Ich bin seit 5 Tagen wieder in Deutschland und werde von allen gefragt wie es denn gewesen sei. Das ist schon wieder so eine Frage, die sich mit wenigen Sätzen nicht beantworten lässt. Laut, bunt, heiss, anstrengend, dreckig, witzig, nervig, lecker, wahnsinnig, schrecklich, lehrreich, schön.
Ich kann es nicht sagen, sucht euch etwas aus.
Mein Alltag: Morgens um halb zehn fuhren wir mit einem klimatisierten Auto durch den irren Verkehr ins klimatisierte Büro, wo ich dann 9-10 Stunden gearbeitet habe. Das Essen wurde gebracht, die Pausen waren frei wählbar, die Leute im Büro nett, freundlich und liebenswert. Abends sind wir dann mit dem Auto zurück gefahren und ich durfte mich mit solchen Kleinigkeiten herumschlagen wie der Frage, wo man am besten Toilettenpapier, Milch und Brot kaufen kann und was ich zu abend esse. Meine Maid hat geputzt und gewaschen, ich bin abends nur draussen gewesen um einzukaufen. Da es um Punkt sieben dunkel ist, und ich meistens müde war, habe ich in der Woche selten etwas unternommen.
Meine Wochenenden: Ich habe versucht so viel wie möglich von dem Land mitzubekommen indem ich viel gereist bin. Natürlich habe ich hauptsächlich klassische Touristenziele ausgesucht und mir ist bewusst, dass viele meiner Reiseziele auch nur ein Teil des typischen Indiens gewesen sind. Es waren eigentlich immer Orte, wohin auch Inder reisen, mit unglaublichen Sehenwürdigkeiten, viel Geschichte oder einfach großartiger Natur. Die Art des Reisens war sehr indisch- Busse und Bahnen, in welchen ich oder wir meistens die einzigen 'Westler' waren, aber ich gehörte dort ja auch zu der Bevölkerungsgruppe, die sich das Reisen leisten können. Allerdings habe ich es mir verkniffen überall hin mit angeheuertem Fahrer und Auto zu fahren.
Ich habe sehr viele sehr schöne Dinge gesehen und weit über 1000 Fotos gemacht. Aber, und das habe ich hier im Blog sehr oft weggelassen, ich habe auch ganz viele sehr schreckliche Dinge gesehen. Ich habe halbverhungerte oder gruselig verstümmelte Menschen jeden Alters, inklusive Kindern gesehen, merkwürdig verbogene Gliedmassen, verletzte Menschen und Tiere. Ich habe Slums gesehen, in welchen die Menschen zum Teil nur dahinvegetieren. Ich habe Krankheiten gesehen, die in Europa nicht zum typischen Straßenbild gehören und ich habe so unglaublich oft einfach gar nichts machen können. Die Hilflosigkeit war furchtbar- in so vielen Ländern die ich bisher bereist habe hätte ich gewusst wie ich helfen kann. Krankenwagen oder Feuerwehr anrufen, Jugendämter oder den Tierschutz aktivieren... Mir blieb bis auf wenige Male, wo ich wenigstens im Nachhinein versuchen konnte durch Emails irgendetwas zu tun, keine Möglichkeit zu agieren, und ich weiss immer noch nicht was für mich schlimmer war- der Anblick oder das Gefühl der Hilflosigkeit. Es ist tatsächlich so, dass man abhärtet und einige Dinge irgendwann einfach so hinnimmt. Aber vieles werde ich nie vergessen können... Ich bin froh, dass ich eigentlich nur einen kleinen Teil gesehen habe und diese Bilder nicht meinen Alltag beherrscht haben. Was unzweifelhaft an meinem 'Upper-Class' Arbeitsleben lag!
Aber ich ahnte vor meinem Abflug worauf ich mich eingelassen hatte, und trotzdem bin ich geflogen und habe es keine Sekunde bereut.
Das Essen:
Indisches Essen ist super! Ich bin als Vegetarierin noch nie so unproblematisch in einem Land zurecht gekommen. Ich liebe indisches Essen, allerdings nur 'less spicy' was mir dann trotzdem meistens die Tränen in die Augen trieb...
Und ich kann inzwischen wirklich ohne größere Unfälle ohne Besteck mit der rechten Hand essen und dabei die verpönte linke Hand unter dem Tisch lassen.
Aber zum Frühstück finde ich indisches Essen unmöglich. Ich bin kein großer Frühstücker, meistens trinke ich eine Tasse Kaffee. Und genau da beginnt die Frühstücksproblematik schon. Echter Kaffee ist sehr schwer aufzutreiben, meistens ist es Nescafé. Und wenn ich frühstücke, also in Deutschland, dann sind das meistens Brötchen oder Brot, und ich liebe Käse. Und genau da liegen die weiteren Punkte der Problematik.
Käse kann man zwar überall kaufen, allerdings nur Cheddar oder den indischen Paneer, die ich beide lahm finde.
Auch in Restaurants gibt es häufig kein Brot, Brötchen habe ich nicht einmal gefunden. Wenigstens für mich zu Hause konnte ich Toastbrot kaufen- anderes Brot habe ich ebenfalls NIE gesehen. In einem Restaurant gab es laut Karte Sandwiches, aber- das Brot war alle. Es war ein sehr indisches Restaurant... Inder frühstücken kein Brot. In den Touristengebieten gab es immer eine grosse Frühstücksauswahl, indisch, continental, israelisch, arabisch... Oft mit Obstsalat, selten mit Toast und eigentlich immer warm. Das kann mal nett sein, aber eigentlich mag ich kein großes Frühstück. Und in den Nicht-Touristen-Gebieten, da gab es wirklich indisches Frühstück, Marsala Dosa oder Rice Idly. Marsala Dosa ist eine Art Omelett, welches mit einer scharfen Soße bestrichen ist und in welches Kartoffeln eingewickelt sind, die typisch südindisch gewürzt sind. Wirklich super lecker, aber um Himmels Willen nicht zum Frühstück! Und Rice Idly sind kleine, natürlich warme Reiskuchen die mit verschiedenen, natürlich meistens sehr scharfen Soßen serviert werden... Seufz, kein Land für Brötchenesser...
Ansonsten habe ich nicht einen Tag Probleme mit dem Magen-Darm-Trakt gehabt, kein 'Delhi-Belly'.
Und das Trinken? Das Leitungswasser ist absolut tabu, gefährlich und verseucht, obendrein stinkt es schrecklich. Ich hatte keinen Filter sondern habe Flaschenwasser gekauft. Und das schmeckte zum Teil auch nicht besonders gut. In der Hinsicht bin ich sehr froh wieder hier zu sein :-)
Bin ich eigentlich froh wieder hier zu sein? Auch diese Frage wird mir andauernd gestellt. Ja, ich finde es schön wieder hier zu sein, meine Familie und meine Freunde wieder zu sehen, aber ich bin auch etwas traurig. Ich wäre gerne länger geblieben, noch 3 Monate, eventuell auch ein Jahr. Aber zwei Dinge sind ganz sicher- für immer möchte ich nicht in Indien leben, aber ich werde bestimmt wieder hinfahren.
Laut, bunt, heiss, anstrengend, dreckig, witzig, nervig, lecker, wahnsinnig, schrecklich, lehrreich, schön, es stimmt einfach alles irgendwie. :-)
Good Bye India!
Sonntag, 6. Juni 2010
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