ist deine Mom“, „Nicht drangehen“... Einmal bruellte ich ueber den Verkehrslaerm hinweg in die Ohren des voellig verdatterten Gespraechspartners, dass wir gleich da seien. Es war sehr lustig. Leider war der Eintritt in die Disko sehr teuer, das lohnte sich nicht, da aufgrund der Sperrstunden sowieso nur noch 45 Minuten uebrig gewesen waeren. Die anderen beschlossen in der Wohnung eines Beteiligten noch ein Bier zu trinken, ich wollte aber lieber nach Hause. An dem Tag standen die Sterne guenstig und rund um die Palace Grounds wurde geheiratet wie verrueckt. Also hatte ich mal wieder das Rikshaproblem. Sehr gentlemanlike brachte mich dann einer der Gruppe mit dem Scooter nach Hause und nahm extra dafuer einen Umweg in Kauf. Ich war sehr dankbar. Es war wirklich ein netter Abend, und ich bin sehr froh, dass ich am naechsten Tag keinen Kater hatte :-)
(Ticketcounter)
Wir stellten uns an und bekamen tatsaechlich unsere schon bezahlten Tickets um dann wiederum verwirrt nach dem Festivalgelaende zu suchen. Als wir auch dieses Problem durch folgen der Herde eine halbe Stunde spaeter geloest hatten mussten wir unsere Getraenke (Wasser) und Zigaretten draussen lassen, durften aber Kameras mit hinein nehmen. Die Security bediente sich froehlich an dem Stapel halb geleerter Wasserflaschen und liess uns einen nach dem anderen auf das Gelaende. Fuer meine festivalerfahrenen Augen war das Gelaende sehr klein und leider ohne Schattenplaetze.
(Das Gelaende)
Dafuer gab es Unmengen T-Shirt Shops fuer die, die noch nicht in dem passenden Outfit erschienen waren und genau so viele Staende fuer Essen und Getraenke. Interessant fand ich, dass einer der Food Staende tatsaechlich seine Menues auf einem Flachbildschirm praesentierte. Dieser war auf dem recht robust angelegten Gelaende so dermassen fehl am Platz....
(...)
Es gab, was mich voellig faszinierte, tatsaechlich Dixie-Klos (!). Okay, was waere ein Festival ohne Dixie-Klos, aber irgendwie hatte ich damit nicht gerechnet. Immerhin herrschen eigentlich immer noch ueberall die indischen Urinale vor. Aber- es gab saubere Dixies mit fliessend Wasser aus den Kraenen, und, da Frauen auf dem Festival total unterrepraesentiert waren, dieses blieb bis zum spaeten Abend so. Ich sollte dazu sagen, dass selbstverstaendlich Maenner und Frauen getrennte Toiletten hatten. Glueck fuer uns Wir mussten nicht einmal Schlange stehen...
Relativ schnell begann die erste indische Metalband zu spielen- und sie gaben wirklich alles. Mit sehr langen Haaren headbangend rockten sie in der Hitze waehrend das Publikum feierte und Wodka trank. Wodka war billiger als Bier, zusammen mit der Hitze sorgte dieser Umstand schnell fuer die ersten Alkoholkomatoesen. Ein Erste-Hilfe Zelt habe ich nicht gesehen. Aber es scheinen alle irgendwie ueberstanden zu haben. Wir taten also was man auf Festivals so macht- wir assen, wir tranken, wir tanzten etwas und wunderten uns etwas. Es gab keinen Zeltplatz, es wurde trotz Rauchverbots geraucht und gekifft wie verrueckt und wir waren eine ganze Zeitlang praktisch unsichtbar. Niemand, und das ist wirklich erstaunlich, interessierte sich fuer uns. Insgesamt waren geschaetzte 15.000 Leute auf dem Festival- wir zaehlten 10 Auslaender, uns eingeschlossen, Lamb of Gob ausgeschlossen. Allerdings liefen die auch nicht auf dem Gelaende herum. Trotzdem liess man uns in Ruhe- eine voellig neue Erfahrung. Und noch etwas- wo sind all die langhaarigen Rocker im normalen Leben? Wo kommen die bloss alle her???? 15.000!!!
Das Publikum war geschaetzte 17- 22 Jahre alt, und an T-Shirts war alles vertreten, was die Metal Szene zu bieten hat. Slayer, Pantera und Cannibal Corpse waren ebenso vertreten wie Iron Maiden, Megadeath und natuerlich Lamb of God. Einer, den ich mit Erlaubnis fotografiert habe trug ein Hakenkreuz T-Shirt. Es war nicht die Swastika und die sollte es auch nicht sein. Offenbar hielt der junge Mann das Shirt fuer cool... Hm, kein Kommentar.
Es war wirklich nett, die indischen Bands rockten die Buehne und langsam aber sicher stieg die Spannung. Lamb of God Rufe wurden laut und mit steigendem Alkoholpegel wurden wir langsam sichtbar. Wo kommt ihr her? Deutschland? Und ihr seid hierher gekommen um Lamb of God zu sehen? Das ist der Wahnsinn!!! Wow. Unsere Erklaerungen waren sinnlos- Ihr arbeitet hier? Egal, ihr seid hier in Indien um Lamb of God zu sehen, das ist soooo cool.
Wir liessen es dann dabei. Und dann ging es los. Lamb of God stuermten die Buehne, das Publikum ebenfalls und wurde nur durch eine ueberwaeltigende Polizeipraesenz (mit Cowboyhueten und Schlagstoecken) davon abgehalten voellig durchzudrehen. Ich stand vor der tanzenden Menge direkt vor der Buehne, ein Standort den ich normal gerne vermeide. Ich mag es nicht wenn man mir in den Ruecken tanzt (der gute alte Pogodance ist hier weit vebreitet). Jedoch befand ich mich zu meiner Ueberraschung in einer Art Seifenblase. Ich habe mich noch nie (!) auf einem Konzert so beschuetzt gefuehlt. Koerperkontakt wurde tunlichst vermieden und ich habe mich wirklich wohl gefuehlt. Ich haette irgendwie mit Angrabbelattacken gerechnet- ich habe den Metallern wirklich Unrecht getan! Wie Lamb of God so passend ins Mikro bruellten: „It’s nice to see it’s the same Motherf**** everywhere in the world”. Musik verbindet tatsaechlich irgendwie.
Es war ein wirklich nettes Konzert.
(Etwas verschwommen aber dafuer stimmungsvoll)
Das Ende des Abends hingegen fand ich etwas befremdlich. Waehrend sich bis auf meine Seifenblase nichts von einem europaeischen Festival unterschied, war das Ende sehr eigenartig. 10 Minuten nach Ende des Konzerts stand ich an einem Food Stand um mir Pommes zu kaufen (es gab echte Pommes!) und hoerte ploetzlich einen merkwuerdigen Laerm. Die Cowboys wanderten ueber das Gelaende und schlugen mit den Stoecken gegen die Metallzaeune. Alle Festivalbesucher sprangen hektisch auf und liessen sich zum Ausgang treiben. Wenn eines der Schaefchen nur ein wenig langsamer ging als die anderen wurde der Schlagstock gezielt gegen den Oberschenkel geschlagen.Wer auf dem Boden lag und nicht mehr gehen konnte wurde gehend gemacht... Und was das Merkwuerdigste war- niemand muckte dagegen auf. Ich war wieder unsichtbar, mich liess man am Pommesstand stehen. Ich beoachtete voellig fassungslos den wirklich hemmungslosen Einsatz der Schlagstoecke und habe dabei wohl etwas erstarrt geguckt. Diese Erstarrung wurde von den Pommesverkaeufern voellig fehlinterpretiert: „No need to be scared ma’m“. Ich hatte keine Angst. 1. Bin ich Auslaenderin, daher untouchable, oder besser unschlagable, 2. bin ich eine Frau und 3. glaube ich sicher, dass ich zurueck getreten haette. Das waere zwar wohl sehr unklug gewesen, aber ich lasse mich nicht grundlos mit einem Stock schlagen und ich wusste sowieso recht sicher, dass man mich in Ruhe lassen wuerde. Ich fragte die Pommesverkaeufer warum die Polizei so rigeros sei und bekam die lapidare Antwort, dass das hier eben so sei. Tja, offenbar ist das tatsaechlich so, denn es hat wirklich niemand aufgemuckt. Allerdings war die Polizeipraesenz wirklich beeindruckend. Aber ich verstehe das nicht- es war so friedlich, den ganzen Tag ueber gab es keine Schlaegereien oder aehnliches und dann das, so total grundlos...
(Sie sammeln sich langsam)
Egal, ich fand meine Kollegen wieder und mich kurze Zeit spaeter auf dem Ruecksitz eines Motorrades auf dem Weg in eine Disko. Der indische Fahrer desselben war ein Kollege meiner Freunde, wir waren inzwischen eine recht grosse Gruppe. Der Fahrer, ich kann mich leider an den Namen nicht erinnern, hatte einige Koordinationsschwierigkeiten damit das Motorrad zu fahren und gleichzeitig sein Mobiltelefon zu bedienen. Nach einer kleinen Kollision mit einer Riksha, die jedoch nur den Spiegel verbog drueckte er mir sein Telefon in die Hand und bat mich ihm aktuelle Statusmeldungen zu geben. Innerhalb von 10 Minuten klingelte 6 mal das Telefon. „Es ist Sadesh“, „Nicht drangehen“, „Es ist deine Mom“, „Nicht drangehen“... Einmal bruellte ich ueber den Verkehrslaerm hinweg in die Ohren des voellig verdatterten Gespraechspartners, dass wir gleich da seien. Es war sehr lustig. Leider war der Eintritt in die Disko sehr teuer, das lohnte sich nicht, da aufgrund der Sperrstunden sowieso nur noch 45 Minuten uebrig gewesen waeren. Die anderen beschlossen in der Wohnung eines Beteiligten noch ein Bier zu trinken, ich wollte aber lieber nach Hause. An dem Tag standen die Sterne guenstig und rund um die Palace Grounds wurde geheiratet wie verrueckt. Also hatte ich mal wieder das Rikshaproblem. Sehr gentlemanlike brachte mich dann einer der Gruppe mit dem Scooter nach Hause und nahm extra dafuer einen Umweg in Kauf. Ich war sehr dankbar. Es war wirklich ein netter Abend, und ich bin sehr froh, dass ich am naechsten Tag keinen Kater hatte :-)
Sonntag, 23. Mai 2010
How to lose a bottle of Coke- twice (Goa 5.5.- 7.5.)
Die Hinfahrt
Nachdem M. und ich uns beim Abendessen in Gandhinagar beide am gleichen Schieberiegel die gleiche Stelle des Zeigefingers geklemmt haben beobachteten wir die Beladung des Busses.

(Auf dem Kopf...)
Irgendwann wurde der Bus dann auch mit den Passagieren beladen und fuhr los. Wieder einmal eine 14-stuendige Fahrt nach Goa... Kaum hatten wir nach ca. 1,5 Stunden die Stadtgrenzen Bangalores verlassen, machten wir erstaunlicherweise den ersten Toilettenstopp, eine 20 minuetige Pause. Offenbar hatten unsere 3 Busbegleiter noch nicht zu abend gegessen. Dann ging es weiter. Ich bin inzwischen an das Schlafen im Bus gewoehnt und schlief daher recht schnell ein, zudem ist das Reisen in den Schlafbussen bedeutend bequemer als in den Zuegen. Mit denen hatten wir ja nun die letzten 2 Naechte so unsere Erfahrungen gemacht. Trotz aller Bequemlichkeit kam ca. 4Std nach dem ersten Toilettenstopp doch langsam das Gefuehl auf, dass eine erneute Toilettenpause irgendwie angemessen waere. Laut M.s Aussage hatte der Bus kurz vorher, ohne den Passagieren Bescheid zu sagen einmal ganz kurz gehalten- einer der Busbegleiter musste mal an den Strassenrand. Die Passagiere hatten sie entweder vergessen, oder es fuer zu laestig befunden laenger als 15 Sekunden zu halten. Nachdem ich eine Std lang wach lag und nichts passierte ging ich nach vorne und fragte nach. Die 3 Busbegleiter guckten bei meinem Auftauchen so verdattert, dass wir kurzzeitig das Gefuehl hatten, sie haetten tatsaechlich vergessen auch Passagiere an Bord zu haben. Sie sagten zu eine Pause in naeherer Zukunft einzulegen und ich legte mich wieder hin und wartete. Eine weitere Stunde lang passierte nichts. Irgendwann fragte dann ein anderer Mitreisender nach- wir lagen recht weit vorne und konnten das Gespraech belauschen. Ihm wurde dann gesagt, dass der Bus am Strassenrand anhalten wuerde- er solle dann schnell ins Gebuesch gehen. Irgendwie war ich irritiert und fragte ebenfalls noch einmal nach. Wieder erntete ich verdatterte Blicke- und mir wurde nach einigen Diskussionen auf Kannada angeboten ebenfalls den Strassenrand zu nutzen- die naechste echte Toilette wuerde erst nach 2,5 Std auftauchen. Dieser Stopp am Strassenrand wurde dann von so ziemlich allen Passagieren genutzt- irgendwie zum Unmut der Busbegleiter. Endlich konnten wir in Ruhe weiter schlafen. Weitere 3 Std spaeter, so gegen 4 Uhr morgens ging ploetzlich das Licht an, der Bus hielt, die Tuer zum Fahrerhaus flog auf und eine Stimme bruellte: „Hey.“ 10 Sekunden spaeter fuhr der Bus wieder an.... Ich bin nicht ganz sicher, aber ich glaube das sollte heissen: „Hier ist jetzt wieder eine Toilettenpause, wer raus muss, sollte innerhalb von 5 Sekunden aufwachen, seine Schuhe anziehen und den Bus verlassen. Wer das nicht tut- Pech gehabt.“ Auf diese Pause verzichteten alle Passagiere, obwohl ich der Ueberzeugung bin, dass das an dem etwas knappen Zeitmanagement lag...
(Ich muss zur Verteidigung dieses Busunternehmens sagen, dass ich schon sehr oft mit denen gefahren bin und es solche Probleme nie vorher gegeben hat!)
Aber wir kamen dann irgendwann gegen 8 Uhr morgens in Panjim an und hatten wieder festen Boden unter den Fuessen und den unglaublichen Luxus, unsere Pausen selber waehlen zu koennen.
Wir fuhren mit dem oeffentlichen Bus weiter nach Mapusa, von wo aus wir dann an den Strand unserer Wahl, nach Anjuna fahren wollten. In Mapusa, bei inzwischen deutlich ueber 35 Grad kauften wir jeder einige Getraenke. Die folgende Fahrt war dann mal wieder aus preistechnischer Sicht hochinteressant- waehrend alle Einheimischen fuer die Fahrt 5 Rupien zahlen mussten hiess es bei uns ganz selbstverstaendlich „20 each“. Nun, ich schaetze es waren Gepaeck und Camera fee mitenthalten. Zu k.o. zum diskutieren (was eh voellig fruchtlos gewesen waere) zahlten wir also brav den 4 fachen Preis pro Person und ergeben uns in unser Schicksal. Wir sind halt Touristen... Nach der Ankunft in Anjuna waren wir schon wieder voellig kaputt und wollten nur noch moeglichst schnell eine Unterkunft finden und den Luxus einer Dusche in Anspruch nehmen. Waehrend wir noch etwas ratlos herumstanden und uns langsam auf den Weg zum Strand machten um die Huetten zu suchen, kam ein etwa 10 jaehriger Junge auf M. zu und zeigte auf ihre halbleer getrunkene, inzwischen piewarme Cola. Wir beide dachten, er wolle Geld fuer eine Cola haben- irgendwie war das naheliegend. Er kam dann aber, als M. noch anfing nach ihrem Geld zu kramen auf sie zu, nahm ihr die Flasche aus der Hand und zog seines Weges... Leicht verwirrt schauten wir ihm hinterher, zuckten mit den Achseln und machten uns dann endlich auf den Weg eine Unterkunft zu finden. Nach einer weiteren Fahrt mit einer Riksha, die natuerlich wieder ausgeprochen guenstig war (*hust) fanden wir dann eine super Unterkunft und konnten endlich anfangen zu relaxen.
Goa
Goa war, wie Goa sein soll :-) Ausser sitzen in der Meeresbrise im Schatten, dem Schwimmen im Ozean, lesen, essen, dem Trinken der einen oder anderen Kokosnuss, dem Faulenzen auf den Strandliegen und einem bisschen wandern haben wir in den zweieinhalb Tagen nicht allzu viel unternommen.... Die Strandhunde waren anhaenglich und lieb, die Leute entspannt, die Unterkunft guenstig, sauber und wirklich gut. Hach, ich mag Goa wirklich :-)



Die Rueckfahrt
Freitag brachen wir gegen Mittag auf um unseren Schlafbus in Panjim zu erwischen. Zunaechst ging es wieder nach Mapusa, und von dort aus mit einem voellig ueberfuellten Bus nach Panjim. Der Bus war so voll, dass unsere kleinen Rucksaecke in den „Kofferraum“, eine staubige Ablage im Heck des Busses verstaut werden mussten und wir uns mit einigen Frauen auf die Kante zum Fahrerhaus hocken mussten. Nach einer sehr warmen und dadurch anstrengenden, aber dafuer Non-Stop-Fahrt erreichten wir Panjim und suchten ersteinmal ein klimatisiertes Restaurant auf, um uns ein wenig auf noemale Temperaturen abzukuehlen. Dort bestellten wir unter anderem einen vegetarischen Cheeseburger...

(Der merkwuerdigste "Burger" meines Lebens...)
Danach machten uns auf den Weg zur Touristensammelstelle, um auf den Schlafbus zu warten. Wir hatten noch recht viel Zeit und suchten daher einen ruhigen Schattenplatz. Waehrend wir schon wieder voellig erledigt durch die Gegend liefen um einen Park oder aehnliches aufzutreiben, kam eine aeltere Bettlerin auf M. zu, peilte die Colaflasche an die M. in der Hand hielt, nahm ihr diese aus der Hand und verschwand. Unfassbar- haette sie um Geld gebeten, haette sie bestimmt welches bekommen, aber dieser Colaklau fand dermassen unerwartet, professionell und selbstverstaendlich statt, das keine wirkliche Reaktion erfolgen konnte. M. und ich teilten uns dann meine Flasche....
Herrscht in Goa Colamangel?
Nach einer Pause im Park konnten wir dann endlich in den Bus steigen und hofften irgendwie, dass die Busbegleiter dieses Mal mitbekommen, dass Passagiere an Bord sind und das diese eventuell auch mal eine Toilette benoetigen... Das war dieses Mal ueberhaupt kein Problem, wir machten regelmaessige Pausen, lagen gut im Zeitplan und alles war so, wie es eigentlich auch sein sollte. Zumindest bis zu dem Moment, wo der Bus ploetzlich nicht mehr weiterfuhr- Panne. Oder soll das auch so sein? An den Motor der Reisebusse, der dieses mal betroffen schien (eher noch das Getriebe) kommt man heran, indem man einen Deckel oeffnet, der sich im Inneren des Busses befindet. Und somit standen wir 2 Stunden inmitten der Nacht irgendwo herum, waehrend einer der Busbegleiter in den kochend heissen Motorraum gekrabbelt war und auf Metall haemmerte, waehrend durch die Oeffenung die Motortemperaturen in das Innere des Busses zogen und uns langsam aber sicher roesteten. Ich bewundere das handwerkliche Geschick der Leute- nach 2 Stunden haemmern und dem Austausch eines Metallstuecks ging es weiter, wobei der Busfahrer beim Schalten 2 Gaenge auslassen musste. So etwas wie einen Pannendienst gibt es hier nicht, und ein Ersatzbus haette vermutlich aus Bangalore kommen muessen... Gut, dass die Jungs so geschickt sind :-)
Mit wie immer etwas Verspaetung (2 Std sind voellig im indischen Zeitrahmen) erreichten wir Bangalore am Samstag morgen und M. konnte ihre letzte Nacht in Indien wieder in einem sich nicht bewegenden und leisen Bett schlafen.
Nachdem M. und ich uns beim Abendessen in Gandhinagar beide am gleichen Schieberiegel die gleiche Stelle des Zeigefingers geklemmt haben beobachteten wir die Beladung des Busses.
(Auf dem Kopf...)
Irgendwann wurde der Bus dann auch mit den Passagieren beladen und fuhr los. Wieder einmal eine 14-stuendige Fahrt nach Goa... Kaum hatten wir nach ca. 1,5 Stunden die Stadtgrenzen Bangalores verlassen, machten wir erstaunlicherweise den ersten Toilettenstopp, eine 20 minuetige Pause. Offenbar hatten unsere 3 Busbegleiter noch nicht zu abend gegessen. Dann ging es weiter. Ich bin inzwischen an das Schlafen im Bus gewoehnt und schlief daher recht schnell ein, zudem ist das Reisen in den Schlafbussen bedeutend bequemer als in den Zuegen. Mit denen hatten wir ja nun die letzten 2 Naechte so unsere Erfahrungen gemacht. Trotz aller Bequemlichkeit kam ca. 4Std nach dem ersten Toilettenstopp doch langsam das Gefuehl auf, dass eine erneute Toilettenpause irgendwie angemessen waere. Laut M.s Aussage hatte der Bus kurz vorher, ohne den Passagieren Bescheid zu sagen einmal ganz kurz gehalten- einer der Busbegleiter musste mal an den Strassenrand. Die Passagiere hatten sie entweder vergessen, oder es fuer zu laestig befunden laenger als 15 Sekunden zu halten. Nachdem ich eine Std lang wach lag und nichts passierte ging ich nach vorne und fragte nach. Die 3 Busbegleiter guckten bei meinem Auftauchen so verdattert, dass wir kurzzeitig das Gefuehl hatten, sie haetten tatsaechlich vergessen auch Passagiere an Bord zu haben. Sie sagten zu eine Pause in naeherer Zukunft einzulegen und ich legte mich wieder hin und wartete. Eine weitere Stunde lang passierte nichts. Irgendwann fragte dann ein anderer Mitreisender nach- wir lagen recht weit vorne und konnten das Gespraech belauschen. Ihm wurde dann gesagt, dass der Bus am Strassenrand anhalten wuerde- er solle dann schnell ins Gebuesch gehen. Irgendwie war ich irritiert und fragte ebenfalls noch einmal nach. Wieder erntete ich verdatterte Blicke- und mir wurde nach einigen Diskussionen auf Kannada angeboten ebenfalls den Strassenrand zu nutzen- die naechste echte Toilette wuerde erst nach 2,5 Std auftauchen. Dieser Stopp am Strassenrand wurde dann von so ziemlich allen Passagieren genutzt- irgendwie zum Unmut der Busbegleiter. Endlich konnten wir in Ruhe weiter schlafen. Weitere 3 Std spaeter, so gegen 4 Uhr morgens ging ploetzlich das Licht an, der Bus hielt, die Tuer zum Fahrerhaus flog auf und eine Stimme bruellte: „Hey.“ 10 Sekunden spaeter fuhr der Bus wieder an.... Ich bin nicht ganz sicher, aber ich glaube das sollte heissen: „Hier ist jetzt wieder eine Toilettenpause, wer raus muss, sollte innerhalb von 5 Sekunden aufwachen, seine Schuhe anziehen und den Bus verlassen. Wer das nicht tut- Pech gehabt.“ Auf diese Pause verzichteten alle Passagiere, obwohl ich der Ueberzeugung bin, dass das an dem etwas knappen Zeitmanagement lag...
(Ich muss zur Verteidigung dieses Busunternehmens sagen, dass ich schon sehr oft mit denen gefahren bin und es solche Probleme nie vorher gegeben hat!)
Aber wir kamen dann irgendwann gegen 8 Uhr morgens in Panjim an und hatten wieder festen Boden unter den Fuessen und den unglaublichen Luxus, unsere Pausen selber waehlen zu koennen.
Wir fuhren mit dem oeffentlichen Bus weiter nach Mapusa, von wo aus wir dann an den Strand unserer Wahl, nach Anjuna fahren wollten. In Mapusa, bei inzwischen deutlich ueber 35 Grad kauften wir jeder einige Getraenke. Die folgende Fahrt war dann mal wieder aus preistechnischer Sicht hochinteressant- waehrend alle Einheimischen fuer die Fahrt 5 Rupien zahlen mussten hiess es bei uns ganz selbstverstaendlich „20 each“. Nun, ich schaetze es waren Gepaeck und Camera fee mitenthalten. Zu k.o. zum diskutieren (was eh voellig fruchtlos gewesen waere) zahlten wir also brav den 4 fachen Preis pro Person und ergeben uns in unser Schicksal. Wir sind halt Touristen... Nach der Ankunft in Anjuna waren wir schon wieder voellig kaputt und wollten nur noch moeglichst schnell eine Unterkunft finden und den Luxus einer Dusche in Anspruch nehmen. Waehrend wir noch etwas ratlos herumstanden und uns langsam auf den Weg zum Strand machten um die Huetten zu suchen, kam ein etwa 10 jaehriger Junge auf M. zu und zeigte auf ihre halbleer getrunkene, inzwischen piewarme Cola. Wir beide dachten, er wolle Geld fuer eine Cola haben- irgendwie war das naheliegend. Er kam dann aber, als M. noch anfing nach ihrem Geld zu kramen auf sie zu, nahm ihr die Flasche aus der Hand und zog seines Weges... Leicht verwirrt schauten wir ihm hinterher, zuckten mit den Achseln und machten uns dann endlich auf den Weg eine Unterkunft zu finden. Nach einer weiteren Fahrt mit einer Riksha, die natuerlich wieder ausgeprochen guenstig war (*hust) fanden wir dann eine super Unterkunft und konnten endlich anfangen zu relaxen.
Goa
Goa war, wie Goa sein soll :-) Ausser sitzen in der Meeresbrise im Schatten, dem Schwimmen im Ozean, lesen, essen, dem Trinken der einen oder anderen Kokosnuss, dem Faulenzen auf den Strandliegen und einem bisschen wandern haben wir in den zweieinhalb Tagen nicht allzu viel unternommen.... Die Strandhunde waren anhaenglich und lieb, die Leute entspannt, die Unterkunft guenstig, sauber und wirklich gut. Hach, ich mag Goa wirklich :-)
Die Rueckfahrt
Freitag brachen wir gegen Mittag auf um unseren Schlafbus in Panjim zu erwischen. Zunaechst ging es wieder nach Mapusa, und von dort aus mit einem voellig ueberfuellten Bus nach Panjim. Der Bus war so voll, dass unsere kleinen Rucksaecke in den „Kofferraum“, eine staubige Ablage im Heck des Busses verstaut werden mussten und wir uns mit einigen Frauen auf die Kante zum Fahrerhaus hocken mussten. Nach einer sehr warmen und dadurch anstrengenden, aber dafuer Non-Stop-Fahrt erreichten wir Panjim und suchten ersteinmal ein klimatisiertes Restaurant auf, um uns ein wenig auf noemale Temperaturen abzukuehlen. Dort bestellten wir unter anderem einen vegetarischen Cheeseburger...
(Der merkwuerdigste "Burger" meines Lebens...)
Danach machten uns auf den Weg zur Touristensammelstelle, um auf den Schlafbus zu warten. Wir hatten noch recht viel Zeit und suchten daher einen ruhigen Schattenplatz. Waehrend wir schon wieder voellig erledigt durch die Gegend liefen um einen Park oder aehnliches aufzutreiben, kam eine aeltere Bettlerin auf M. zu, peilte die Colaflasche an die M. in der Hand hielt, nahm ihr diese aus der Hand und verschwand. Unfassbar- haette sie um Geld gebeten, haette sie bestimmt welches bekommen, aber dieser Colaklau fand dermassen unerwartet, professionell und selbstverstaendlich statt, das keine wirkliche Reaktion erfolgen konnte. M. und ich teilten uns dann meine Flasche....
Herrscht in Goa Colamangel?
Nach einer Pause im Park konnten wir dann endlich in den Bus steigen und hofften irgendwie, dass die Busbegleiter dieses Mal mitbekommen, dass Passagiere an Bord sind und das diese eventuell auch mal eine Toilette benoetigen... Das war dieses Mal ueberhaupt kein Problem, wir machten regelmaessige Pausen, lagen gut im Zeitplan und alles war so, wie es eigentlich auch sein sollte. Zumindest bis zu dem Moment, wo der Bus ploetzlich nicht mehr weiterfuhr- Panne. Oder soll das auch so sein? An den Motor der Reisebusse, der dieses mal betroffen schien (eher noch das Getriebe) kommt man heran, indem man einen Deckel oeffnet, der sich im Inneren des Busses befindet. Und somit standen wir 2 Stunden inmitten der Nacht irgendwo herum, waehrend einer der Busbegleiter in den kochend heissen Motorraum gekrabbelt war und auf Metall haemmerte, waehrend durch die Oeffenung die Motortemperaturen in das Innere des Busses zogen und uns langsam aber sicher roesteten. Ich bewundere das handwerkliche Geschick der Leute- nach 2 Stunden haemmern und dem Austausch eines Metallstuecks ging es weiter, wobei der Busfahrer beim Schalten 2 Gaenge auslassen musste. So etwas wie einen Pannendienst gibt es hier nicht, und ein Ersatzbus haette vermutlich aus Bangalore kommen muessen... Gut, dass die Jungs so geschickt sind :-)
Mit wie immer etwas Verspaetung (2 Std sind voellig im indischen Zeitrahmen) erreichten wir Bangalore am Samstag morgen und M. konnte ihre letzte Nacht in Indien wieder in einem sich nicht bewegenden und leisen Bett schlafen.
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