Sonntag, 14. März 2010

Mysore Part I

Letzte Woche Samstag bin ich in Mysore gewesen. Dieser Tag war ein Erlebnis fuer sich. :-) Es fing damit an, dass ich morgens um kurz nach sechs meine Wohnung verlassen musste, da ich um kurz vor sieben S. in einem Hotel in der Innenstadt treffen wollte. Ich gebe ja zu, dass das nicht so ganz meine Uhrzeit ist. Nach einem kurzen Streit mit einem Rikshafahrer, der mir den 3-fachen Fahrtpreis abknoepfen wollte und sich weigerte mich mit dem Taxameter zu fahren, stieg ich also in einen Bus und fuhr damit zum Hotel. Und die Busfahrten hier sind zwar sehr guenstig, aber sehr sehr hm, abenteuerlich. Aber ich kam tatsaechlich im Hotel an und hatte zum ersten Mal an diesem Tag Schweissausbrueche, weil es morgens um kurz vor sieben schon so unfassbar warm ist....
Um sieben Uhr kam unser Taxi- wir sind koeniglich gereist, im Taxi mit Klimaanlage 
Die Taxifahrt war angenehm und nach ca. 3 Std erreichten wir dann den ersten Punkt auf unserer Mysore-Liste. Eine alte Moschee, deren Namen ich leider vergessen habe. Die Moschee ist wunderschoen, ein architektonisches Meisterwerk. Sie ist riesig gross und wirklich sehr beeindruckend.

Kaum hatten wir die Tueren des Taxis geoeffnet, kamen die ersten Kinder an, um uns Postkarten zu verkaufen. Meine geduldigen Erklaerungen, dass ich daran kein Interesse haette, weil ich selber Fotos machen wolle, wurden gaenzlich ignoriert. Naja, es sind Kinder gewesen, ich hatte zu dem Zeitpunkt bereits einen Kaffee getrunken und einen Schokokeks gegessen, also fiel es mir nicht weiter schwer die Situation einfach mal so hinzunehmen und mich ueber den Rattenschwanz von Kindern zu amuesieren, die uns bis zum Eingang der Moschee verfolgten und mit den Postkarten vor unseren Nasen herumwedelten. Wir betraten dann also die alte Moschee und ehe wir noch bis zwei zaehlen konnten hatten wir einen Guide. Der alte Inder scheuchte uns von Punkt zu Punkt und ignorierte ebenso hartnaeckig wie die Kinder zuvor unsere Bemuehungen ihn los zu werden. Ich bin mir relativ sicher, dass er meinte Englisch mit uns zu sprechen, aber beschwoeren wuerde ich das nicht. Ich verstand also bei unserer unfreiwilligen Fuehrung hoechstens jedes sechste Wort und gab den Versuch ihm bei seinen Erklaerungen zu folgen irgendwann auf. Ich laechelte also hoeflich und nickte und verbrachte meine Zeit eher damit Fotos zu machen. Als die „Fuehrung“ dann beendet war, strahlte er uns an und hielt die Hand auf. Hm, naja gut, ich bin ja nicht so. Ich gab ihm also Geld. Er betrachtete meine Gabe und – verlangte mehr... Nachdem S. ihm dann auch etwas Geld gegeben hatte konnten wir die Moschee verlassen und hatten promt wieder den Rattenschwanz von Kindern im Schlepptau. Die Tuer des Taxis zu schliessen war gar nicht so einfach. Nun, wir waren dann also auf dem Weg zum naechsten Punkt auf der Liste.
Der Sommerpalast von Tipu Sultan in Srirangapatnam liegt in einem wunderschoenen Parkgelaende und ist heute ein Museum mit unglaublichen Wandgemaelden. Wir haben uns den Palast angesehen- ohne auf die zahlreichen Angebote einzugehen einen Guide anzuheuern. Nun, dieses Mal wurden wir wenigstens gefragt...


(Der Sommerpalast des Tipu Sultan inmitten des tollen Parkgelaendes)

Als naechstes fuhren wir auf die Chamundi Hills, wo in laengst vergangenen Tagen Chamudeshvar (Durga) im ewigen Kampf zwischen Gut und Boese den Teufelsdaemon Mahishasura bezwang.

(Blick von den Chamundi Hills auf die Umgebung)
Chamudeshvar wurde auf dem Huegel ein grosser Tempel geweiht, den wir uns ansehen wollten.

Aber das klingt so einfach  Der Weg vom Parkplatz zum Tempel wurde uns von einer Riesenhorde Kinder erschwert, die offensichtlich einen Schulausflug machten und zwei westliche, blonde Touristinnen offensichtlich als das Spektakulaerste auf ihrem Ausflug empfanden. Unzaehlige kleine Jungen in Schuluniformen die uns anstarrten und im Weg standen, machten uns ein Durchkommen absolut unmoeglich. Irgendwann habe ich dann versucht den Fototrick anzuwenden. „Darf ich euch fotographieren? Dann muesst ihr euch da hinstellen...“ (Hinter uns, hehe, damit vorne der Weg frei wird- ich bin ja so kluk, K-L-U-K)
Ich hatte ja keine Ahnung was fuer Begeisterungsstuerme ich damit ausloesen wuerde. Ich habe unzaehlige Fotos von den Jungs machen muessen, die natuerlich nach jedem Bild auf dem Display nachsehen wollten, ob sie auch zu erkennen sind. Seufz.

Mysore Part II

Nachdem ich also gefuehlte 300 Fotos von Kindern gemacht habe, konnten wir uns dem von uns so hinterhaeltig zurueck ergaunerten Weg in Richtung Tempel widmen, nur um in eine ungeheure Masse von Menschen zu stolpern. Das erste Problem welches sich uns stellte war, dass so ziemlich jeder, der an diesem Ort direkt vor dem Tempel Andenken verkauft, uns ins Visier nahm. Ich bin zwar eigentlich multitaskingfaehig, aber meine Schuhe auszuziehen, meine Handtasche zu bewachen und gleichzeitig 7 Verkaeufer abzuwehren ist gar nicht so einfach, vor allem wenn man so ziemlich von jedem angestarrt wird der sich im Umkreis von 20 m befindet. Unsere Schuhe wurden auf einen Riesenberg von Schuhen geworfen, und wir bekamen eine recht provisorische Quittung (ein zerfetztes Stueck Papier). Ich versuchte mir grob zu merken an welcher Stelle des Schuhberges die unsrigen lagen und versuchte zusammen mit S. den Weg zum Tempel irgendwie zu meistern. Nachdem ich mehrfach erwaehnte, dass ich kein Interesse an Holzelefanten und Seidentuechlein und Billigschmuck und Postkarten und Blumengirlanden und Kokosnuessen hatte, und vor allem versuchte das saemtlichen mich umschwirrenden Verkaeufern gleichzeitig klarzumachen, ueberlegte ich, wie man am besten den Blickkontakt vermeidet. Ich habe recht schnell feststellen muessen, dass man nicht nur die Verkaufer nicht ansehen sollte, sondern auch die dargebotenen Teile nicht. Es faellt aber relativ schwer sich einen Weg durch eine Menschenmasse zu bahnen, die einen relativ erstaunt anstarrt, wenn man 3 cm vor seinem Gesicht ein klingelndes Fusskettchen hat, welches sich aufgrund seines wirklich hartnaeckigen Verkaeufers nicht abschuetteln laesst. Nebenbei versuchte ich zu erklaeren, dass ich auch den Holzelefanten mit dem kleinen Holzelefanten im Bauch nicht kaufen moechte. Der Verkaeufer der Bluetenblaetter machte uns nebenbei noch klar, dass es ein Ding der Unmoeglichkeit sei ohne Opfergabe in den Tempel zu gehen. Damit wir nicht ohne Opfergabe der Heiligen gegenueber treten, drueckte er uns ungefragt Blumenblaetter in die Hand und eine kleine Holzfigur von Durga. Mit unseren Opfergaben in der Hand erreichten wir dann endlich den Tempeleingang, um im Tempel direkt von einem jungen Mann abgefangen zu werden, der uns zeigte wo wir die Blumen opfern duerfen. Als Dankeschoen fuer die Gabe wurde uns dann ein roter Punkt auf die Strin getupft. Unsere Bemuehungen den jungen Mann loszuwerden, wir kannten das nun schon, wurden hartnaeckig ignoriert. Dann kam uns ein Brahmane entgegen, der uns nun einen zweiten, dieses Mal gelben Punkt auf die Stirn tupfte, nebenbei erwaehnte, dass das fuer eine glueckliche Reise sei, uns dann anstrahlte und uns eine Schuessel mit Rupien entgegen hielt, was recht unmissverstaendlich das Zeichen dafuer war, dass wir fuer unsere glueckliche Reise zahlen sollten. Nachdem wir seufzend einige Rupien springen liessen versuchten wir den Tempel zu verlassen. Interessanterweise kam der junge Mann mit nach draussen. Waehrend S. versuchte unsere Schuhe zurueck zu erobern, versuchte ich dem jungen Mann, sowie dem wie durch Zauberhand wieder aufgetauchten Bluetenblattverkaeufer klar zu machen, dass ich nicht bereit sei jeweils 100 Rupien an die beiden zu zahlen. Da ich kein Kleingeld mehr hatte verwies ich die beiden, inzwischen recht pampig werdenen Leute an S. Inzwischen waren saemtliche anderen Verkaeufer wieder aufgetaucht und ich fuehrte erneut eine Holzelefantendiskussion, die nur dadurch unterbrochen wurde, das ploetzlich eine grosse Gruppe von Leuten auf die Idee kam mich zu fotographieren. Alleine, in der Gruppe, mit der Ehefrau eines freundlichen Inders... Nebenbei zog ich meine Schuhe endlich wieder an und war froh dem heissen Betonboden entgehen zu koennen.

(Ob das Streicheln einer heiligen Kuh wohl Glueck bringt? Vor einem Tempel bestimmt!)

Als wir endlich wieder beim Taxi angelangt waren, war ich so unglaublich froh darueber, dass ich vergass, das wir das eigentliche Highlight in Mysore noch vor uns hatten- den Palast des Maharaja.
Nach einem kurzen Zwischenstop bei Nandi, Shivas Reittier erreichten wir den Palast.


Der Palast des Maharaja war urspruenglich aus Holz gebaut und ist bei einer Hochzeitsfeier abgebrannt. Er wurde umgehend wieder aufgebaut und, wenn ich mich recht erinnere, 1912 fertig gestellt. Der Palast ist absolut atemberaubend. Saemtliche Dschungelbuchgeschichten und Maerchen aus 1001 Nacht bekommen ploetzlich eine glaubwuerdige Kulisse aus Tuerkis, Gold, Silber, Elfenbein und fuer den Palast aus Belgien importierten Buntglasfenstern mit filigranen Motiven, die in diesem Palast in Kuppelform ueber den wichtigen Raeumen prangen. Gut, dass es hier so selten hagelt . Leider ist im Palast selber das fotographieren verboten. Ist aber nicht schlimm- man kann natuerlich Postkarten kaufen... Und Holzelefanten.


Dieses mal war der Weg zum Eingang nicht ganz so kompliziert, wir waren inzwischen sehr gut darin die Verkaeufer abzuschuetteln- wir hatten allerdings auch mehr Ausweichmoeglichkeiten.
Ein Inder zahlt im Palast 20 Rupien Eintritt, ein Auslaender 200 Rupien. Wir gaben unsere Kameras ab, liessen unsere Handtaschen roentgen, zogen die Schuhe aus und versuchten irgendwie in den Palast zu gelangen.


Im Palast gibt es (fuer Auslaender umsonst!!) eine wirklich gute Audiotour, die einen mit sinnvollen Informationen durch den Palast leitet. Das Merkwuerdigste was mir dort passiert ist war, dass ich versunken irgendwo mit meinen Kopfhoerern herumstand, Stuehle aus Kristallglas betrachtete und dem Audiotour-Sprecher lauschte, als ploetzlich jemand auf mich zu kam, mir die Hand hinstreckte und „Thank you, thank you“ stammelte. Ich ergriff verwirrt seine Hand, die er begeistert schuettelte und hoerte ungefaehr an dem Punkt auf mich noch ueber irgendwas zu wundern.
Irgendwie bekamen wir in dem totalen Chaos am Schuhstand auch dort tatsaechlich unsere eigenen Schuhe zurueck und waren beide irgendwie voellig erschlagen. Die Hitze, die Menschenmassen, die Aufmerksamkeit die man ueberall erregt und die unglaubliche Hartnaeckigkeit der Verkaeufer in Verbindung mit den grandiosen Eindruecken haben mich wirklich geschafft. Ich war froh an dem Abend wieder in meiner beschaulichen 5-10 Mio Stadt zu sein, wo ich einfach nur angestarrt werde. Nicht mehr und nicht weniger. :-)
Der Trip hat sich wirklich gelohnt, aber es war unglaublich anstrengend, obwohl wir so koeniglich mit dem Taxi chauffiert wurden.
Indien ist irgendwie- anders.