Wir parkten das Motorrad, gingen durch einen schmalen Eingang und gelangten in einen voellig ueberfuellten kleinen Raum, wo er einen Tisch fuer 2 Personen bestellte und schon einmal bezahlte. Wir mussten dann noch etwas warten und ich nutzte die Gelegenheit endlich einmal zu dokumentieren, was hier aus einer, laut den weissen Strichen 3-spurigen Strasse gemacht wird....
Nachdem die Wartezeit um war gingen wir wieder in das Restaurant und bekamen Sitzplaetze gegenueber einem Ehepaar zugewiesen. Ich glaube ich war nicht nur in dem Restaurant sondern in dem gesamten Stadtviertel die einzige Auslaenderin. Aber ich habe mich nun schon daran gewoehnt angestarrt zu werden, so dass ich das einfach ignorieren konnte. Wir bekamen Wasser und Saft zu trinken und die Teller, typisch Suedindisch, waren mit diversen Mulden uebersaeht, in welche dann die verschiedenen Speisen verteilt werden. Relativ schnell kamen dann die ersten Kellner, die aus Eimern (!) mit Kellen die Speisen schoepften und froehlich ueber die Teller, die Tische und in die Getraenke verteilten. Da alle mit mir am Tisch sitzenden Menschen die linke Hand unter dem Tisch liessen vergass ich schnell meine Benimmregeln und tat es ihnen gleich. Obwohl ich gestehen muss, dass ich den Loeffel, der als einziges Besteckstueck neben jedem Teller lag doch recht haeufig benutzte. Irgendwie finde ich es ausserordentlich schwer Reis mit Sauce mit einer Hand zu essen, ohne das Essen grossflaechig ueber meine Hose und mein T-Shirt zu verteilen. Servietten gibt es nicht. Man waescht sich hinterher die Haende oder benutzt ein mitgebrachtes Taschentuch. Da ich ein solches nicht hatte ergab ich mich also in diese mir voellig fremde Situation und beschaeftigte mich damit die Speisen zu probieren. Einige musste ich unangetastet lassen, da sie so unglaublich scharf waren, dass ich Feuer haette spucken koennen. Waehrend ich mich also auf das Essen konzentrierte stellte Shiva mir die obige Frage. Was antwortet man darauf? Ich erwiderte, dass man sich in Restaurants zumindest doch bemuehen sollte Besteck zu benutzen. Waehrend ich Shiva beobachtete, wie er voellig souveraen alles mit der Hand ass, gruebelte er kurz und kam dann zu dem Entschluss: „ I will avoid restaurants in Germany. I think I will cook on my own...“
Nachdem wir ausgiebig gegessen hatten und ich mir ueberlegt hatte, dass ich, wenn ich JETZT nicht magenkrank werde, wohl den Haertetest endgueltig bestanden haette, wurden uns kleine Paeckchen auf den Tisch gelegt, die in Folie eingewickelt waren. Ich war absolut ratlos, was das denn bitte sein koennte und fragte Shiva. Er erklaerte mir, dass man dieses als Nachtisch essen solle, das wuerde die Speisen neutralisieren. Ich kenne diese kleinen Anisbroeckchen, aber das? Ich packte mein Paeckchen aus und fand ein Blatt. Ein gruenes, kunstvoll zusammengefaltetes, frisches Blatt. Von einer Pflanze. Mag sein, dass der etwas besser vorbereitete Indienreisende diese kennt, oder zumindest von ihnen gehoert hat- ich war aber nach wie vor total ratlos. Wie esse ich das? Einfach in den Mund stecken und essen. Bist du dir sicher? Klar... Okay, ich steckte also dieses ploetzlich gar nicht mehr kleine Blattpaket in den Mund und ass. Und ass. Und ass. Vom Aufstehen, uebers endlich Haende waschen, uebers Ueberqueren der Strasse und dem wieder Aufsitzen auf dem Mottorrad ass ich. Ich kann den Geschmack schlecht beschreiben- es war halt ein Blatt von einer Pflanze in welches irgendetwas eingewickelt war...
Ich bin uebrigens nicht magenkrank geworden, obwohl die hygienischen Bedingungen in diesem Restaurant sich etwas von den mir bekannten unterschieden. Aber das Essen war gut, das Blatt war merkwuerdig aber okay, und meine Hose habe ich abends in die Waesche getan...
Auf dem Weg zurueck habe ich mir dann den Spass gemacht einen Teil der Fahrt mit der Kamera zu fotographieren. Ich kann mich immer noch nicht daran gewoehnen, dass man hier wenn immer sich eine Luecke bietet einfach ueberholt, sich vorbeischleicht oder irgendwie sonst versucht einen moeglichst weit vorne liegenden Platz im Verkehr zu ergattern. Bitte, seht selbst- der wirklich reduzierte Verkehr an einem ruhigen Sonntagnachmittag
(Ja, sie tragen wirklich Cowboyhuete und der Mundschutz ist mehr als sinnvoll bei dem Job)
(im Damensitz)

Inzwischen hast du es sicher herausgefunden: Das war Paan, was man dir zu essen gab. Gibts in vielen leckeren Sorten je nachdem, was reingepackt wird. Es ist durchaus so gedacht, dass man ewig darauf herumkaut. ;)
AntwortenLöschenDanke, ja. Inzwischen weiss ich, dass es Paan war- angefreundet habe ich mich damit allerdings noch nicht so recht :-)
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