Ich wusste ja, dass hier vieles anders ist und mit den allermeisten Dingen kann ich mich prima arrangieren.
Ich kann damit leben, dass ich gleich 2 Adapter brauche, um meinen Toaster bedienen zu können.
Ich habe mich daran gewoehnt, dass ich 10 Minuten brauche um unter Einsatz meines Lebens (:-)) eine Straße zu überqueren, da sich hier wirklich niemand an Ampeln hält.
Ich habe mich damit abgefunden, dass in meinem Haus ein dicker Käfer wohnt, von dem ich hartnäckig behaupte, dass er keine Kakerlake ist. Um meine Ansicht zu unterstützen habe ich ihn auf Anraten meiner Schwester "Käfi"getauft. Er ist einfach zu schnell für den Tassenfang und zu groß um ihn zu töten.
Ich kann damit leben, dass man beim Gehen auf dem Bürgersteig grundsätzlich den Blick auf den Boden richten muss, da man sonst Gefahr läuft entweder in Löcher oder über Huckel zu stürzen oder in Hundekot oder Müll zu treten.
Ich finde es nicht schlimm, dass der eine Ventilator in meinem Haus immer erst nach 10 Minuten anspringt.
Es ist halb so wild, dass es jedesmal Funken schlägt, wenn ich einen Stecker in die Steckdose drücke oder herausziehe.
Ich habe mich daran gewoehnt, dass mein Haus keine Glasscheiben sondern nur Fenstergitter hat, und mich der Verkehr und die spielenden Strassenhunde mindestens einmal pro Nacht wecken.
Ich habe mich damit abgefunden, dass hier Männer einfach ständig überall völlig ungeniert hinpinkeln.
Ich finde es halb so wild, dass hier 5 mal pro Tag der Strom ausfällt und mein Generator, der eigentlich mindestens eine Lampe am leuchten halten sollte das nicht schafft, und ich somit ständig minutenlang im Finsteren hocke. Danach treffe ich interessanterweise immer auf diverse Mitbewohner...(Ob "Käfi" doch eine Kakerlake ist? Dann aber eine behinderte, Käfi rennt nämlich dauernd gegen meinen Fuß wenn ich am Schreibtisch sitze.)
Ich habe mich darauf eingestellt, dass es hier einfach keine Mülleimer gibt und man den Müll, z.B. leere Flaschen oder Kokosnüsse einfach auf einen Haufen am Strassenrand legt, der dann irgendwann verbrannt wird.
Ich habe mich damit abgefunden, dass die Leute hier entweder Bethelnuss kauen und regelmässig einen Schwall roter Flüssigkeit auf den Boden spucken oder auch ansonsten immer und überall hinspucken.
Ich kann damit leben angestarrt und dauernd fotografiert zu werden.
Ich habe mich damit abgefunden, dass ich immer und überall ganz selbstverständlich den Auslaenderpreis bezahlen muss, der sich teilweise deutlich von dem Einheimischenpreis unterscheidet. (Nicht nur bei Straßenhändlern, sondern auch und gerade bei offiziellen Einrichtungen).
Ich kann damit leben, dass die Untereinheit der Rupie, der oder die Paise noch nie in meinen Besitz gelangt ist, denn wenn ich 108.37 Rupien zahlen muss, wird ganz selbstverständlich auf 109 aufgerundet. Im Supermarkt.
Ich habe mich daran gewoehnt, dass jedesmal beim Duschen eine einzigartige schwarze Suppe im Abfluss verschwindet (die Luftverschmutzung lässt grüssen) und ich wirklich immer schwarze Fußspuren hinterlasse.
Ich kann damit leben, dass hier Unfälle passieren durch kämpfende Rinder, irritierte Elefanten, genervte Hunde und durch Gefahren, die ich einfach nicht gewohnt bin.
Ich habe mich sogar, auch wenn es mir sehr schwer fiel, daran gewoehnt, dass sich alle immer und andauernd vordraengeln muessen. Nicht nur im Strassenverkehr, sondern auch an Supermarktkassen, beim Einsteigen in oeffentliche Verkehrsmittel, wenn die herbeigerufene Riksha am Strassenrand anhaelt...
Aber ich bin völlig genervt davon, dass ich Freitags abends vorm Buero eine halbe Stunde brauche um ueberhaupt eine Riksha zu bekommen.
Es ist nicht etwa so, dass es keine gibt, im Gegenteil, es wimmelt nur so von Rikshas. Ich meine gelesen zu haben, dass es in Bangalore 85.000 Stueck davon gibt. Aber die nehmen einen einfach nicht mit. Und das hat ausnahmsweise mal nichts mit meiner Haarfarbe zu tun! Es beginnt wie in amerikanischen Filmen. Man stellt sich an den Strassenrand, winkt und die Riksha haelt an. Und dann? Man nennt das Ziel, der Fahrer schuettelt den Kopf und faehrt zum naechsten Wartenden, um diesen ebenfalls nicht mitzunehmen. Oder aber, und das ist genau so aergerlich, der Fahrer sagt ja, und kaum sitzt man drinnen nennt er einen horrenden Festpreis (4-7 Mal hoeher als der normale Preis). Bestehe ich dann auf die Nutzung des Taxameters lehnt er die Fahrt ab.
Vor einer Woche war ein Artikel in der Zeitung, in welchem stand, dass die Polizei um Hilfe bittet. Offensichtlich hat eine junge Studentin eines Morgens keine Riksha bekommen und ist deswegen zu spaet zu einer wichtigen Pruefung erschienen. Nun soll man die Nummern der Rikshas die einen nicht mitnehmen oder sich weigern das Taxameter zu benutzen der Polizei melden.. Klar. Die Liste waere endlos.
Es liegt offensichtlich daran, dass die Fahrer Geschaefte machen wollen, und da ich in einer Gegend lebe, die nicht voellig zentral liegt haben sie die Sorge auf der Rueckfahrt keinen Passagier zu bekommen. Die ersten 15 Male kann ich noch darueber lachen. Ab der 16 Ablehnung leidet mein Humor ein wenig. Ab dem 25 Mal bin ich einfach nur wirklich genervt! In solchen Momenten denke ich dann immer unfreiwillig, dass es den Fahrern ja wohl nicht soo schlecht gehen kann, wenn sie es sich leisten koennen eine Fahrt einfach abzulehnen. Ich stelle mir immer vor, dass ich in DE in ein Taxi steige, sage wohin ich gerne moechte und der Fahrer sagt: Nee.
Die Vorstellung allerdings bringt mich dann doch wieder zum lachen. Und im Notfall nimmt man halt den Bus. Da hat man wenigstens gesetzlich festgelegte Festpreise. Nur da draengelt sich garantiert jemand vor...
Freitag, 26. März 2010
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