Dienstag, 23. März 2010

Im Schlafbus nach Hampi und zurueck Part I

Seid ihr schon einmal Schlafbus gefahren? Also ich nicht- ich wusste bis vor einiger Zeit nicht einmal, dass es solche gibt. Ein Schlafbus hat auf einer Seite Zweiersitzreihen(die „billigen Plaetze“), wie ein ‚normaler‘ Reisebus und darueber Liegeplaetze. Die sind dann naturgemaess so breit wie die Zweiersitzreihen die darunter sind und sind fuer 2 Personen ausgelegt. Auf der anderen Seite des Ganges sind Einerliegen auf 2 Etagen. Wir wollten mit mehreren Leuten in die Ruinenstadt Hampi fahren- bis kurz vor der Abreise waren insgesamt 18 Personen zusammen gekommen, so dass die Liegeplaetze im ersten Bus fast komplett von unserer ‚Gruppe“ belegt waren. Ich hatte das ausserordentliche Glueck auf einer Einerliege in der unteren Etage genau auf der Hinterachse des Busses residieren zu koennen.
Die Notwendigkeit der Busse ergibt sich daraus, dass eine Strecke von 350 km, wie von Bangalore nach Hampi wegen des Verkehrs und der schlechten Strassen auf 7-8 Stunden angesetzt wird. Das Problem ist, dass diese Zeit tasaechlich auch benoetigt wird! Die 450 km bis nach Goa werden mit sage und schreibe 14 Stunden angesetzt... Das kann ja heiter werden, da wollte ich naemlich auch noch hin.
Meine Liege mit Vorhang zum Gang hin und einem kleinen Fach fuer die Schuhe war relativ beengt, da ich auch noch einen Rucksack dabei hatte- wir waren schliesslich einige Tage unterwegs. Woran ich gedacht hatte war ‚BYOTP‘- bring your own toilet paper, woran ich nicht gedacht hatte war eine Decke.
Das erstere wird nicht nur benoetigt, weil die oeffentlichen Toiletten hier einfach Loecher im Boden sind, die ich von frueher noch von Autobahnraststaetten in Frankreich kannte. Diese sind nun wirklich sehr spartanisch, wenn auch vermutlich hygienischer als Schuesseln, und- ohne Toilettenpapier. Das Toilettenpapier wird auch benoetigt, weil die Guesthouses hier zwar inzwischen fast alle normale Toilettenschuesseln haben, die Notwendigkeit von Toilettenpapier aber wohl nach wie vor nicht als Selbstverstaendlichkeit angesehen wird. Meistens ist neben der Toilette noch der kleine Schlauch mit Duschkopf dran installiert....
An eine Decke hatte ich aufgrund der hohen Temperaturen hier nicht gedacht. Ich konnte ja nicht ahnen, dass das junge Paerchen, die in der Sitzreihe auf der anderen Seite des Ganges schliefen die gesamte Fahrt ueber das Fenster weit offen liessen und es tatsaechlich kalt wurde. So stellten sich gleich mehrere Probleme- es war kalt, es war laut, es war eng, und vor allem waren die Stossdaempfer dieses Busses irgendwie nur noch maessig in Takt- das heisst sie federten, aber sie daempften nicht. Bei jeder Bodenwelle machte erst mein Hueftknochen einen kleinen Huepfer und dann meine Schulter. Bis mir ein freundlicher Mitreisender dann eine im Flugzeug geklaute Decke ueberliess, war an schlafen nicht zu denken. (Danke, P.!) So konnte ich dann auf der Fahrt, die auch zwei kleine Toilettenstops beinhaltete wenigstens zum Schluss etwas schlafen und war dementsprechend voellig geraedert, als der Bus irgendwann fruehmorgens in Hospet hielt. Ich war sehr froh, einer Gruppe anzugehoeren, da ich so verschlafen war, dass ich voellig verwirrt und orientierungslos einfach nur der Meute folgte und von dem kurzen Aufenthalt in Hospet wirklich ueberhaupt nichts mitbekam. Wir schlugen dann saemtliche Rikshaangebote aus und fuhren mit dem oeffentlichen Bus nach Hampi. Auf der Fahrt habe ich eine interessante Landschaft bewundern koennen, da es langsam hell wurde. Es ist dort sehr gruen, Bananenplantagen und Reisfelder dominieren das Bild.


In Hampi landeten wir dann auf dem ‚Basar‘, am Virupaksha- Tempel, der Dreh-und Angelpunkt fuer fast alle Aktivitaeten in Hampi istund vor dem ein hoelzerner Tempelwagen steht.

Dort entstiegen wir dem Bus und setzten ueber den Tungabhadrafluss ueber.


(Warten aufs Boot bzw. auf Futter)


(Der Fluss und die merkwuerdigen Felsen)

Wir hatten einige Hampierfahrene dabei und so sind wir zielstrebig auf der anderen Flussseite in der „Goan Corner“ gelandet. Der Aufenthalt dort war wirklich toll- es gab super Essen, einen freilaufenden Truthahn, sowie diverse Hunde inklusive einer Dogge, und Huetten fuer 2 Personen, die mit Dusche und echtem WC fuer 300 Rupien pro Nacht zu Buche schlugen. Nach einem ausgiebigen Fruehstueck mit Kaffee (juhu), und der Huettenverteilung fiel es den meisten von uns schwer die Haengematten vor den Huetten zu verlassen und sich Hampi zu widmen. Hampi liegt nicht, wie Bangalore, auf dem Hochplateau und daher ist es dort noch heisser. Wir hatten so um die 38 Grad, und ganz ehrlich- ohne Wind ist das praktisch unertraeglich. Und der Sommer hat hier erst begonnen...

Im Schlafbus nach Hampi und zurueck Part II

Hampi war einst die Hauptstadt des hinduistischen Vijayanagarareiches, und wurde im Jahre 1556 von rivalisierenden Sultanen nach einer gewonnenen Schlacht dem Erdboden gleichgemacht. Frueher lebten dort 200.000 Menschen, heute ist Hampi ein Minidorf, welches hauptsaechlich von Touristen lebt. Es sind relativ viele Ruinen erhalten geblieben und diese liegen in einer sehr bizarren Felsenlandschaft. Meine Huettengenossin und ich sind zusammen mit einer weiteren Frau dann wieder auf die andere Flussseite uebergestzt und haben uns eine Riksha gebucht. Der Fahrer hat uns dann von Sehenswuerdigkeit zu Sehenwurdigkeit gefahren und viele wichtige Details erklaert. Es ist erstaunlich, was nach fast 500 Jahren doch noch alles uebrig ist. Es laesst einen ahnen, was dieses fuer eine glaenzende Weltstadt war.

(Ein alter Tempel von innen)


(Ganesha)


(Die Elefantenstaelle)


(Das Bad der Koenigin)


(Der Steinwagen)

Zum Schluss stapften wir noch ueber den Basar, setzten wieder auf die andere Flussseite ueber und haben nach dem Abendessen das eine oder andere King Fisher Bier getrunken.

Im Schlafbus nach Hampi und zurueck Part III

Am naechsten Morgen, als unsere Plaene fruehmorgens auf den auf einem Berg liegenden Tempel des Affengottes Hanuman zu klettern durch das Bier von Vortag zunichte gemacht waren, entschlossen K. und ich uns, dass wir wenigstens dem Bad des heiligen Tempelelefanten beiwohnen wollten und machten uns um kurz nach acht auf den Weg zum Fluss.

(Man beachte den Schnorchel)


(Aufstehen)


(???)


(!!!)


(Die Dame laeuft Treppen)

Im Schlafbus nach Hampi und zurueck Part IV

Danach widmeten wir uns einem super Fruehstueck in unserer Unterkunft und ueberlegten, was wir tun koennten. Wir kamen dann auf die grossartige Idee, den Tempelberg dann halt jetzt zu erklimmen. Mit einem Rucksack voller Wasserflaschen machten wir uns auf den Weg ueber die Felsformationen um auf die andere Seite zu gelangen. Ich verbannte saemtliche Gedanken an gruselige Insekten und Skorpione und kaempfte mich mit K. ueber die Felsen.

(Land in Sicht)

Nach etwas ueber einer Stunde in der sengenden Hitze hatten wir den Berg ueberquert und erreichten einen anderen Fluss an dem Eselherden, Ponies, ein Kamel und Rinder grasten. Nachdem wir den Fluss an im Fluss Waesche waschenden Frauen vorbei ueberquert hatten, erreichten wir das Baba Cafe, eine kleine Huette, die offensichtlich davon lebt, dass Touristen vorbei tigern. In ganz Hampi, wie auch in diesem Cafe traf man Leute mit Dreadlocks und Batikklamotten (ist Hampi das neue Goa?), die irgendwo herumsitzen, essen, trinken und kiffen.

(Baba Cafe)

Nach einer Cola und dem festen Glauben, dass unsere Koerpertemperaturen wieder dem Normalmass entsprachen, sind wir dann weiter zum Tempelberg gegangen. Am Fusse angekommen bereute ich kurz den Entschluss, in der Mittagshitze um 13 Uhr 600 Stufen hochklettern zu wollen. Ohne Schatten natuerlich. Die Sonne steht hier aufgrund der Aequatornaehe so hoch am Himmel, dass man mittags auch selber kaum einen Schatten wirft. Aber nun gab es kein Zurueck mehr.

(Was vor uns lag...)

Nach einer Kokosnuss zu Staerkung stapften wir trotzig los und erklommen 600 Stufen. Diese Stufen sind in den Fels gehauen und weiss gestrichen und ich glaube, dass ich noch nie in meinem Leben so geschwitzt habe. Wir haben alleine auf der Treppe jeder 2 Liter Wasser getrunken und uns je einen halben ueber den Kopf gekippt. Andere Leute geben fuer so etwas in der Saune Geld aus- wir haben das Vergnuegen praktisch umsonst bekommen. Wobei umsonst nicht ganz korrekt ist. Oben angekommen zahlt man zunaechst an die beiden im Schatten unter einem Felsen herum liegenden Maenner, die auf die Schuhe aufpassen etwas Geld. Wir durften, bestimmt wegen der abartigen Temperaturen unsere Socken anbehalten, ansonsten waeren Brandblasen an den Fuessen inklusive gewesen. Dann opfert man im Tempel etwas Geld und bekommt als Dankeschoen einen roten Strich auf die Strin gemalt, uns eine Bluete ins Haar gesteckt sowie eine merkwuerdige gelbliche, nach Rosen duftende Fluessigkeit und einige Zuckerstueckchen zum essen/trinken in die Hand gedrueckt. Vermutlich hat der im Auftrag des Affengottes die Gaben entgegennehmende alte Mann mir Fruchtbarkeit und viele Kinder gewuenscht. Ich glaube das naechste Mal sollte ich meine Wuensche auessern- vielleicht gehen sie ja in Erfuellung. Der rote Strich auf meiner Stirn loeste sich sofort in Wohlgefallen auf, woraufhin der alte Mann mich bat mich unter den Ventilator zu stellen. Dadurch trocknete der Strich und ich hatte den ganzen Tag lang eine Erinnerung im Gesicht.

(Ich sehe genau so fertig aus wie ich mich gefuehlt habe…)

Auf dem Rueckweg die Treppe herunter nervte uns eine Gruppe von jungen Maennern, die nach dem obligatorischen Foto mit uns einfach keine Anstalten machte ihres Weges zu ziehen, sondern uns die ganze Zeit im Nacken klebte. Als wir dann eine Pause einlegten um sie ueberholen zu lassen, machten sie auch eine Pause und blieben bei uns. Spontan konnten auch alle kein Englisch mehr und verlangten, als ich sie aufforderte entweder vor uns die Treppe hinunter zu gehen oder aber oben zu bleiben, dass ich meine Aufforderung in Hindi wiederhole. Da ich innerhalb der letzten Woche weder Sanskrit noch Hindi gelernt habe wuchs das Ganze zu einer voellig sinnentleerten Diskussion heran. Da kam dann aber spontan ein indisches Ehepaar zu Hilfe, fragte uns auf Englisch was wir denn wollten und uebersetzte. Wieder einmal habe ich keine Ahnung was den jungen Maennern gesagt wurde, aber nach einem kurzen und heftigen Wortwechsel auf Hindi verschwanden die Maenner anstandslos die Treppe hinunter und waren auch am Fusse des Berges nicht mehr gesehen... Danke an das nette Ehepaar!
Nach einem weiteren Stop im Baba Cafe kletterten wir ueber die Felsen zurueck und erreichten voellig k.o. unsere Unterkunft. Der arme Mitreisende unserer Gruppe, der sich am ersten Tag einen Sonnenstich eingefangen hatte und sterbenselend im Bett lag war unsere Rettung. Er lag naemlich in der einzigen Huette die noch ‚eingecheckt‘ war, und demnach hatten wir eine Dusche zur Verfuegung. Gegen kurz vor sechs setzten wir wieder auf die Basarseite des Flusses ueber und blieben bis neun Uhr im Mango Tree, einem sehr netten Restaurant, in welchem das Essen auf Bananenblaettern serviert wird. Gegen neun fuhren wir mit Rikshas nach Hospet zurueck, wo A. und ich einen anderen Bus als der Rest gebucht hatten und- man wird es kaum glauben- ich schlief die komplette Fahrt ueber bis nach Bangalore...