Anfang letzter Woche hatte ich endlich alle meine Postkarten fertig geschrieben und habe den Stapel mit ins Buero genommen. Unser Bueroboy wollte mir dann freundlicherweise den Weg zum General Postoffice nicht nur erklaeren sondern zeigen. Da sein Englisch etwas radebrechend ist haben die anderem Angestellten ihm auf Hindi oder Kannada erklaert, dass ich nicht nur die Postkarten versenden moechte, sondern auch 2 Umschlaege brauche um Fotos innerhalb Indiens zu versenden. So weit so gut. Auf dem Weg dorthin, wo ich wieder mal den Pragmatismus der Inder bewundern durfte (ein durch den Regen neu entstandenes Schlagloch wurde kurzerhand mit Palmenblaettern gefuellt) erklaerte er mir diverse Gebaeude.
Ich habe mich in den letzten 3 Monaten recht gut in das indische Englisch, gerne auch Hinglish genannt hineingehoert, welches hier etwa 50 % der Leute sprechen, aber bei ihm habe ich immer noch ernsthafte Schwierigkeiten. Ich nickte und laechelte also freundlich (auch das indische Kopfwackeln beherrsche ich inzwischen recht gut) und wir erreichten dann das GPO. Dass es hier keine Privatsphaere gibt, und jeder sich andauernd vordraengelt und dabei auch Koerperkontakt nicht scheut, das weiss ich inzwischen. Dass das auch in der Bank und in der Post so ist, das war mir neu. Wir stellten uns an einen Counter und eine Frau winkte uns an einen anderen, an welchem schon ca. 5 Leute standen. Waehrend ich mich im Hintergrund hielt und das Ganze recht amuesiert beobachtete, stellte sich S. mitten zwischen die 5 anderen, die allesamt nebeneinander an dem Counter standen. Die Frau hinter dem Counter fragte innerhalb von 5 Minuten 6 mal nach, ob es wirklich 24 Postkarten waeren. Sie vergass es immer wieder, da sie alle 6 Kunden gleichzeitig bediente und dabei etwas unkoordiniert war. Waehrend S. am Counter darauf wartete, dass sie endlich die georderten Briefmarken bringt, fing er ein Gespraech mit dem neben ihm Wartenden an. Dabei wurden meine von ihm gehaltenen Postkarten recht schnell Gespraechsthema. Okay, ich verstehe kein Hindi, dass sie sich alle 24 Karten ansahen, ueber die Motive diskutierten und dabei deutlich gestikulierten, das habe ich trotzdem verstanden. Noch lustiger fand ich es dann, als die Karten umgedreht wurden und meine Handschrift analysiert wurde. Gut, ich gebe zu, dass man bei Postkarten keine allzu grosse Geheimhaltung erwarten kann, aber dass 2 Menschen lautstark auf Hindi diskutieren, ob ich „Germany“ oder „Cermany“ geschrieben habe, das kam mir etwas komisch vor. Waehrend dessen musste ich, da S. ja abgelenkt war der Dame hinter dem Counter immer wieder die Zahl ‚24‘ bestaetigen. Als dann endlich die Marken herueber gereicht wurden, erinnerte ich S. an die Umschlaege fuer die Fotos. Wir haben ca. 5 Minuten aneinander vorbei geredet.. Zunaechst wollte er 24 Umschlaege ordern. Dann wollte er mir klar machen, dass man keine Fotos verschicken duerfe, dann, dass ich fuer jedes Foto einen separaten Umschlag braeuchte. Als ich ihm endlich klar gemacht hatte, was meiner Meinung nach schon die Angestellten im Buero deutlich gemacht hatten, naemlich, dass ich 2 Umschlaege fuer insgesamt 8 Fotos braeuchte, von denen ein Umschlag mit 6 Fotos nach Tamil Nadu und einer mit 2 Fotos innerhalb Bangalores verschickt werden sollte, waren ernsthaft 5 Minuten vergangen. Er orderte dann also bei der mehrfach beschaeftigten Dame noch 2 Prepaid Umschlaege und wir gingen nach draussen, da dort der Leim (!) fuer die Briefmarken war. Ich hatte nicht unbedingt das dringende Beduerfnis die Marken anzulecken, aber ich dachte ein wenig Wasser sei ausreichend. Weit gefehlt, S. nahm jede einzelne Postkarte und klebte sehr langsam, liebevoll und ordentlich die Marken darauf, indem er seinen Finger in den Leim tauchte und die Marken damit einrieb. S. ist sehr niedlich. Er reicht mir bis ungefaehr zur Huefte, ist verheiratet und hat 2 Kinder. Er verdient sehr wenig Geld und hat nur so einen Helferjob, aber wenn er auf der Strasse lang geht, dann strahlt er immer ganz selbstvergessen vor sich hin. Er wirkt sehr zufrieden mit seinem Leben. Allerdings kann er sich ja auch andauernd ueber die merkwuerdigen Deutschen in seinem Buero amuesieren, die Postkarten verschicken und Germany falsch schreiben, mit ‚C‘ naemlich. Aber, so hat er mich beruhigt, die Post wuerde wissen was Cermany bedeute. Waehrend er mir das erklaerte und eifrig die Marken aufleimte gab er sich auch noch grosse Muehe mir die Motive der Postkarten zu erklaeren. Er ist wirklich ruehrend.... Nachdem wir insgesamt fast eine Stunde in der Post waren, waren endlich die Karten abgegeben und auf dem Weg nach Deutschland. Fast eine Stunde um 2 Umschlaege und 24 Briefmarken zu kaufen und diese aufzukleben! Und es war nicht einmal voll in der Post. So etwas gibt es nur in Indien :-)
Donnerstag, 27. Mai 2010
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Eine wirklich nette Geschichte!!!
AntwortenLöschenJa die Post hat Cermany als Germany erkannt :-)
AntwortenLöschenDie Post ist schon angekommen, in Jesteburg auch! Danke.
AntwortenLöschenIn Bielefeld ist sie heute am 31.angekommen(bei mir)an der Tanke schon am 29. :-(
AntwortenLöschen@ Nikita Vielleicht war bei dir das Germany doch ein Cermany :-)
AntwortenLöschen@ Milena Post nach Tamil Nadu ist unterwegs, und die Fotos innerhalb Bnagalores sind auf jeden Fall auch angekommen :-))
Danke für die Postkarte und für die letzte Zeit noch viele Eindrücke!Immerhin werden wir Dich mit warmen(für unsere Verhältnisse) Wetter begrüßen(damit der Unterschied nicht zu krass wird)
AntwortenLöschenGruß Eli