Freitag, 26. Februar 2010

Der erste Eindruck...

Kurz vor der Landung wachte ich auf. Die Hitze im Flieger traf mich mit voller Wucht. Ich wusste ja, dass es in Indien Ende Februar etwas wärmer ist als in Deutschland, aber etwas wissen und es dann fühlen ist doch irgendwie ein Unterschied.
Nachdem alle Formalitäten erledigt waren und ich den Flughafen verlassen wollte, rannte ich gegen eine Wand. Also eigentlich sogar gegen mehrere. Die erste Wand bestand aus Hitze, die zweite Wand bestand aus Staub/ Smog und die Dritte aus einer riesigen Masse von Taxifahrern die rufend oder Schilder schwenkend die Aufmerksamkeit der Ankommenden erhaschen wollten.
Ich schnappte mir ein Taxi und obwohl ich Klimaanlagen nicht ausstehen kann, war ich doch erleichtert, dass "mein" Taxi eine solche hatte. Den ersten Temperaturschock konnte ich so tatsächlich etwas mildern.
Dann machten wir uns auf den Weg nach Bangalore. Die Stadt ist mehrere km vom Flughafen entfernt und die Fahrt war unbeschreiblich. Leider hatte ich meine Kamera nicht griffbereit- die Eindrücke in Worte zu fassen fällt mir schwer. Die Straßen sind auf dieser Strecke zwar zum größten Teil asphaltiert und meistens auch mit diesen netten weißen Strichen ausgestattet, die einem in fast jedem Land dieser Welt signalisieren sollen wie viele Fahrspuren die Straße hat. Warum diese Striche hier aufgemalt sind hat sich mir allerdings nicht erschlossen. Ich habe auf einer 3-spurigen Straße ohne Seitenstreifen ungelogen 8 Fahrzeuge nebeneinander gezählt. Busse, Taxen, Roller, Motorräder und Rikshas stehen und fahren völlig kreuz und quer durcheinander. Ampeln gibt es wenige, und wenn es tatsächlich mal eine gibt, dann wird Gas gegeben bis zum bitteren Ende und dann eine Vollbremsung gemacht, damit sich kein anderer den besseren Halteplatz weiter vorne ergattern kann. Es wird selten geblinkt, grundsätzlich will der, der ganz rechts steht ganz nach links rüber und umgekehrt und bei den wenigen Ampeln stürzen sich dann auch noch Fußgänger in das allgemeine Getümmel. Verkehrsschilder oder ähnliches habe ich überhaupt nicht gesehen, das kann aber auch daran liegen, dass ich die gesamte Zeit über versucht habe mir meine Erste-Hilfe-Kurse in Erinnerung zu rufen und keine Zeit hatte nach welchen Ausschau zu halten. Ich bin kein ängstlicher Mensch, war ich noch nie, und ich hatte auch keine Angst um mich- ich saß schließlich in einem Auto. Aber ich habe mir ernsthaft Sorgen um die Motorrad- und Rollerfahrer gemacht. Aus irgendeinem mir völlig rätselhaften Grund scheint dieses "Nicht-System" jedoch zu funktionieren... Es könnte daran liegen, dass jedes Fahrzeug zur Warnung der anderen Fahrzeuge hupt. Es wird gehupt wenn man jemanden überholen will, wenn man gerade überholt, wenn man überholt hat, wenn man die Spur (haha) wechseln möchte und generell einfach weil hupen viel wichtiger ist als alles andere. Es herrscht ein absolut unglaubliches Gewimmel und Getümmel auf den Straßen, es ist laut, es ist bunt und durcheinander. Der Verkehr ist manchmal fast "normal" fließend, naja, also von der Geschwindigkeit her, häufiger allerdings steht man in irgendeinem Stau oder schleicht im Schrittempo um andere Fahrzeuge herum. Und hupt dabei natürlich. Ich habe schon einige Straßen dieser Welt gesehen aber ich glaube nicht, dass jemals etwas Vergleichlichbares dabei war.
Es wird noch etwas dauern, bevor ich mich da wirklich dran gewöhnt habe und nicht die ganze Zeit die Zweiradfahrer vor meinem inneren Auge stürzen sehe, Angst um jeden Fußgänger habe und jeden Momant mit zumindest einer Berührung der Fahrzeuge untereinander rechne...
In Bangalore selber wird das ganze noch schlimmer. Die Straßen sind schmaler, zum Teil nicht asphaltiert oder in einem desolaten Zustand. Wo in Europa längst eine Straße wegen Unbefahrbarkeit gesperrt worden wäre, insbesondere wegen Schlaglöchern in denen man unproblematisch einen Mittelklassewagen verschwinden lassen könnte, wird hier fröhlich drauf los gefahren. Jetzt muss man aber natürlich zusätzlich noch die Schlaglöcher umkurven. Und hupen, um zu signalisieren, dass man genau dieses gerade vor hat. Außerdem laufen jetzt auch noch recht viele Menschen auf der Straße herum um diese zu überqueren. Da es hier noch weniger Ampeln gibt, stürzen sich die Menschen einfach todesverachtend in den Verkehr und gehen drauflos. Den Ausländern fehlt allerdings meistens der Mut, wie die das machen habe ich noch nicht herausfinden können. Die Anzahl der Kühe und Hunde auf den Straßen ist während der Tageszeit nicht soo hoch. Allerdings muss man hier wirklich andere Maßstäbe ansetzen. Die Tiere werden dann also auch noch umkurvt...
Und in all dem Chaos und dem Lärm und dem Gewimmel und Gewusel und dem Dunst und dem Staub stehen an den Straßenrändern Unmengen von Palmen und blühenden Bäumen und Büschen in lila, pink, gelb, rot oder blau. Die meisten Frauen hier tragen Saris oder Salwaar Kameez in den buntesten Farben. Kinder ohne Helm sitzen in knallpinken "Hello Kitty" Shirts bei ihren Eltern hinten auf den Zweirädern und strahlen mich an. Die Häuser sind bunt, in hellen Pastelltönen gestrichen.
Es ist tagsüber so um die 35 Grad warm und nachts so um die 25 Grad.
Noch fühlt es sich an wie Urlaub- ich bin sehr gespannt ob sich meine Wahrnehmung ändern wird. Immerhin möchte ich hier 3 Monate leben und arbeiten.
Ich bin jetzt seit 30 Stunden hier und finde diese Stadt mit ihrer Vielfalt und ihren Gegensätzen einfach nur unbeschreiblich....

5 Kommentare:

  1. Jetzt mache ich echt mal einen Kommentar!
    Hattest Du den neuen Eintrag gerade gelöscht??? :-o
    Hatte ihn zumindest vor 2min nicht sehen können.

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  2. Kannst du das Cottage mal genauer beschreiben?
    Ach und vielleicht findest du noch einen zweiten Hello Kitty Anspitzer, dann bräuchten wir uns nicht mehr zu streiten :-)

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  3. Gut, dass du nicht nach Hamburg gegangen bist...viel zu hektisch!

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  4. krass. ich bin ja auf die ersten fotos gespannt ;)

    aber leb dich erstmal ein und nen schönen ersten arbeitstag morgen.

    wie war die ein/ausstandsparty?

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  5. Wuhaha - Ich will auch nach Indien!

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