(Der Eingang)
Die Reception bestand im Wesentlichen darin, dass alle Gaeste in einem riesigen Saal sassen und auf den Einmarsch des Hochzeitspaares warteten. Kurz bevor es soweit war, filel der Strom aus. Die Generatoren brauchten einige Zeit um anzulaufen. In der Dunkelheit, die hier so alltaeglich ist, dass nicht einmal die gespraeche unterbrochen werden, schlich sich ein kleines Maedchen an mich heran und rieb schnell mit ihrem Zeigefinger ueber meinen Oberarm. Ich glaube sie wollte testen ob die Farbe abgeht... Als das Licht wiederkam blickte sie kurz auf ihren Finger und rannte dann schnell weg. Ueberhaupt guckten die Kinder mehr auf mich als auf auf alle anderen. Die Hochzeit fand zwischen Leuten statt, die nicht besonders viel Geld verdienen. Ich nehme daher an, dass die meisten der Kinder noch keine Auslaenderin aus so kurzer Entfernung gesehen haben. Weiterhin warteten alle auf den Einmarsch des Paares. Als dieser dann geschah war ein professionelles Kamerateam zugegen und nahm den Einmarsch und die Gaeste im Close-up auf. Dann fand auf der Buehne, die sich an der Stirnseite des langen Saales befand, eine Fotosession des Paares statt. Ich koennte mich immer wieder darueber amuesieren, wie todernst Inder auf Fotos gucken. Das Paar posierte ernst und feierlich, und die von dem Team geschossenen Bilder wurden dann mit kitschig bunten Untermalungen wie zum Beispiel heranfliegenden Diamanten und Regenboegen auf die grossen Flachbildschirme uebertragen die im Saal verteilt standen. Ich freute mich fuer das Brautpaar, ich kenne den Braeutigam und hoffe sehr, dass es den beiden gut gehen wird. Ich wuensche von Herzen alles Gute! Nach dem Einzelshooting mit dem Paar, wurden saemtliche Gaeste nacheinander auf die Buehne gebeten und posierten dann ebenfalls mit dem Paar. Mein underdressed Outfit tat mir sehr leid, allerdings scheint es die anderen nicht gestoert zu haben. Nach den Fotos sind die Gaeste dann nacheinander in die Etage des Gebaeudes gelaufen, in welcher das Essen statt fand. Es gab traditionelles Essen auf Bananenblaettern und als kleine Aufmerksamkeit des Brautpaares eine Kokosnuss als Geschenk.
(Essen auf Bananenblaettern)
Ich habe diese dann meiner Chefin geschenkt. Nach dem Essen sind wir dann recht schnell verschwunden, da meine Chefin und ihr Mann selber etwas zu feiern hatten. Auch dort war ich eingeladen.
Zu Hause warteten schon ihre ersten Gaeste, in Empfang genommen von der Tochter. In dieser Familie werden bei Feierlichkeiten immer auch die Freunde der Kinder mit eingeladen, weshalb die ganze Feier sehr gross, nett und alkohollastig wurde. Es war nicht die erste Feier dieser Art an der ich teilnehmen durfte- es hat viel Spass gemacht. Nachts um zwei habe ich mich mit I. unterhalten, und wir stellten fest, dass wir das gleiche Hobby betreiben. I. ist Student der Tiermedizin und in seiner Freizeit reitet er und gibt Reitunterricht. Sonntags morgens um sechs wollte er sich von einem Fahrer abholen lassen um dann um sieben Uhr die erste Sonntagsreitstunde zu geben. Er lud mich ein dabei zu sein und ich folgte der Einladung gerne. Nach einer wiederum sehr kurzen Nacht sind wir dann in aller Fruehe zur Riding School gefahren. Ich war so neugierig wie eine indische Reitschule aussieht. Ich war schwer beeindruckt. Das Gelaende ist traumhaft, es werden dort Rennpferde und Reitpferde fuer den grossen Sport trainiert. Ich glaube aber, dass es eine Anlage in der Qualitaet nicht all zu oft gibt. Sollte die indische Nationalmannschaft der Springreiter die Qualifikation fuer die Olympiade schaffen, dann kann ich sagen, dass ich zwei davon habe trainieren sehen... Wirklich sehr beeindruckend, grossartige, gepflegte Pferde, eine tolle Anlage und viele Angestellte, die eine ganz wunderbare Einstellung zum Pferd haben. Am lustigsten fand ich, dass auf einem grossen Rondell, um welches rundherum die offenen Pferdeboxen stehen, ein grosser Stofftiger liegt. Als ich nach seinem Sinn fragte, wurde mir erklaert, dass er die Affen abhalten soll das Pferdefutter zu stehlen. Offenbar funktioniert das- ich dachte nicht, dass Affen so dumm sind. :-))
Mittag irgendwann war ich dann wieder zu Hause und schlief erst einmal.
Am naechsten Morgen um sechs Uhr sollte ich schon wieder die Stadt verlassen- ich brauchte vorher dringend etwas Ruhe.

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